12. XII. 19

Von Vrieslander (Br.): Erläuterung seines Telegramms; von Paul Graeners Anhängerschaft; Klage über Trics der Sortimenter, die meine Werke für vergriffen erklären. — 137 kg Holz á 1.60 Kronen vom Sohn der Bedienerin. — Mit Lie-Liechen nach Tisch ins Café Vindobona, wo wir mit Hertzka zusammentreffen; er erklärt sich zu op. 101 bereit, 3000 Kronen als Basis anzunehmen u. davon das Fünffache zu bezahlen, wie er selbst nur das Fünffache des Friedenspreises fordere, worauf ich eingehe; der Preis für sämtliche Sonaten: 50000 M. = 150000 Kronen schien ihm jedenfalls zu hoch, so daß er in der gegenwärtigen Zeit der Valutaschwankungen die Erledigung dieses langfristigen Unternehmens nicht für ersprießlich gehalten. Der wahre Grund der Gleichgiltigkeit zeigte sich alsbald, da er plötzlich nach der „Kleinen Bibliothek“ fragte; es zeigte sich, daß er dafür ein überaus starkes Interesse hat, auch ohne daß er von deren Inhalt Näheres wußte oder auch nur wissen konnte; er schlägt ein Bogenhonorar vor u. zwar 600 Kronen, räumt mir das Recht ein, so viele Bogen jährlich zu liefern, als mir nur paßt, sie sämtliche sofort in die Druckerei zu bringen u. „großzügige Propagande“ zu machen; mehr als das: er verpflichtet sich, zu einem neuen Honorar bei einer etwaigen neuen Auflage usw. – kurz, er macht das Anbot sehr verlockend u. nur der Umstand, daß wir hierüber gar nicht nachgedacht haben, also nicht im geringsten vorbereitet gewesen, hat es uns wünschenswert erscheinen lassen, die endgiltige Antwort uns noch [illeg]vorzubehalten; er betrug sich überaus devot u. vielleicht aufrichtig verehrungsvoll. — Hupka u. Brünauer davon Mitteilung gemacht, letzterer aber interessiert {2192} sich bereits viel weniger dafür, da er, nunmehr schon das erhöhte Honorar leistend lieber auf seine Rechnung zu kommen u. mehr zu spielen wünscht.

© Transcription Marko Deisinger.

December 12, 1919

From Vrieslander (letter): explanation of his telegram; about Paul Graener support; complaints about the tricks of the retailers, who declare my works out of print. — 137 kilograms of wood for 1.60 Kronen per kilogram from the maid's son. — With Lie-Liechen to lunch to Café Vindobona, where we meet up with Hertzka. Regarding Op. 101, he declares himself willing to take 3,000 Kronen as the basis, and to pay five times that, as he himself demands only five times the peacetime price, and I agree to his offer. The price for the collected sonatas, 50,000 Marks = 150,000 Kronen, appeared to him definitely too high, such that in the current period of fluctuating exchange rates he did not consider the settlement for this long-term undertaking to be profitable. The real reason for his nonchalance became quickly evident when he suddenly inquired after the Little Library; it was evident that he had a keen interest in that, even though he did not, or could not possibly know details of its content. He proposes payment per gathering, namely 600 Kronen, grants me the right to deliver as many gatherings per year as I would like, to send them to the printer immediately, and engage in "generous publicity." More than that: he commits himself to a new honorarium for any new edition, etc. – in short, he makes the offer very enticing, and only because we have not had time to think this over and are therefore not in the slightest prepared for it, does it seem desirable to us to defer giving a final answer. He behaved utterly devotedly and perhaps genuinely full of admiration. — Informed Hupka and Brünauer about this, but the latter is {2192} already much less interested since he is already paying the higher fee and prefers to get his money's worth and play more.

© Translation Scott Witmer.

12. XII. 19

Von Vrieslander (Br.): Erläuterung seines Telegramms; von Paul Graeners Anhängerschaft; Klage über Trics der Sortimenter, die meine Werke für vergriffen erklären. — 137 kg Holz á 1.60 Kronen vom Sohn der Bedienerin. — Mit Lie-Liechen nach Tisch ins Café Vindobona, wo wir mit Hertzka zusammentreffen; er erklärt sich zu op. 101 bereit, 3000 Kronen als Basis anzunehmen u. davon das Fünffache zu bezahlen, wie er selbst nur das Fünffache des Friedenspreises fordere, worauf ich eingehe; der Preis für sämtliche Sonaten: 50000 M. = 150000 Kronen schien ihm jedenfalls zu hoch, so daß er in der gegenwärtigen Zeit der Valutaschwankungen die Erledigung dieses langfristigen Unternehmens nicht für ersprießlich gehalten. Der wahre Grund der Gleichgiltigkeit zeigte sich alsbald, da er plötzlich nach der „Kleinen Bibliothek“ fragte; es zeigte sich, daß er dafür ein überaus starkes Interesse hat, auch ohne daß er von deren Inhalt Näheres wußte oder auch nur wissen konnte; er schlägt ein Bogenhonorar vor u. zwar 600 Kronen, räumt mir das Recht ein, so viele Bogen jährlich zu liefern, als mir nur paßt, sie sämtliche sofort in die Druckerei zu bringen u. „großzügige Propagande“ zu machen; mehr als das: er verpflichtet sich, zu einem neuen Honorar bei einer etwaigen neuen Auflage usw. – kurz, er macht das Anbot sehr verlockend u. nur der Umstand, daß wir hierüber gar nicht nachgedacht haben, also nicht im geringsten vorbereitet gewesen, hat es uns wünschenswert erscheinen lassen, die endgiltige Antwort uns noch [illeg]vorzubehalten; er betrug sich überaus devot u. vielleicht aufrichtig verehrungsvoll. — Hupka u. Brünauer davon Mitteilung gemacht, letzterer aber interessiert {2192} sich bereits viel weniger dafür, da er, nunmehr schon das erhöhte Honorar leistend lieber auf seine Rechnung zu kommen u. mehr zu spielen wünscht.

© Transcription Marko Deisinger.

December 12, 1919

From Vrieslander (letter): explanation of his telegram; about Paul Graener support; complaints about the tricks of the retailers, who declare my works out of print. — 137 kilograms of wood for 1.60 Kronen per kilogram from the maid's son. — With Lie-Liechen to lunch to Café Vindobona, where we meet up with Hertzka. Regarding Op. 101, he declares himself willing to take 3,000 Kronen as the basis, and to pay five times that, as he himself demands only five times the peacetime price, and I agree to his offer. The price for the collected sonatas, 50,000 Marks = 150,000 Kronen, appeared to him definitely too high, such that in the current period of fluctuating exchange rates he did not consider the settlement for this long-term undertaking to be profitable. The real reason for his nonchalance became quickly evident when he suddenly inquired after the Little Library; it was evident that he had a keen interest in that, even though he did not, or could not possibly know details of its content. He proposes payment per gathering, namely 600 Kronen, grants me the right to deliver as many gatherings per year as I would like, to send them to the printer immediately, and engage in "generous publicity." More than that: he commits himself to a new honorarium for any new edition, etc. – in short, he makes the offer very enticing, and only because we have not had time to think this over and are therefore not in the slightest prepared for it, does it seem desirable to us to defer giving a final answer. He behaved utterly devotedly and perhaps genuinely full of admiration. — Informed Hupka and Brünauer about this, but the latter is {2192} already much less interested since he is already paying the higher fee and prefers to get his money's worth and play more.

© Translation Scott Witmer.