22. VIII. 19 Des Morgens leichte durchsichtige Wolken, schön.

— An Gärtner (Ansichtsk.): Dank für Gruß u. Mitteilung von der Einreisebewilligung. — An den Bankverein per Postanweisung 3 71.60 Kronen u. Verständigung hievon 1 in einer Karte; damit nach Radstadt. — Herr Kl. jun. teilt uns mit, daß ein Klavierstimmer nachmittags kommen werde, den die Eigentümerin des Klaviers, eine Kaufmannsfrau in Radstadt, hergeschickt habe; er fragt, zu welcher Stunde der Mann gelegen käme, worauf wir jede Zeit freigeben. Noch saßen wir bei Tisch, als der Klavierstimmer eintrat, u. ich ließ ihn selbstverständlich gewähren, ohne mir den Kopf darüber zu zerbrechen, wer die Leistung zu bezahlen haben wird. Auf mich selbst wäre ich zuletzt verfallen, da ich den Mann ja nicht bestellt hatte. Ueberraschenderweise kam es (zu spät) an den Tag, daß die Frau ihn hierher geschickt hatte, damit er sich erkundige, ob das Instrument gestimmt werden soll; so wenigstens erzählte der Stimmer den Sachverhalt, u. so wären denn nur eigentlich noch Kl. jun. u. ich in die engere Wahl gekommen; da war mir wohl aber kein Zweifel mehr, daß mir offenbar ein Vergnügen zugedacht war, für das selbstverständlich nur ich allein aufzukommen hatte!! 30 Kronen(!!). Daß ich, wenn er bei mir angefragt hätte, das Stimmen abgelehnt haben würde, ist ja klar, denn meine Sache ist es gewiß nicht gewesen, für die wenigen Tage noch das Instrument stimmen zu lassen u. der Frau oder dem Neffen ein Geschenk zu machen, wo ich doch ohnehin für die Monatsmiete aufkomme. — Von Weisse (Telegramm): komme Dienstag morgens. — Gegen 4h Regen. — Nach der Jause gehen wir zur Hausfrau, um die Ankunft Weisses zu melden u. bringen bei der Gelegenheit Mehreres über den Ver- {41} walter an, das sie aus ihrer eigenen Erfahrung bestätigt, ja noch überbietet. — In der „N. Fr. Pr.“ wird die Verordnung der Salzburger Landesbehörde bekannt gegeben, wornach 2 am 1. IX. alle Fremden das Land zu verlassen haben; 3 wir wollen nun die Rückkehr Herrn Kl. abwarten, um von ihm Auskunft über das Schicksal der letzten beiden Wochen zu erhalten. — Absage von Winternitz.

© Transcription Marko Deisinger.

August 22, 1919 Light, transparent clouds in the morning, nice.

— To Gärtner (picture postcard): thanks for the greetings and for the news about the entry visa. — To the Bankverein 3 71.60 Kronen by mail order and a postcard to notify of this; 1 with it to Radstadt. — Mr. Klammerth, Jr. informs us that a piano tuner will come in the afternoon, sent here by the owner of the piano, the wife of a businessman in Radstadt; he asks what time it would suit us for the man to come, and we say he can come anytime. We were still eating when the piano tuner entered and I of course gave him permission without giving too much thought to who would have to pay for the service. The last person I would have thought of was myself, since I had not booked the man. To our surprise it was revealed (too late) that the woman [who owns the piano] had sent him over to ask whether the instrument should be tuned; at least that is how the tuner described the situation, and so only Klammerth, Jr. and I were left to choose from; but there was no more doubt in my mind that this joy was apparently intended for me, and so I alone, of course, was expected to pay for it!! 30 Kronen(!!). That I would have refused the tuning if I had been asked, that much is certain, since it was certainly not in my interest to have the instrument tuned just for the few remaining days as a present to the woman [who owns the piano] or [Klammerth's] nephew when I already pay monthly rent as it is. — From Weisse (telegram): he will come Tuesday morning. — Rain around 4:00. — After teatime we go see the landlady to inform her about Weisse's arrival and take the opportunity to tell her various things about the manager, {41} which she confirms and even trumps on the basis of her own experience. — The Neue Freie Presse reports on the ordinance set by the state authority in Salzburg, according to which 2 all foreigners [i.e., non-Salzburg residents] must leave the state on September 1; 3 we want to wait until Mr. Klammerth returns to hear about the fate of our last two weeks. — Winternitz cancels.

© Translation Scott Witmer.

22. VIII. 19 Des Morgens leichte durchsichtige Wolken, schön.

— An Gärtner (Ansichtsk.): Dank für Gruß u. Mitteilung von der Einreisebewilligung. — An den Bankverein per Postanweisung 3 71.60 Kronen u. Verständigung hievon 1 in einer Karte; damit nach Radstadt. — Herr Kl. jun. teilt uns mit, daß ein Klavierstimmer nachmittags kommen werde, den die Eigentümerin des Klaviers, eine Kaufmannsfrau in Radstadt, hergeschickt habe; er fragt, zu welcher Stunde der Mann gelegen käme, worauf wir jede Zeit freigeben. Noch saßen wir bei Tisch, als der Klavierstimmer eintrat, u. ich ließ ihn selbstverständlich gewähren, ohne mir den Kopf darüber zu zerbrechen, wer die Leistung zu bezahlen haben wird. Auf mich selbst wäre ich zuletzt verfallen, da ich den Mann ja nicht bestellt hatte. Ueberraschenderweise kam es (zu spät) an den Tag, daß die Frau ihn hierher geschickt hatte, damit er sich erkundige, ob das Instrument gestimmt werden soll; so wenigstens erzählte der Stimmer den Sachverhalt, u. so wären denn nur eigentlich noch Kl. jun. u. ich in die engere Wahl gekommen; da war mir wohl aber kein Zweifel mehr, daß mir offenbar ein Vergnügen zugedacht war, für das selbstverständlich nur ich allein aufzukommen hatte!! 30 Kronen(!!). Daß ich, wenn er bei mir angefragt hätte, das Stimmen abgelehnt haben würde, ist ja klar, denn meine Sache ist es gewiß nicht gewesen, für die wenigen Tage noch das Instrument stimmen zu lassen u. der Frau oder dem Neffen ein Geschenk zu machen, wo ich doch ohnehin für die Monatsmiete aufkomme. — Von Weisse (Telegramm): komme Dienstag morgens. — Gegen 4h Regen. — Nach der Jause gehen wir zur Hausfrau, um die Ankunft Weisses zu melden u. bringen bei der Gelegenheit Mehreres über den Ver- {41} walter an, das sie aus ihrer eigenen Erfahrung bestätigt, ja noch überbietet. — In der „N. Fr. Pr.“ wird die Verordnung der Salzburger Landesbehörde bekannt gegeben, wornach 2 am 1. IX. alle Fremden das Land zu verlassen haben; 3 wir wollen nun die Rückkehr Herrn Kl. abwarten, um von ihm Auskunft über das Schicksal der letzten beiden Wochen zu erhalten. — Absage von Winternitz.

© Transcription Marko Deisinger.

August 22, 1919 Light, transparent clouds in the morning, nice.

— To Gärtner (picture postcard): thanks for the greetings and for the news about the entry visa. — To the Bankverein 3 71.60 Kronen by mail order and a postcard to notify of this; 1 with it to Radstadt. — Mr. Klammerth, Jr. informs us that a piano tuner will come in the afternoon, sent here by the owner of the piano, the wife of a businessman in Radstadt; he asks what time it would suit us for the man to come, and we say he can come anytime. We were still eating when the piano tuner entered and I of course gave him permission without giving too much thought to who would have to pay for the service. The last person I would have thought of was myself, since I had not booked the man. To our surprise it was revealed (too late) that the woman [who owns the piano] had sent him over to ask whether the instrument should be tuned; at least that is how the tuner described the situation, and so only Klammerth, Jr. and I were left to choose from; but there was no more doubt in my mind that this joy was apparently intended for me, and so I alone, of course, was expected to pay for it!! 30 Kronen(!!). That I would have refused the tuning if I had been asked, that much is certain, since it was certainly not in my interest to have the instrument tuned just for the few remaining days as a present to the woman [who owns the piano] or [Klammerth's] nephew when I already pay monthly rent as it is. — From Weisse (telegram): he will come Tuesday morning. — Rain around 4:00. — After teatime we go see the landlady to inform her about Weisse's arrival and take the opportunity to tell her various things about the manager, {41} which she confirms and even trumps on the basis of her own experience. — The Neue Freie Presse reports on the ordinance set by the state authority in Salzburg, according to which 2 all foreigners [i.e., non-Salzburg residents] must leave the state on September 1; 3 we want to wait until Mr. Klammerth returns to hear about the fate of our last two weeks. — Winternitz cancels.

© Translation Scott Witmer.

Footnotes

1 hievon: Austrian, elsewhere obsolete, for hiervon (about that).

2 wornach: archaic for wonach (according to which).

3 "Schluß der Salzburger Fremdensaison am 1. September. Eine Entscheidung der Salzburger Landesregierung," in: Neue Freie Presse , No. 19751, August 20, 1919, morning edition, p. 7.