12. –1°, Nebel u. wieder Schnee.

— Von Dr. Gelber (K.): sagt sich für Mittwoch früh an. — An der Appassionata. 1 — Nachmittag zum Hauswart der Gesellschaft der Musikfreunde; erhalten die Karten, leider sind es unrichtige: 60000 u. 10000 Kronen; erfahren, daß Frau Dr. Kraus sich den Vorgang nicht erklären konnte; ich gehe zu ihr ins Archiv u. erkläre ihr das eigenmächtige Vorgehen des Dieners. — In der Rumpler-Ausstellung 30000, Katalog 10000 Kronen. Eine höchst erfreuliche Bildersammlung: auch dem Laien fällt das Wahren von künstlerischen Grundsätzen ins Auge; mag der Künstler in noch so vielen verschiedenen Stilen sich versucht haben, – keine Nachahmung hat ihn aus der Bahn geworfen u. auch vor der Natur vergaß er der Kunst nicht. Wir konnten einige Stücke zu Lieblingen wählen u. wünschen, daß ähnliche Erscheinungen wieder an die Oberfläche kommen. — Frl. Elias zeigt den von Marianne Leibl an Frl. Kahn gerichteten Brief. Der Fall wird insofern sonderbar, als die Dame eigentlich über eine Empfehlung von Fr. Pairamall verfügt, somit einer zweiten Empfehlung hätte entraten können. Es scheint die Frage nach dem Honorar entscheidend zu sein. Jedenfalls sticht die Taktlosigkeit hervor, mit der sie von {2635} einer Fr. Langhan kommend (aus München) Miene macht, sich der Art des Unterrichts erst zu vergewissern, bevor sie zu mir kommt. Ich habe durch Frl. Elias aufgetragen, Frl. Kahn möge durchaus nicht wehleidig sein, sondern in einer Weise, die schon ihrer eigenen Würde entspricht, die Dame kaltstellen.

© Transcription Marko Deisinger.

12 –1°, fog and snow again.

— From Dr. Gelber (postcard): says he will come on Wednesday morning. — [Work] on the "Appassionata." 1 — In the afternoon to the concierge at the Gesellschaft der Musikfreunde; we obtain the tickets, unfortunately they are the wrong ones: 60,000 and 10,000 Kronen; we learn that Dr. Kraus could not explain the occurrence; I go to her at the Archive and explain her minion's unauthorized course of action. — To the Rumpler exhibition 30,000, catalogue 10,000 Kronen. A highly pleasing collection of pictures: an adherence to artistic principles strikes even the layman's eye; even when the artist has made attempts in so many different styles, – no imitation has thrown him off track and when confronted by Nature he did not forget Art. We were able to choose some works as our favorites, and hope that similar manifestations will surface again. — Miss Elias shows us the letter from Marianne Leibl addressed to Miss Kahn. The case is becoming peculiar, inasmuch as the lady actually has a recommendation from Mrs. Pairamall, and so could have dispensed with a second recommendation. The question of the fee seems to be decisive. Noticeable at any rate is the tactlessness with which she, coming from {2635} a Mrs. Langhan (in Munich) countenances first making sure what kind of instruction it is before she will come to me. Through Miss Elias I have assigned Miss Kahn not to be plaintive but, in a manner consistent with her own dignity, to give the lady the brush-off.

© Translation Stephen Ferguson.

12. –1°, Nebel u. wieder Schnee.

— Von Dr. Gelber (K.): sagt sich für Mittwoch früh an. — An der Appassionata. 1 — Nachmittag zum Hauswart der Gesellschaft der Musikfreunde; erhalten die Karten, leider sind es unrichtige: 60000 u. 10000 Kronen; erfahren, daß Frau Dr. Kraus sich den Vorgang nicht erklären konnte; ich gehe zu ihr ins Archiv u. erkläre ihr das eigenmächtige Vorgehen des Dieners. — In der Rumpler-Ausstellung 30000, Katalog 10000 Kronen. Eine höchst erfreuliche Bildersammlung: auch dem Laien fällt das Wahren von künstlerischen Grundsätzen ins Auge; mag der Künstler in noch so vielen verschiedenen Stilen sich versucht haben, – keine Nachahmung hat ihn aus der Bahn geworfen u. auch vor der Natur vergaß er der Kunst nicht. Wir konnten einige Stücke zu Lieblingen wählen u. wünschen, daß ähnliche Erscheinungen wieder an die Oberfläche kommen. — Frl. Elias zeigt den von Marianne Leibl an Frl. Kahn gerichteten Brief. Der Fall wird insofern sonderbar, als die Dame eigentlich über eine Empfehlung von Fr. Pairamall verfügt, somit einer zweiten Empfehlung hätte entraten können. Es scheint die Frage nach dem Honorar entscheidend zu sein. Jedenfalls sticht die Taktlosigkeit hervor, mit der sie von {2635} einer Fr. Langhan kommend (aus München) Miene macht, sich der Art des Unterrichts erst zu vergewissern, bevor sie zu mir kommt. Ich habe durch Frl. Elias aufgetragen, Frl. Kahn möge durchaus nicht wehleidig sein, sondern in einer Weise, die schon ihrer eigenen Würde entspricht, die Dame kaltstellen.

© Transcription Marko Deisinger.

12 –1°, fog and snow again.

— From Dr. Gelber (postcard): says he will come on Wednesday morning. — [Work] on the "Appassionata." 1 — In the afternoon to the concierge at the Gesellschaft der Musikfreunde; we obtain the tickets, unfortunately they are the wrong ones: 60,000 and 10,000 Kronen; we learn that Dr. Kraus could not explain the occurrence; I go to her at the Archive and explain her minion's unauthorized course of action. — To the Rumpler exhibition 30,000, catalogue 10,000 Kronen. A highly pleasing collection of pictures: an adherence to artistic principles strikes even the layman's eye; even when the artist has made attempts in so many different styles, – no imitation has thrown him off track and when confronted by Nature he did not forget Art. We were able to choose some works as our favorites, and hope that similar manifestations will surface again. — Miss Elias shows us the letter from Marianne Leibl addressed to Miss Kahn. The case is becoming peculiar, inasmuch as the lady actually has a recommendation from Mrs. Pairamall, and so could have dispensed with a second recommendation. The question of the fee seems to be decisive. Noticeable at any rate is the tactlessness with which she, coming from {2635} a Mrs. Langhan (in Munich) countenances first making sure what kind of instruction it is before she will come to me. Through Miss Elias I have assigned Miss Kahn not to be plaintive but, in a manner consistent with her own dignity, to give the lady the brush-off.

© Translation Stephen Ferguson.

Footnotes

1 "Sonate op. 57," Der Tonwille Heft 7 (=IV/1, Jan–March 1924), 3–33; Eng. transl., II, pp. 41–64.