30. 11°, Regen, nach Tisch Ausheiteung. 1

— Von Gärtner (K.): habe alles besorgt, werde die Entscheidung nachsenden. — Lie-Liechen bei ihrer Kommission wegen der neuen Lebensmittelkarten; wird abgewiesen. — Zu Schick; erzählt von seinem Sohne, den er gern von mir geprüft haben möchte; dem weiche ich aus u. gebe den Rat, unter allen Umständen Theorie-Unterricht zu nehmen, auch wenn er sich mit Liebhabertum bescheidet. — Lie-Liechen ersteht einen Seidenrest zu einem neuen Hütchen. — Sodann zu Fuß in die Mariahilferstraße; kaufen einen Bergstock bei Berko – für Lie-Liechens Stock findet sich derzeit keine Spitze – ; in dem Geschäft „Zum Selbstraseur“ Mivwa-Klingen, 5 Pakete á 12.50 Kronen, ein Fläschchen Benzin: 4.50 Kronen u. Rasierseife: 25 Kronen. — Per Tramwey [sic] zum Urban-Loritz-Platz; hier weiß niemand etwas von einem Staatsamt für Verkehr; nach langer Suche, die uns vom Platz wegführt, dorthin zurück zu Tisch. — Beim Ofensetzer Erkundigung nach Kosten des Umsetzens meines Ofens eingezogen. — Nachhause – von Schick wird pünktlich der Ueberzieher abgeliefert, ebenso pünktlich bringt der Kohlenmann Kohle; bei dieser Gelegenheit holen wir aus dem Keller die letzten 5 – 7 kg Kartoffeln hinauf u. Lie-Liechen putzt sie an Ort u. Stelle. — Zum Spengler wegen des Kellergitters; verspricht morgen um 8h zu kommen. — Bei einer Modistin Vorfrage wegen des Hütchens. — In die Apotheke. — Ins Caféhaus, um telephonisch Auskunft von Schrödl zu erfragen; werden auf Abend verwiesen. — Zu Meinl u. Buchner, wo Lie-Liechen bestes Entgegenkommen in ihren Wünschen findet. — Noch einmal zur Modistin; sagt ab, weil sie keine Maschine besitzt; weist uns an einen Kappenmacher. Nun zu diesem, Ungargasse, wo das Fräulein die Bestellung entgegennimmt. — Um Spiritus: „Morgen“. — Zu Frau Novak: „Morgen“. — Beim Gemüsehändler Butter bestellt. — Zum Schuster: verspricht, die Schuhe „sofort“ zu bringen. — Der Schuster im Hause: „Was?“ – hat die Bestellung vergessen. — Von Frau Baudrexel (K.): Kaminfeger nicht hereinlassen! — An sie (K.): von selbst ihrem Wunsche entsprochen, gebe Adresse an. — An Herrn Baudrexel (K.): möge Zeitung abbestellen, damit sie die Leere der Wohnung nicht verrate. — Von Glässner (Br.): Gutachten! — Der Schusterjunge bringt die Schuhe in der Tat gleich, bekommt zum Lohn Brot mit Honig. — An Vrieslander (Br.): Mißverständnis bezüglich einer II. Auflage; wie ich Furtwängler kennen lernte u. worüber wir sprachen; erkundige mich nach seinen Wünschen; über Weisses Büchlein; erkundige mich nach Schröder. — Hans zum Abendessen: bringt 3 Dosen Kondensierte [sic] Milch: 48 Kronen u. ein leeres Marmeladeglas zurück; berichtet über seine Schwierigkeiten, nachhause über den Sommer zu fahren wegen drohender Musterung; mit uns ins Caféhaus. — Frau Schrödel erklärt den Auftrag für unausführbar. — Ersuche Hans, in der Bank eine Information zu besorgen u. bestelle ihn für morgen zur Jause. — Briefe an Dahms u. Vrieslander aufgegeben.

© Transcription Marko Deisinger.

30 11°, rain, clearing up after lunch. 1

— From Gärtner (postcard): have obtained everything, will send the decision later. — Lie-Liechen at her Commission with regard to the new food cards; is turned down. — To Schick; tells about his son, whom he would like to have tested by me; I evade the request and advise him to take theory lessons under all circumstances, even if he is content as a dilettante. — Lie-Liechen buys a offcut of silk for a new hat. — Then by foot to Mariahilferstraße; buy an alpenstock at Berko – no tip currently available for Lie-Liechen's alpenstock – ; in the store "Zum Selbstraseur" (home shaving supplies) Miwa razor blades, 5 packets for 12.50 Kronen each, a small can of gasoline: 4.50 Kronen and shaving soap: 25 Kronen. — By tram to Urban-Loritz-Platz; no one there knows where the State Bureau of Transportation is; after a long search that takes us away from the square, back there for lunch. — At the stove installer to request a cost estimate for moving my stove. — Home – the overcoat is delivered punctually by Schick and the coal is delivered likewise punctually by the coal man; we take the opportunity to bring up the last 5–7 kilograms of potatoes from the cellar and Lie-Liechen cleans them then and there. — To the plumber regarding the basement grate; promises to come tomorrow at 8:00. — Inquire with a fashion seamstress with regard to the hat. — To the apothecary. — To the coffee-house to ask about news by telephone from Schrödl; are put off until the evening. — To Meinl and Buchner, where Lie-Liechen's wishes are fulfilled very well. — Again to the fashion seamstress; cancels because she does not own a machine; refers us to a hatter. Then to the latter, Ungargasse, where the assistant takes the order. — For denatured alcohol: "tomorrow." — To Mrs. Novak: "tomorrow." — Butter ordered from the vegetable dealer. — To cobbler: promises to bring the shoes "at once." — The cobbler in the house: "What?" – forgot the order. — From Mrs. Baudrexel (postcard): do not let the chimneysweep in! — To her (postcard): fulfilled her wish on my own accord, give her address. — To Mr. Baudrexel (postcard): please cancel newspaper so that it does not betray the empty apartment. — From Glässner (letter): assessment! — The cobbler boy really brings the shoes right away, receives bread and honey in return. — To Vrieslander (letter): misunderstanding with regard to a second edition; how I met Furtwängler and what we spoke about; ask him about his wishes; about Weisse's small book; ask about Schröder. — Hans to dinner: brings three cans of condensed milk: 48 Kronen and returns an empty jam jar; tells about the difficulties involved in going home for the summer because of a threatening medical examination; to the coffee-house with us. — Mrs. Schrödel says the order cannot be filled. — Ask Hans to get some information in the bank and ask him to come for teatime tomorrow. — Letters to Dahms and Vrieslander posted.

© Translation Scott Witmer.

30. 11°, Regen, nach Tisch Ausheiteung. 1

— Von Gärtner (K.): habe alles besorgt, werde die Entscheidung nachsenden. — Lie-Liechen bei ihrer Kommission wegen der neuen Lebensmittelkarten; wird abgewiesen. — Zu Schick; erzählt von seinem Sohne, den er gern von mir geprüft haben möchte; dem weiche ich aus u. gebe den Rat, unter allen Umständen Theorie-Unterricht zu nehmen, auch wenn er sich mit Liebhabertum bescheidet. — Lie-Liechen ersteht einen Seidenrest zu einem neuen Hütchen. — Sodann zu Fuß in die Mariahilferstraße; kaufen einen Bergstock bei Berko – für Lie-Liechens Stock findet sich derzeit keine Spitze – ; in dem Geschäft „Zum Selbstraseur“ Mivwa-Klingen, 5 Pakete á 12.50 Kronen, ein Fläschchen Benzin: 4.50 Kronen u. Rasierseife: 25 Kronen. — Per Tramwey [sic] zum Urban-Loritz-Platz; hier weiß niemand etwas von einem Staatsamt für Verkehr; nach langer Suche, die uns vom Platz wegführt, dorthin zurück zu Tisch. — Beim Ofensetzer Erkundigung nach Kosten des Umsetzens meines Ofens eingezogen. — Nachhause – von Schick wird pünktlich der Ueberzieher abgeliefert, ebenso pünktlich bringt der Kohlenmann Kohle; bei dieser Gelegenheit holen wir aus dem Keller die letzten 5 – 7 kg Kartoffeln hinauf u. Lie-Liechen putzt sie an Ort u. Stelle. — Zum Spengler wegen des Kellergitters; verspricht morgen um 8h zu kommen. — Bei einer Modistin Vorfrage wegen des Hütchens. — In die Apotheke. — Ins Caféhaus, um telephonisch Auskunft von Schrödl zu erfragen; werden auf Abend verwiesen. — Zu Meinl u. Buchner, wo Lie-Liechen bestes Entgegenkommen in ihren Wünschen findet. — Noch einmal zur Modistin; sagt ab, weil sie keine Maschine besitzt; weist uns an einen Kappenmacher. Nun zu diesem, Ungargasse, wo das Fräulein die Bestellung entgegennimmt. — Um Spiritus: „Morgen“. — Zu Frau Novak: „Morgen“. — Beim Gemüsehändler Butter bestellt. — Zum Schuster: verspricht, die Schuhe „sofort“ zu bringen. — Der Schuster im Hause: „Was?“ – hat die Bestellung vergessen. — Von Frau Baudrexel (K.): Kaminfeger nicht hereinlassen! — An sie (K.): von selbst ihrem Wunsche entsprochen, gebe Adresse an. — An Herrn Baudrexel (K.): möge Zeitung abbestellen, damit sie die Leere der Wohnung nicht verrate. — Von Glässner (Br.): Gutachten! — Der Schusterjunge bringt die Schuhe in der Tat gleich, bekommt zum Lohn Brot mit Honig. — An Vrieslander (Br.): Mißverständnis bezüglich einer II. Auflage; wie ich Furtwängler kennen lernte u. worüber wir sprachen; erkundige mich nach seinen Wünschen; über Weisses Büchlein; erkundige mich nach Schröder. — Hans zum Abendessen: bringt 3 Dosen Kondensierte [sic] Milch: 48 Kronen u. ein leeres Marmeladeglas zurück; berichtet über seine Schwierigkeiten, nachhause über den Sommer zu fahren wegen drohender Musterung; mit uns ins Caféhaus. — Frau Schrödel erklärt den Auftrag für unausführbar. — Ersuche Hans, in der Bank eine Information zu besorgen u. bestelle ihn für morgen zur Jause. — Briefe an Dahms u. Vrieslander aufgegeben.

© Transcription Marko Deisinger.

30 11°, rain, clearing up after lunch. 1

— From Gärtner (postcard): have obtained everything, will send the decision later. — Lie-Liechen at her Commission with regard to the new food cards; is turned down. — To Schick; tells about his son, whom he would like to have tested by me; I evade the request and advise him to take theory lessons under all circumstances, even if he is content as a dilettante. — Lie-Liechen buys a offcut of silk for a new hat. — Then by foot to Mariahilferstraße; buy an alpenstock at Berko – no tip currently available for Lie-Liechen's alpenstock – ; in the store "Zum Selbstraseur" (home shaving supplies) Miwa razor blades, 5 packets for 12.50 Kronen each, a small can of gasoline: 4.50 Kronen and shaving soap: 25 Kronen. — By tram to Urban-Loritz-Platz; no one there knows where the State Bureau of Transportation is; after a long search that takes us away from the square, back there for lunch. — At the stove installer to request a cost estimate for moving my stove. — Home – the overcoat is delivered punctually by Schick and the coal is delivered likewise punctually by the coal man; we take the opportunity to bring up the last 5–7 kilograms of potatoes from the cellar and Lie-Liechen cleans them then and there. — To the plumber regarding the basement grate; promises to come tomorrow at 8:00. — Inquire with a fashion seamstress with regard to the hat. — To the apothecary. — To the coffee-house to ask about news by telephone from Schrödl; are put off until the evening. — To Meinl and Buchner, where Lie-Liechen's wishes are fulfilled very well. — Again to the fashion seamstress; cancels because she does not own a machine; refers us to a hatter. Then to the latter, Ungargasse, where the assistant takes the order. — For denatured alcohol: "tomorrow." — To Mrs. Novak: "tomorrow." — Butter ordered from the vegetable dealer. — To cobbler: promises to bring the shoes "at once." — The cobbler in the house: "What?" – forgot the order. — From Mrs. Baudrexel (postcard): do not let the chimneysweep in! — To her (postcard): fulfilled her wish on my own accord, give her address. — To Mr. Baudrexel (postcard): please cancel newspaper so that it does not betray the empty apartment. — From Glässner (letter): assessment! — The cobbler boy really brings the shoes right away, receives bread and honey in return. — To Vrieslander (letter): misunderstanding with regard to a second edition; how I met Furtwängler and what we spoke about; ask him about his wishes; about Weisse's small book; ask about Schröder. — Hans to dinner: brings three cans of condensed milk: 48 Kronen and returns an empty jam jar; tells about the difficulties involved in going home for the summer because of a threatening medical examination; to the coffee-house with us. — Mrs. Schrödel says the order cannot be filled. — Ask Hans to get some information in the bank and ask him to come for teatime tomorrow. — Letters to Dahms and Vrieslander posted.

© Translation Scott Witmer.

Footnotes

1 Ausheiterung: archaic for Aufheiterung (clearing up).