26. VIII. 14

Die Post bringt endlich verschiedene rückständige Nummern der „Frankfurter Ztg“, worin wir einige treffliche Zeitgedichte , sowie u. Artikel finden. Am erfreulichsten ist der Tonfall wider England's Perfidie; bedenklich nur die Mitteilung über Italien Haltung! Die Meldungen von den Kriegsschauplätzen beschränken sich auf Ergänzungen der gestrigen über die Schlacht von Krasnik.

*

Besuch bei Fr. Pairamall, die in ganz besonders taktloser Weise mich zu sich zu bitten wagte, um die Stunde abzusagen. Ich nehme an, daß sie den Krieg blos zum Vorwand genommen hat, um schon längst Vorgehabtes zur Erfüllung zu bringen. Seitdem ihre Beziehungen zu Prof. Ninn entfallen sind, hat sie keine weitere Verwendung für die bei mir zu schöpfenden Kenntnisse, u. da ist sie schmutzig genug, bei der ersten schech schlechten Gelegenheit abzusagen. Ganz possierlichen Eindruck machte es, wenn die unzweifelhaft reiche Frau zwischen Betonung des Reichtums u. Unterstreichung drohender Armut hin u. herpendelte her pendelte; . sSich herunterzusetzen, d. h. sich für arm auszugeben, das passte ihr denn doch nicht so gut in die Rolle. ; Iindessen brauchte sie den Vorwand der Armuth u. so gab es ein possierliches Schwanken zwischen Angaben von 250000 u. 10 oder 20000 Kr. jährlicher Rente. Wie sie sagt, verfügt ihr Haus über 27 oder 29 Plätze, d. h. Güter u. Häuser in u. um Lodcz. Den Zusammenbruch ihrer Fabriken erklärt sie damit, daß sibierische [sic], persische, kurz asiatische Kundschaft dem Haus verloren gehen müßte muß, wenn Lodz oesterreichisch werde wird. – Die Taktlosigkeit, die darin liegt, daß ich um den Besuch gebeten wurde, wäre freilich meinerseits inhibiert worden, wenn mir Mittelmann rechtzeitig mitgeteilt hätte, was ihm mitzuteilen aufgetragen war wurde. Aber wie konnte ich, bei noch so stark ausgeprägter Vorliebe, von Menschen nur das Schlechteste zu erwarten, darauf verfallen, daß mich jemand um den Besuch bittet, um mir eine Absage mitzuteilen. 1 Ich habe die Dame entsprechend mit Betrachtungen über das inferior schmutziges u. hinterhältiges polnisches Wesen regaliert! Daß sie die Spitze verstand, ging daraus hervor, daß sie über gegen den angeblich[en] Schmutz deutscher Frauen loszog. – In diesem Augenblicke, da ich eine [illeg]Repräsentantin polnischen u. jüd- {667} ischen Wesens verliere, obendrein gerne verliere, schickt sich Oesterreich an, Polen zu acquirieren. Keine Brücke führt aber von polnischem zu deutschem Wesen.

*

Französisches: Herr Clemençeau verlangt nunmehr, in seinem Blatte, daß die Wahrheit gesagt werde. 2 „Das französische Volk könne auch Mißerfolge ertragen.“ Zuerst wurde also gelogen u. hintendrein kommt die Phrase von der Wahrheit u. den hohen Charaktereigenschaften des franz. Volkes. Wäre es wahr, daß das französische Volk auch Mißerfolge vertragen könne, so brauchte man ja nicht gelogen von vornherein zu werden lügen, oder was dasselbe das selbe: auch die im Namen der Wahrheit von G. Clemenceau vorgetragene Charakteristik des franz. Volkes ist ebenfalls nur erlogen.

Daß es möglich ist, von vornherein die Wahrheit zu gestehen, zeigen ja die Deutschen. Daß es endlich auch möglich sein müßte, unter allen Umständen die Wahrheit zu sagen, wäre die einfache Konsequenz davon wenn es wahr wäre, daß die Franzosen sich auf Wahrheit verstehen. Dieser post festum unfreiwillige Trieb zur Wahrheit erinnert an die Dreyfus Affaire; auch damals hat die französische Nation von ihrer Wahrheitsliebe viel Aufhebens gemacht, aber freilich erst nachdem sie sich mit der Ehrlosig ehrlosesten Meineids-Orgie befleckt hatte. Schließlich ist ja auch die große französische Revolution nichts anderes gewesen, als die nur eine eingeborene Orgie böser Eigenschaften auf dem Wege zu einer notgedrungenen Phrase von Freiheit, Gleichheit u. Brüderlichkeit. Bedenklich ist ja allemal jener Charakter, der zur Wahrheit sich erst notgedrungen bequemt u. [illeg]zwar erst dann, nachdem ihm die Lügenhaftigkeit Schaden gebracht . hat.

*

Die Kämpfe in Russisch-Polen erweisen, daß dort ungeheuere russische Streitkräfte konzentriert waren u. noch sind. man stelle sich nun die Kapazität jener Reisenden u. Gewährsmänner vor, die unablässig versicherten, dass Russisch-Polen von Russen längst schon ganz geräumt wäre sei. Und nun erst die Niedertracht der Blätter, die, um Raum zu füllen, die borniertesten Ammenmärchen abdrucken.

*

Da der Menschheit Metzkger fehlen, die sie auf die Schlachtbank führten, so schlachten sie sich einander gegenseitig ab!

*

{668} Mein Barometer italienischer Neutralität: Im Garten der italienischen Botschaft, der dem Rennweg u. der Reisnerstraße zugewendet ist, sind auf hohen Säulen Köpfe angebracht, die offenbar von Ausgrabungen stammen, angebracht. Diese Köpfe beobachte ich nun, so oft ich am Garten vorübergehe. Würden sie , Gott behüte!, eines Tages fehlen, so wüßte ich auch trotz Dementis, daß Italien gegen Oesterreich zieht; . sSo unauffällig das Merkmal ist, so sicher würde es entscheiden. Doch mögen sich die Köpfe lange an unserer Sonne erfreuen!

*

Viel wird dieser Zeit von dieer Friedlichkeit des Kaufmannes betont geschrieben, während England zugleich das Beispiel eines Geschäftskrieges gibt! Sicher ist so viel, daß der Kaufmann friedlich ist, so lange er seinen „bürgerlichen“ Gewinn in einer jener Höhe einstreichten kann, die schon anti-bürgerlich u. antisozial genannt werden darf. Im Augenblicke aber, da der Kaufmann solchen Gewinn nicht mehr bezieht erzielt, mag darf man den Krieg für ausgemacht halten, wobei es dann ohne Belang ist, wie er es in jene staatlichen Motore umzusetzen weiß, die man „Kriegspartei“ nennt. Die Geschichte aller Völker lehrt, daß bei Kriegen meistens persönliche Eitelkeit oder kaufmännisches Interesse im Spiele waren, niemals aber z. B. Fragen der Kultur, die man allezeit nur sich selbst überläßt.

*

Die Begeisterung in Oesterreich über den Sieg bei Krasnik ist nicht gerade stürmisch zu nennen. Kein Zweifel, daß Oesterreich ist vom Slaventum arg angekränkelt ist, u. selbst das Deutschtum in Oesterreich erscheint durch slavische Passivität u. Wortmacherei bereits vielfach gebunden. Dennoch ist zu erwarten, daß die oesterreichische Armee auf dem russischen Kampfplatze sich dem russischen Gegner überlegen zeigen wird.

*

© Transcription Marko Deisinger.

August 26, 1914.

The mail finally brings some back issues of the Frankfurter Zeitung , in which we find a few excellent poems for the time, and articles. The most gratifying thing is the inflection against England's perfidy; of concern, merely the report on Italy's attitude! The reports from the war zones are restricted to additions to yesterday's report on the Battle of Krasnik.

*

Visit to Mrs. Pairamall who, in a quite particularly tactless way, dares to ask me to cancel her lesson. I take at that she has taken the war merely as a pretense for bringing to fulfillment what she had for a long time had in mind. Since her connections with Prof. Nin have lapsed, she has no further use for the skills that she is to acquire from me; and so she is greedy enough to cancel at the first bad opportunity. The most absurd impression was made when this undoubtedly rich woman shuttled back and forth between emphasizing her wealth and underscoring the threat of poverty. To lower herself, that is, to make out that she is poor, is a role she is really not so good at taking; however, she needed the pretense of poverty, and so there was an absurd fluctuation of her yearly income between figures of 250,000 Kronen and 10,000 or 20,000 Kronen. As she says, her estate stretches over 27 or 29 locations, that is, properties and houses in and around Lodz. She explains the collapse of her factories as a result of Siberian and Persian (i.e. Asian) customer base being lost if Lodz becomes Austrian. – The tactlessness behind my being asked to visit her would, of course, have been inhibited on my part if Mittelmann had been prompt in communicating to me that which he was instructed to communicate. But how could I, in spite of my very strongly marked predilection for expecting only the worst in people, have realized that someone invited me for a visit only to communicate a cancellation? 1 Accordingly, I entertained the lady with thoughts about the basely greedy, secretive Polish character! That she got the message followed from the fact that she declaimed against the apparent greed of German women. – At this moment, when I am losing a representative of Polish and Jewish character, {667} and am moreover glad to lose her, Austria is making preparations to acquire Poland. There is no bridge, however, leading from the Polish to the German character.

*

Typically French: Mr. Clemenceau demands once again, in his paper, that the truth be spoken. 2 "The French people can also endure failures." Thus lying took place first, followed by the expression about the truth and the character traits of the French people. If it is true that the French people can also endure failures, then one did not need to lie in the first place. Or, what amounts to the same thing: even the character of the French people, as expressed by G. Clemenceau in the name of truth, is likewise only a falsehood.

That it is possible to admit the truth at the outset is something that the Germans demonstrate. That it would finally have to be possible to say the truth, under all circumstances, would be the simple consequence of it being true that the French understood what the truth is. This involuntary desire for the truth, after the fact, is reminiscent of the Dreyfus Affair; even in those days the French nation made a great fuss over their love for the truth, but of course only after they had defiled themselves with the most dishonorable orgy of perjury. In the end, too, the great French Revolution was nothing but an innate orgy of wicked attributes en route to an inevitable expression of "liberty, equality, and fraternity." Of concern is, at all times, that character trait that is forced to accept the truth only after the falsehood has caused it harm.

*

The struggles in Russian Poland demonstrate that tremendous numbers of Russian troops were, and still are, concentrated there. One can now imagine the capacity of those "travelers" and authorities, who incessantly affirmed that Russian Poland had long been "entirely occupied" by Russians. And only now the malice of the papers which, in order to fill space, print the most blinkered old wives' tales.

*

As humanity lacks butchers who could lead them to the slaughtering block, so people are slaughtering one another!

*

{668} My barometer of Italian neutrality: In the garden of the Italian embassy, which faces the Rennweg and Reisnerstraße, heads that have evidently come from excavations have been placed on tall columns. I now observe these heads whenever I pass the garden. If they were to disappear one day, God forbid!, then I would know, even in spite of denials, that Italy is moving against Austria. As unassuming the feature may be, so surely would it be decisive. But may the heads long delight in our sunshine!

*

Much is written at this time of the peaceable nature of the businessman, while England is at the same time giving us the example of a – commercial war! So much is sure: that the businessman is peaceable so long as he can rake in his "civic" profits to a sum that may be called anti-civic and antisocial. But in the moment that the businessman can no longer achieve such a profit, one can take the war for granted, whereby it is then of no concern how he is able to convert his affairs into those state motors that one calls "war party." The history of all peoples teaches us that, in times of war, personal vanity or business interests were usually at stake, but never questions of culture, for example, which are always just left to themselves.

*

The enthusiasm in Austria over the victory at Krasnik is not actually to be called tumultuous. No doubt, Austria suffers badly from Slavdom; and even German-ness in Austria is already bound in many respects by Slavic passivity and verbal invention. Nonetheless it is to be expected that the Austrian army will prove superior to its Russian opponent.

*

© Translation William Drabkin.

26. VIII. 14

Die Post bringt endlich verschiedene rückständige Nummern der „Frankfurter Ztg“, worin wir einige treffliche Zeitgedichte , sowie u. Artikel finden. Am erfreulichsten ist der Tonfall wider England's Perfidie; bedenklich nur die Mitteilung über Italien Haltung! Die Meldungen von den Kriegsschauplätzen beschränken sich auf Ergänzungen der gestrigen über die Schlacht von Krasnik.

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Besuch bei Fr. Pairamall, die in ganz besonders taktloser Weise mich zu sich zu bitten wagte, um die Stunde abzusagen. Ich nehme an, daß sie den Krieg blos zum Vorwand genommen hat, um schon längst Vorgehabtes zur Erfüllung zu bringen. Seitdem ihre Beziehungen zu Prof. Ninn entfallen sind, hat sie keine weitere Verwendung für die bei mir zu schöpfenden Kenntnisse, u. da ist sie schmutzig genug, bei der ersten schech schlechten Gelegenheit abzusagen. Ganz possierlichen Eindruck machte es, wenn die unzweifelhaft reiche Frau zwischen Betonung des Reichtums u. Unterstreichung drohender Armut hin u. herpendelte her pendelte; . sSich herunterzusetzen, d. h. sich für arm auszugeben, das passte ihr denn doch nicht so gut in die Rolle. ; Iindessen brauchte sie den Vorwand der Armuth u. so gab es ein possierliches Schwanken zwischen Angaben von 250000 u. 10 oder 20000 Kr. jährlicher Rente. Wie sie sagt, verfügt ihr Haus über 27 oder 29 Plätze, d. h. Güter u. Häuser in u. um Lodcz. Den Zusammenbruch ihrer Fabriken erklärt sie damit, daß sibierische [sic], persische, kurz asiatische Kundschaft dem Haus verloren gehen müßte muß, wenn Lodz oesterreichisch werde wird. – Die Taktlosigkeit, die darin liegt, daß ich um den Besuch gebeten wurde, wäre freilich meinerseits inhibiert worden, wenn mir Mittelmann rechtzeitig mitgeteilt hätte, was ihm mitzuteilen aufgetragen war wurde. Aber wie konnte ich, bei noch so stark ausgeprägter Vorliebe, von Menschen nur das Schlechteste zu erwarten, darauf verfallen, daß mich jemand um den Besuch bittet, um mir eine Absage mitzuteilen. 1 Ich habe die Dame entsprechend mit Betrachtungen über das inferior schmutziges u. hinterhältiges polnisches Wesen regaliert! Daß sie die Spitze verstand, ging daraus hervor, daß sie über gegen den angeblich[en] Schmutz deutscher Frauen loszog. – In diesem Augenblicke, da ich eine [illeg]Repräsentantin polnischen u. jüd- {667} ischen Wesens verliere, obendrein gerne verliere, schickt sich Oesterreich an, Polen zu acquirieren. Keine Brücke führt aber von polnischem zu deutschem Wesen.

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Französisches: Herr Clemençeau verlangt nunmehr, in seinem Blatte, daß die Wahrheit gesagt werde. 2 „Das französische Volk könne auch Mißerfolge ertragen.“ Zuerst wurde also gelogen u. hintendrein kommt die Phrase von der Wahrheit u. den hohen Charaktereigenschaften des franz. Volkes. Wäre es wahr, daß das französische Volk auch Mißerfolge vertragen könne, so brauchte man ja nicht gelogen von vornherein zu werden lügen, oder was dasselbe das selbe: auch die im Namen der Wahrheit von G. Clemenceau vorgetragene Charakteristik des franz. Volkes ist ebenfalls nur erlogen.

Daß es möglich ist, von vornherein die Wahrheit zu gestehen, zeigen ja die Deutschen. Daß es endlich auch möglich sein müßte, unter allen Umständen die Wahrheit zu sagen, wäre die einfache Konsequenz davon wenn es wahr wäre, daß die Franzosen sich auf Wahrheit verstehen. Dieser post festum unfreiwillige Trieb zur Wahrheit erinnert an die Dreyfus Affaire; auch damals hat die französische Nation von ihrer Wahrheitsliebe viel Aufhebens gemacht, aber freilich erst nachdem sie sich mit der Ehrlosig ehrlosesten Meineids-Orgie befleckt hatte. Schließlich ist ja auch die große französische Revolution nichts anderes gewesen, als die nur eine eingeborene Orgie böser Eigenschaften auf dem Wege zu einer notgedrungenen Phrase von Freiheit, Gleichheit u. Brüderlichkeit. Bedenklich ist ja allemal jener Charakter, der zur Wahrheit sich erst notgedrungen bequemt u. [illeg]zwar erst dann, nachdem ihm die Lügenhaftigkeit Schaden gebracht . hat.

*

Die Kämpfe in Russisch-Polen erweisen, daß dort ungeheuere russische Streitkräfte konzentriert waren u. noch sind. man stelle sich nun die Kapazität jener Reisenden u. Gewährsmänner vor, die unablässig versicherten, dass Russisch-Polen von Russen längst schon ganz geräumt wäre sei. Und nun erst die Niedertracht der Blätter, die, um Raum zu füllen, die borniertesten Ammenmärchen abdrucken.

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Da der Menschheit Metzkger fehlen, die sie auf die Schlachtbank führten, so schlachten sie sich einander gegenseitig ab!

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{668} Mein Barometer italienischer Neutralität: Im Garten der italienischen Botschaft, der dem Rennweg u. der Reisnerstraße zugewendet ist, sind auf hohen Säulen Köpfe angebracht, die offenbar von Ausgrabungen stammen, angebracht. Diese Köpfe beobachte ich nun, so oft ich am Garten vorübergehe. Würden sie , Gott behüte!, eines Tages fehlen, so wüßte ich auch trotz Dementis, daß Italien gegen Oesterreich zieht; . sSo unauffällig das Merkmal ist, so sicher würde es entscheiden. Doch mögen sich die Köpfe lange an unserer Sonne erfreuen!

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Viel wird dieser Zeit von dieer Friedlichkeit des Kaufmannes betont geschrieben, während England zugleich das Beispiel eines Geschäftskrieges gibt! Sicher ist so viel, daß der Kaufmann friedlich ist, so lange er seinen „bürgerlichen“ Gewinn in einer jener Höhe einstreichten kann, die schon anti-bürgerlich u. antisozial genannt werden darf. Im Augenblicke aber, da der Kaufmann solchen Gewinn nicht mehr bezieht erzielt, mag darf man den Krieg für ausgemacht halten, wobei es dann ohne Belang ist, wie er es in jene staatlichen Motore umzusetzen weiß, die man „Kriegspartei“ nennt. Die Geschichte aller Völker lehrt, daß bei Kriegen meistens persönliche Eitelkeit oder kaufmännisches Interesse im Spiele waren, niemals aber z. B. Fragen der Kultur, die man allezeit nur sich selbst überläßt.

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Die Begeisterung in Oesterreich über den Sieg bei Krasnik ist nicht gerade stürmisch zu nennen. Kein Zweifel, daß Oesterreich ist vom Slaventum arg angekränkelt ist, u. selbst das Deutschtum in Oesterreich erscheint durch slavische Passivität u. Wortmacherei bereits vielfach gebunden. Dennoch ist zu erwarten, daß die oesterreichische Armee auf dem russischen Kampfplatze sich dem russischen Gegner überlegen zeigen wird.

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© Transcription Marko Deisinger.

August 26, 1914.

The mail finally brings some back issues of the Frankfurter Zeitung , in which we find a few excellent poems for the time, and articles. The most gratifying thing is the inflection against England's perfidy; of concern, merely the report on Italy's attitude! The reports from the war zones are restricted to additions to yesterday's report on the Battle of Krasnik.

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Visit to Mrs. Pairamall who, in a quite particularly tactless way, dares to ask me to cancel her lesson. I take at that she has taken the war merely as a pretense for bringing to fulfillment what she had for a long time had in mind. Since her connections with Prof. Nin have lapsed, she has no further use for the skills that she is to acquire from me; and so she is greedy enough to cancel at the first bad opportunity. The most absurd impression was made when this undoubtedly rich woman shuttled back and forth between emphasizing her wealth and underscoring the threat of poverty. To lower herself, that is, to make out that she is poor, is a role she is really not so good at taking; however, she needed the pretense of poverty, and so there was an absurd fluctuation of her yearly income between figures of 250,000 Kronen and 10,000 or 20,000 Kronen. As she says, her estate stretches over 27 or 29 locations, that is, properties and houses in and around Lodz. She explains the collapse of her factories as a result of Siberian and Persian (i.e. Asian) customer base being lost if Lodz becomes Austrian. – The tactlessness behind my being asked to visit her would, of course, have been inhibited on my part if Mittelmann had been prompt in communicating to me that which he was instructed to communicate. But how could I, in spite of my very strongly marked predilection for expecting only the worst in people, have realized that someone invited me for a visit only to communicate a cancellation? 1 Accordingly, I entertained the lady with thoughts about the basely greedy, secretive Polish character! That she got the message followed from the fact that she declaimed against the apparent greed of German women. – At this moment, when I am losing a representative of Polish and Jewish character, {667} and am moreover glad to lose her, Austria is making preparations to acquire Poland. There is no bridge, however, leading from the Polish to the German character.

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Typically French: Mr. Clemenceau demands once again, in his paper, that the truth be spoken. 2 "The French people can also endure failures." Thus lying took place first, followed by the expression about the truth and the character traits of the French people. If it is true that the French people can also endure failures, then one did not need to lie in the first place. Or, what amounts to the same thing: even the character of the French people, as expressed by G. Clemenceau in the name of truth, is likewise only a falsehood.

That it is possible to admit the truth at the outset is something that the Germans demonstrate. That it would finally have to be possible to say the truth, under all circumstances, would be the simple consequence of it being true that the French understood what the truth is. This involuntary desire for the truth, after the fact, is reminiscent of the Dreyfus Affair; even in those days the French nation made a great fuss over their love for the truth, but of course only after they had defiled themselves with the most dishonorable orgy of perjury. In the end, too, the great French Revolution was nothing but an innate orgy of wicked attributes en route to an inevitable expression of "liberty, equality, and fraternity." Of concern is, at all times, that character trait that is forced to accept the truth only after the falsehood has caused it harm.

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The struggles in Russian Poland demonstrate that tremendous numbers of Russian troops were, and still are, concentrated there. One can now imagine the capacity of those "travelers" and authorities, who incessantly affirmed that Russian Poland had long been "entirely occupied" by Russians. And only now the malice of the papers which, in order to fill space, print the most blinkered old wives' tales.

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As humanity lacks butchers who could lead them to the slaughtering block, so people are slaughtering one another!

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{668} My barometer of Italian neutrality: In the garden of the Italian embassy, which faces the Rennweg and Reisnerstraße, heads that have evidently come from excavations have been placed on tall columns. I now observe these heads whenever I pass the garden. If they were to disappear one day, God forbid!, then I would know, even in spite of denials, that Italy is moving against Austria. As unassuming the feature may be, so surely would it be decisive. But may the heads long delight in our sunshine!

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Much is written at this time of the peaceable nature of the businessman, while England is at the same time giving us the example of a – commercial war! So much is sure: that the businessman is peaceable so long as he can rake in his "civic" profits to a sum that may be called anti-civic and antisocial. But in the moment that the businessman can no longer achieve such a profit, one can take the war for granted, whereby it is then of no concern how he is able to convert his affairs into those state motors that one calls "war party." The history of all peoples teaches us that, in times of war, personal vanity or business interests were usually at stake, but never questions of culture, for example, which are always just left to themselves.

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The enthusiasm in Austria over the victory at Krasnik is not actually to be called tumultuous. No doubt, Austria suffers badly from Slavdom; and even German-ness in Austria is already bound in many respects by Slavic passivity and verbal invention. Nonetheless it is to be expected that the Austrian army will prove superior to its Russian opponent.

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© Translation William Drabkin.

Footnotes

1 The separation was, however, only temporary: as the lessonbooks show, Pairamall resumed tuition with Schenker in November 1914.

2 See "Forderung Clemenceaus nach wahrheitsgetreuen Kriegsmeldungen," Neue Freie Presse, No. 17961, August 26, 1914, evening edition, p. 3.