Hamburg 13, Mittelweg 126, Ia/II.
4.X.34.

Sehr verehrter Meister! 1

Es ist an der Zeit, wiedermal einen ausführlichen Rapport zu machen. Zuvorderst das Sachliche. Es gibt da einiges Neue und Wissenswerte. Einmal die Abschrift eines Briefes von Furtwängler: 2



Sehr verehrter Herr von Cube!

Infolge meiner vielen Reisen innerhalb der letzten Monate komme ich erst jetzt dazu, Ihren Brief vom 4. Mai zu beantworten.

Ob es wirklich wahr ist, dass Sie nur wegen Ihrer Anhängerschaft der Schenker’schen Lehre in Hamburg entlassen wurden, kann ich nicht beurteilen. Ich weiss nur, dass heute sehr viele Entlassungen aus persönlichen Motiven geschehen, d.h. weil irgendwie ein anderer die betreffende Stelle haben soll oder muss [note in bottom margin] [Cube, cued from lower margin:] Die Stelle hat heute der stellvertretende Leiter der Landesmusikerschaft Nordmark. [end of cue] und dass die sachlichen Gründe, die bei solchen Gelegenheiten vorgebracht werden, häufig nur vorgeschoben sind.

Was Schenker und seine Lehre betrifft, so bin ich selbstverständlich jederzeit bereit, Ihnen und jedem, der es hören will, meine Ansicht mitzuteilen: dass es sich hier um eine Sache von höchsten Tragweite handelt, die, weil sie im Wesen der Natur und der grossen Meistwerke verankert ist, die Zukunft für sich hat, gegenüber so vielen anderen musikalischen Theorien, die um ihrer selbstwillen aus der Luft herausgegriffen wurden, und dass Schenker selber, obwohl rassenmäßig Jude, doch unbedingt als einer der eindringlichsten und grössten Verfechter und Verkünder deutschen Musikgenies und Musikgeistes betrachtet werden muss.

Ich bin soeben im Begriff, auf Urlaub zu gehen; vielleicht teilen Sie mir gelegentlich mit, wie sich Ihre Sache weiter entwickelt.


Mit den besten Empfehlungen bin ich
Ihr
[signed:] Wilhelm Furtwängler.

Diesen Brief erhielt ich vor acht Wochen. Ich habe ihn sofort dem Leiter des einzigsten Institutes hier geschickt, bei dem ich mir Hoffnung {2} machen konnte, so etwas wie einen Wirkungskreis zu erhalten, da derselbe sowohl begierig schien, die pädagogischen Vorteile Ihrer Lehre zu erproben, als auch mir persönlich gut bekannt ist. Dieser Herr kam vor kurzem von den Ferien zurück und erklärte sich – von Furtwänglers Brief sichtlich beeindruckt – bereit, einen Halbjahreskursus für seine Seminaristen und Junglehrer vorläufig einzurichten. Es ist für die ganze Lage hier indessen durchaus bezeichnend, und trotz aller Furtwänglerbriefe und Musikkammererklärungen 3 charakteristisch, dass man mir in einem von mir zu Werbezwecken verfassten Schriftsatz Ihren Namen nebst denen von Halm und Kurth gestrichen hat! Dabei hatte ich Ihnen diese paradoxe Nachbarschaft nur aus dem Grunde formell zugemutet, um eine Wiederholung der Anwürfe aus jener Mentalität, die mir hier andauernd zu schaffen mach[t] zu vermeiden. Möglicherweise missverstehen Sie dies ebenso, wie die inkrimierte [sic] Stelle aus jener Kritik, 4 aber dem Aussenstehenden ist manches unbegreiflich, das er nicht selbst erlebt. So kommt es beispielsweise vor, dass Händelsche Texte (Judas Maccabäus etc.) abgelehnt werden(!). Natürlich wären Halm und Kurth, wie sichs gehört, als Comparationes weggekommen; 5 dies ist nun zwar nicht mehr nötig, aber ich bin nunmehr ganz auf mündliche Nennung Ihres Namens angewiesen. (So kann man sich nötigenfalls auf mich herausreden – man hat ja offiziell sich nicht mit Ihrer Lehre identifiziert!) Dass eines Tags Ihr Name ohne kleinliche Ängste gennant wird, dafür habe ich nun wiedermal ein vorläufiges halbes Jahr Zeit, mich einzusetzen! 6

Unterdes bin ich auch nicht müssig gewesen, und habe dem Leiter der Landesmusikerschaft Ihren Essay „von der Sendung des deutschen Genies“ 7 zu lesen gegeben (es wird das erste sein, was er von Ihnen gelesen hat); neulich kam er zurück, nebst einem Brief des Herrn, dass er ihn „mit sehr grossem Interesse“ gelesen habe. Eine weniger allgemein gehaltene Meinungsäusserung war allerdings vom Landesleiter schwerlich zu erhoffen. Immerhin bin ich froh, dass er Zeit hatte, gerade dieses zu lesen! Es hilft doch ein bisschen. Erfreulicher ist das letzte Kapitel eines Werkes „Geschichte der Musikästhetik in Umrissen“ von Dr. Rudolf Schäfke, 8 in dem – nicht ohne alle Aposthophierungen – sonst aber sehr ausführlich von Ihnen die Rede ist, und vor allem auch gesagt wird, dass die von Ihnen entwickelten Anschauungen die Zukunft für sich haben. Meine eigenen Arbeiten erstrecken sich – neben kümmerlichen Unterrichtsstunden – auf mein erwähltes Spezialgebiet, die Noëtik der abendländlichen Tonsÿsteme. Ich kann heute schon soviel sagen, dass sich sehr viel mehr abstrakte Brücken zur allwirkenden Natur in der Tonkunst finden, als wir gedacht haben. Die Natur {3} scheint dem begnadeten Ton-Seher auch dort die Feder zu führen, ich möchte beinahe sagen „gerade dort“, wo wir am meisten die „Kunst“ bewundern! In Begriffe der Geometrie übersetzt, zeigt sich beispielsweise ein Gespinst von Gesetzmäßigkeiten, dass man nicht weiss, in welcher Erscheinungsform man Gottes Wunder am meisten bestaunen soll. Die sieben Diatonien einer Tonalität ergeben die Summe von 360º, ihre Quinten bereiche wandern um 180º, Dur und Moll (die 2te und 5te Diatonie) 9 stehen senkrecht aufeinander, um 90º verschieden, daher ihre spiegelbildliche Ähnlichkeit, die „falschen Quinten“ 10 (jeweils Halbmesser der Tonalität) drehen und wenden sich mit jeder Tonikalisierung und Modulation, oder bloss mit dem Übergang in gleichnamige Diatonien, z.B. phrÿgisch, (No 6.) und leisten dem Ohr den stärksten Vorschub beim orientieren in einen neuen Quintengang etc. etc. etc. Stufengang und Urlinie wandern getrennte Pfade, gleichwohl durch Gesetze, wie man sie bei Polÿgonen findet, in Wechselbeziehung gebunden. Dass man ganz nebenbei Schönbergs 12 Tonzirkel schlagend ad absurdum führen kann, ist nur angemessen! Dass die Kirchentonarten (und nicht nur durch Mischung) 11 noch leben ist ebenso beweisbar, wie die Tatsache, dass Dur und Moll eine wohlbedingte Vorzugsstellung einnehmen, – vielme[h]r einnehmen müssen. Und so geht es weiter durch hunderterlei Dinge, dass man mit Beobachten, Beschreiben und Rubrizieren nicht nachkommt. Ein paar Proben werde ich Ihnen nächstens doch mal schicken, obwohl ich noch nicht weiss, wo ich mit diesen Dingen am Ende rauskomme. Dabei halte ich wohlweislich fest: Köng ist das Ohr, und der Verstand Minister! Anders man sich verflixt leicht verbiestern kann, siehe Werker, 12 Lorenz 13 u.a. —

Nun das Menschliche, und das Allzumenschliche: 14 Ich lege Ihnen einen Bildchen von Frau und Sohn ein 15 – – ich nenne ihn „op. 1.“, und ich glaube, er ist das Beste, was ich überhaupt bis dato zustande gebracht habe. (Ich vergass im vorigen anzumerken: eine neue Sonate ist auch unter der Feder!) Der Kleine ist meines Lebens Freude, und Trost in allen Wiederwärtigkeiten. Unser Leben ist dürftig. Kaum genug zur Nahrung. Auch durch den neuen Kursus (pro Mann und Monat eine Mark fünfzig!) wird es kaum besser. Allmählich wird man aber gleichgültig und hart gegen derlei. Leider auch die Visage entsprechend grau und kantig. Das Allzumenschliche ist auch an mich herangekommen. Es gehen Gerüchte um in Hamburg! Ich weiss nicht, wer sie in Umlauf setzt; trappiere ich aber mal jemand, werde ich ihm eigenhändig das Rückgrat verbiegen! Man erzählt, ich hätte Herrn Violin finanziell {4} geschädigt, übervorteilt, was weiss ich – es geht so weit, dass erzählt wird, Herr Violin sei bei mir mit einer Summe Geldes „hängen geblieben“. Ich bin fest überzeugt, dass Herr Violin in solchem Falle sich an mich, oder gleich an die zuständige Schiedsstelle gewandt hätte, und würde es bedauern, wenn er stattdessen einigen „weiblichen Wesen“ durch unvorsichtige Bemerkungen Gelegenheit gegeben hat, ein Gequatsche von gefährlich ehrabschneiderischen Ausmaßen anzuzetteln. Auch dazu würde ich mit Bismarck sagen: „Nescio quid mihi magis farcimentum esset!“ 16 Die Sache geht aber endlich so weit, dass diese weiblichen Wesen aus lauter „persönlicher Abneigung“ gegen mich, (Gründe obengenannt) sich einen anderen Lehrer aus Berlin kommen lassen, dessen Auffasung von „Zusammenarbeit“ wir hier schon einmal zu Lebzeiten des Schenker-Institutes in aufschlussreichen Weise kennen zu lernen, Gelegenheit hatten! Meine Gelassenheit im Ansehen dieser Dinge kann ich nur deshalb wahren, da nach meinen Informationen für den genannten Herrn in Hamburg nicht viel Aussicht besteht, seine Kreise beträchtlich zu erweitern. Ihnen aber erzähle ich von den Dingen, weil ich Grund habe anzunehmen, dass Ihre Beurteilung meiner Person sowohl, wie meiner Haltung zu Ihnen Einflüssen ausgesetzt war oder ist, die ich, nachdem ich für Sie iher in vorderster Linie stehe, und die Genickschläge einstecke (während andere den Nutzen davon ziehen), zu dulden auf keinen Fall bewillt bin. Ihnen sage ich daher im Vertrauen: Ich bin der Ansicht, dass Herr Violin, bei allen achtens- und liebenswerten Eigenschaften die unglückliche Anlage hat, sich von allen getreten zu fühlen, und sich demgemäß, aus diesem Komplex heraus, mit allen früher oder später anlegt, aber dabei der Ansicht ist, er wäre ungerecht behandelt worden. Es ist mir begreiflich, dass ein hoher Grad von Subjektivität auch seine Schattenseiten haben kann. Wie ich im Mai 31. in Hamburg war, stellte mir Herr Violin ein Kalkül auf, welches von den nachher vorgefundenen Zuständen dermaßen abweichend war, dass man hier die „Zeit“ nicht mehr als Entschuldigung gelten lassen kann, sondern schon hart ins Gefild der Phantasie und Illusion versetzt ist. Darauf kann man aber keine Kompagnons verpflichten! Im kaufmännischen Leben wäre diese Sorte Optimismus nicht gut denkbar. Wenn man’s von der Seite betrachtet, so bin ich noch ganz anders „hängen geblieben“ und hänge noch, in einer Stadt, in der ich nicht einen Menschen habe. Wenn man Gehälten ausrechnet, die nachher anfang[s] überhaupt nicht, später noch nicht mal zur Hälfte realisierbar sind, so {5} muss man sich nicht wundern, wenn die Geister, die man rief, Geld aus der eignen Tasche kosten, das nachträglich nicht mehr zurückzuwirtschaften geht. 17

Man kann darüber unmutig sein, man darf aber nicht derartige Drachensaaten aufgehen lassen, wie das hier der Fall war! Ich will keine Gegenrechnungen aufstellen. Alten Schlamm soll man nicht aufrühren. Ich hatte es nur so in der Nase, dass die Quatscherei ihre Wellen bis zu Ihnen geschlagen hatte. Da lag es mir daran, mich, trotz der Gefahr des „qui s’excuse, s’accuse“[,] mit Ihnen zu verklaren!! —

So, jetzt wäre es halb zwei Uhr nachts. Zeit zum schlafen. Meine Frau und ich danken noch herzlichst für Ihre und Ihrer Gattin Glückwunsche!OJ 5/7a, [50]


Mit besten Grüssen bin ich
stets Ihr
[signed:] Cube.

P. S. Ist die zweite Url. Folge schon heraus? wann kommt der fr. Stz?

P. S. II. Einliegenden Zettel wollen Sie bitte Herrn Violin übermitteln, mit dem Bemerken, dass diesbezügliche Schritte zwecklos waren.

© Transcription William Drabkin, 2006


Hamburg 13, Mittelweg 126, Ia/II.
October 4, 1934

Most revered master, 1

It is time to give you once again a comprehensive report. To begin with, the facts: there are several things that are new and of interest. Here is a copy of a letter from Furtwängler: 2



My revered Mr. von Cube,

As a result of my numerous trips during the last months, I am only now able to answer your letter of May 4.

Whether it is really true that you were dismissed in Hamburg solely because of your adherence to Schenker's theory is something I am unable to judge. I know only that today a great number of people are dismissed for personal motives, i.e. because somehow someone else ought to, or must, have the post in question [note in bottom margin] [Cube, cued from lower margin:] My post is now taken by the deputy leader of the Provincial Music Society of the Northern Mark. [end of cue] and that the material grounds that are often advanced on such occasions are often merely used as a pretext.

As concerns Schenker und his theory, I am of course prepared at all times to tell you, and anyone else who wants to hear it, my opinion: that we are concerned here with a matter of the greatest consequences, which, because it is anchored in the essence of nature and the great masterworks, has a future in itself, unlike so many other theories of music that have been pulled out of thin air for their own sake, and that Schenker himself, although racially a Jew, must be regarded as one of the greatest and most powerful defenders and exponents of German musical genius and musical spirit.

I am just on the point of going on holiday; perhaps you will tell me, when you have a chance, how things develop further for you.


With my best regards, I am
Yours,
[signed:] Wilhelm Furtwängler.

I received this letter eight weeks ago. I sent it immediately to the director of the one and only institute here from which I have any hope {2} of receiving any sort of work, since not only does he desire to test the pedagogical values of your theory but also he is personally well acquainted with me. This gentleman returned recently from holiday and declared himself – visibly influenced by Furtwängler's letter – prepared to arrange a half-year course for his seminar students and trainee teachers on a temporary basis. It is entirely indicative and, in spite of all the Furtwängler letters and proclamations from the [Reichs]musikkamer, 3 characteristic of the entire situation at the moment that, in a text written by me for the purpose of publicity, your name, together with those of Halm and Kurth, were crossed out! I had imposed this constellation, which will seem paradoxical to you, only as a formality and for the purpose of avoiding a repeat of the false accusations from that mind-set which is constantly bothering me here. It is possible that you will misinterpret this likewise, as you did the incriminating passage from that review, 4 but many things are incomprehensible to someone who is not involved, who has not experienced it himself. Thus it occurs, for example, Handel's settings of [Old Testament] texts ( Judas Maccabaeus , for instance) are turned down(!) Of course Halm and Kurth would have, of necessity, been removed as comparators; 5 this is now, to be sure, no longer necessary, but I am once again forbidden to speak your name aloud. (Thus one can, if necessary, talk me out of this: [my] teaching is not officially identified with your theory!) That one day your name may be mentioned without the least fear is something to which I can once again devote myself, temporarily, over the next half year! 6

In the meantime I have not been lazy, and have given the director of the Provincial Music Association a copy of your essay "The Mission of German Genius" 7 to read (it will be the first thing of yours that he will have read). I do not, at any rate, have much hope that he will express his opinions in less general terms; nonetheless, I am happy that he has the time to read just this essay. It will at least help a little. More cheering is the last chapter of a work, Outline History of Music Aesthetics by Dr. Rudolf Schäfke, 8 in which – not without every apostrophizing – there is otherwise a very thorough account of your work, and above all it is said that the methods of contemplation that you have evolved have secured a future for themselves. My own activities, in addition to tiresome hours of teaching, extend to my chosen special field, intellectual speculation about Western tonal systems. I can already say this much today, that many more conceptual bridges may be found leading to Nature, in all its effectiveness, than we had imagined. Nature appears {3} to lead the pen of the gifted musical visionary to the place (I should almost like to say "to the precise place") where we most admire "art"! Translated into geometrical terms, a web of conformities to natural laws is revealed, for example, such that one does not know in which manifestation God's wonders are best to be admired. The seven diatonic steps of a tonality yield a sum of 360º, their regions of a fifth rotate by 180º, major and minor (the second and fifth diatonic step) 9 are vertically aligned, differing by 90º, thus explaining their mirror-image similarity, the "false fifths" 10 (each the radius of the tonal circle) turn and move with every tonicization and modulation, or merely with the transition to the diatonic system with the same note names, e.g. Phrygian (No. 6) and provide the ear the greatest encouragement to orient itself to a new progression of fifths, and so on and so forth. The harmonic path and the Urlinie go their separate ways, albeit by laws of the sort that one finds in polygons, and in interaction with one another. (It is only fitting, I note entirely in passing, that Schoenberg's twelve-note circle may be conclusively shown to lead to an absurdity!) That the church modes are still viable (and not merely on account of modal mixture) 11 is likewise demonstrable, as is the fact that major and minor assume – or, rather, must assume – a position of limited advantage. And thus it goes on with hundreds of things, so that one cannot keep up with the tasks of observing, describing and codifying. I shall, however, send you a few test pieces the next time I write, all though I do not yet know how these things will turn out for me. In this matter I shall adhere deliberately to the principle that the ear is King, reason his minister! Otherwise one can become only too easily confused: look at the writings of Werker, 12 Lorenz, 13 and others.

Now for the human, and the all-too-human: 14 I am enclosing a small picture of my wife and son 15 – I call him "Opus 1" and believe that he is the best thing that I have produced to date. (In writing the foregoing, I forgot to note that a new sonata is also being composed!) The young boy is the joy of my life, a comfort in all adversities. Our existence is meagre. There is hardly enough food. Even with the new course (1.50 Marks per person per month!) things will hardly get better. Gradually one grows indifferent and hardened to such things. Unfortunately, one's features become correspondingly gray and rough-edged. The all-too-human has also reached me: there are rumors going around Hamburg! I do not know who has been circulating them, but if I ever catch anyone I shall break his spine with my own hands! People are saying that I damaged Mr. Violin financially, {4} or cheated him, for that matter – it has gone so far that it is said that Mr. Violin has, on my account, been "left out of pocket" a sum of money. I am firmly convinced that Mr. Violin would, in such a case, have turned to me, or directly to the appropriate tribunal, and I would be very sorry if, instead of doing this, given the opportunity through some unguarded remarks for a few "female beings" to hatch a tale of such dimensions as to dangerously tarnish my honor. Even here I would quote Bismarck, saying: "Nescio quid mihi magis farcimentum esset!" 16 . The matter has in the end gone so far that these female beings, purely because of "personal distaste" for me (for the reasons expressed above), have engaged another teacher from Berlin, whose idea of "collaboration" we had the occasion to learn about all too well back in the days of the Schenker Institute. I can keep my composure in the face of these things because the prospects of that man increasing his circle of activity in Hamburg do not appear to be all that great. But I am recounting these things to you, because I have reason to believe that your judgment of my character and of my standing with you were or are exposed to influences which I, standing in the front line for you here and doing the fighting (while others draw advantages from it), am not willing to tolerate under any circumstances. I shall therefore tell you in confidence: I am of the opinion that Herr Violin, in spite of all of his laudable and endearing qualities, is unfortunately disposed to feeling trodden on by everyone, and because of this complex picks an argument with everyone sooner or later, but always being of the view that it is he who has been unfairly treated. I can understand that a high degree of subjectivity can also have its negative aspects. When I was in Hamburg in May 1931, Mr. Violin presented me with a calculation [of my likely income] that I subsequently discovered to be so much at variance with the conditions I found, that he simply could not lay the blame here on the "times," but must rather have been drifting into fields of fantasy and illusion. Yet one ought not subject any business partners to this! In commerical life, this sort of optimism would not have been imaginable. When viewed from that angle, then it is I who has been "left out of pocket," in an entirely different way, and I am still out of pocket, and in a city in which I do not have a single friend. If one reckons on sources of income that later prove to be utterly unrealizable to start with, and still later not even halfway realizable, then {5} it is hardly surprising to find the ghosts that one summons cost money from one's own pockets, which afterwards cannot be regained through employment. 17

One can be despondent about this, but one should not allow the seeds of discord to germinate, as was the case here! I am not demanding any compensation on my part. One should not dig up old dirt. But I was merely so annoyed that the waves of this gossip reverberated so far as you. Thus it was my obligation to make myself – in spite of the danger of "who excuses himself accuses himself" – understood with you !

So: now it is about 1:30 in the morning. Time to sleep. My wife and I thank you most cordially for the congratulations we received from you and your wife!OJ 5/7a, [50]


With best wishes I am
Ever yours,
[signed:] Cube.

P.S.[1]: Has the second series of Urlinie graphs already been published? When will Der freie Satz appear?

P.S.2: Please give the enclosed note to Mr. Violin, with the remark that the steps I took in this direction proved useless.

© Translation William Drabkin, 2006


Hamburg 13, Mittelweg 126, Ia/II.
4.X.34.

Sehr verehrter Meister! 1

Es ist an der Zeit, wiedermal einen ausführlichen Rapport zu machen. Zuvorderst das Sachliche. Es gibt da einiges Neue und Wissenswerte. Einmal die Abschrift eines Briefes von Furtwängler: 2



Sehr verehrter Herr von Cube!

Infolge meiner vielen Reisen innerhalb der letzten Monate komme ich erst jetzt dazu, Ihren Brief vom 4. Mai zu beantworten.

Ob es wirklich wahr ist, dass Sie nur wegen Ihrer Anhängerschaft der Schenker’schen Lehre in Hamburg entlassen wurden, kann ich nicht beurteilen. Ich weiss nur, dass heute sehr viele Entlassungen aus persönlichen Motiven geschehen, d.h. weil irgendwie ein anderer die betreffende Stelle haben soll oder muss [note in bottom margin] [Cube, cued from lower margin:] Die Stelle hat heute der stellvertretende Leiter der Landesmusikerschaft Nordmark. [end of cue] und dass die sachlichen Gründe, die bei solchen Gelegenheiten vorgebracht werden, häufig nur vorgeschoben sind.

Was Schenker und seine Lehre betrifft, so bin ich selbstverständlich jederzeit bereit, Ihnen und jedem, der es hören will, meine Ansicht mitzuteilen: dass es sich hier um eine Sache von höchsten Tragweite handelt, die, weil sie im Wesen der Natur und der grossen Meistwerke verankert ist, die Zukunft für sich hat, gegenüber so vielen anderen musikalischen Theorien, die um ihrer selbstwillen aus der Luft herausgegriffen wurden, und dass Schenker selber, obwohl rassenmäßig Jude, doch unbedingt als einer der eindringlichsten und grössten Verfechter und Verkünder deutschen Musikgenies und Musikgeistes betrachtet werden muss.

Ich bin soeben im Begriff, auf Urlaub zu gehen; vielleicht teilen Sie mir gelegentlich mit, wie sich Ihre Sache weiter entwickelt.


Mit den besten Empfehlungen bin ich
Ihr
[signed:] Wilhelm Furtwängler.

Diesen Brief erhielt ich vor acht Wochen. Ich habe ihn sofort dem Leiter des einzigsten Institutes hier geschickt, bei dem ich mir Hoffnung {2} machen konnte, so etwas wie einen Wirkungskreis zu erhalten, da derselbe sowohl begierig schien, die pädagogischen Vorteile Ihrer Lehre zu erproben, als auch mir persönlich gut bekannt ist. Dieser Herr kam vor kurzem von den Ferien zurück und erklärte sich – von Furtwänglers Brief sichtlich beeindruckt – bereit, einen Halbjahreskursus für seine Seminaristen und Junglehrer vorläufig einzurichten. Es ist für die ganze Lage hier indessen durchaus bezeichnend, und trotz aller Furtwänglerbriefe und Musikkammererklärungen 3 charakteristisch, dass man mir in einem von mir zu Werbezwecken verfassten Schriftsatz Ihren Namen nebst denen von Halm und Kurth gestrichen hat! Dabei hatte ich Ihnen diese paradoxe Nachbarschaft nur aus dem Grunde formell zugemutet, um eine Wiederholung der Anwürfe aus jener Mentalität, die mir hier andauernd zu schaffen mach[t] zu vermeiden. Möglicherweise missverstehen Sie dies ebenso, wie die inkrimierte [sic] Stelle aus jener Kritik, 4 aber dem Aussenstehenden ist manches unbegreiflich, das er nicht selbst erlebt. So kommt es beispielsweise vor, dass Händelsche Texte (Judas Maccabäus etc.) abgelehnt werden(!). Natürlich wären Halm und Kurth, wie sichs gehört, als Comparationes weggekommen; 5 dies ist nun zwar nicht mehr nötig, aber ich bin nunmehr ganz auf mündliche Nennung Ihres Namens angewiesen. (So kann man sich nötigenfalls auf mich herausreden – man hat ja offiziell sich nicht mit Ihrer Lehre identifiziert!) Dass eines Tags Ihr Name ohne kleinliche Ängste gennant wird, dafür habe ich nun wiedermal ein vorläufiges halbes Jahr Zeit, mich einzusetzen! 6

Unterdes bin ich auch nicht müssig gewesen, und habe dem Leiter der Landesmusikerschaft Ihren Essay „von der Sendung des deutschen Genies“ 7 zu lesen gegeben (es wird das erste sein, was er von Ihnen gelesen hat); neulich kam er zurück, nebst einem Brief des Herrn, dass er ihn „mit sehr grossem Interesse“ gelesen habe. Eine weniger allgemein gehaltene Meinungsäusserung war allerdings vom Landesleiter schwerlich zu erhoffen. Immerhin bin ich froh, dass er Zeit hatte, gerade dieses zu lesen! Es hilft doch ein bisschen. Erfreulicher ist das letzte Kapitel eines Werkes „Geschichte der Musikästhetik in Umrissen“ von Dr. Rudolf Schäfke, 8 in dem – nicht ohne alle Aposthophierungen – sonst aber sehr ausführlich von Ihnen die Rede ist, und vor allem auch gesagt wird, dass die von Ihnen entwickelten Anschauungen die Zukunft für sich haben. Meine eigenen Arbeiten erstrecken sich – neben kümmerlichen Unterrichtsstunden – auf mein erwähltes Spezialgebiet, die Noëtik der abendländlichen Tonsÿsteme. Ich kann heute schon soviel sagen, dass sich sehr viel mehr abstrakte Brücken zur allwirkenden Natur in der Tonkunst finden, als wir gedacht haben. Die Natur {3} scheint dem begnadeten Ton-Seher auch dort die Feder zu führen, ich möchte beinahe sagen „gerade dort“, wo wir am meisten die „Kunst“ bewundern! In Begriffe der Geometrie übersetzt, zeigt sich beispielsweise ein Gespinst von Gesetzmäßigkeiten, dass man nicht weiss, in welcher Erscheinungsform man Gottes Wunder am meisten bestaunen soll. Die sieben Diatonien einer Tonalität ergeben die Summe von 360º, ihre Quinten bereiche wandern um 180º, Dur und Moll (die 2te und 5te Diatonie) 9 stehen senkrecht aufeinander, um 90º verschieden, daher ihre spiegelbildliche Ähnlichkeit, die „falschen Quinten“ 10 (jeweils Halbmesser der Tonalität) drehen und wenden sich mit jeder Tonikalisierung und Modulation, oder bloss mit dem Übergang in gleichnamige Diatonien, z.B. phrÿgisch, (No 6.) und leisten dem Ohr den stärksten Vorschub beim orientieren in einen neuen Quintengang etc. etc. etc. Stufengang und Urlinie wandern getrennte Pfade, gleichwohl durch Gesetze, wie man sie bei Polÿgonen findet, in Wechselbeziehung gebunden. Dass man ganz nebenbei Schönbergs 12 Tonzirkel schlagend ad absurdum führen kann, ist nur angemessen! Dass die Kirchentonarten (und nicht nur durch Mischung) 11 noch leben ist ebenso beweisbar, wie die Tatsache, dass Dur und Moll eine wohlbedingte Vorzugsstellung einnehmen, – vielme[h]r einnehmen müssen. Und so geht es weiter durch hunderterlei Dinge, dass man mit Beobachten, Beschreiben und Rubrizieren nicht nachkommt. Ein paar Proben werde ich Ihnen nächstens doch mal schicken, obwohl ich noch nicht weiss, wo ich mit diesen Dingen am Ende rauskomme. Dabei halte ich wohlweislich fest: Köng ist das Ohr, und der Verstand Minister! Anders man sich verflixt leicht verbiestern kann, siehe Werker, 12 Lorenz 13 u.a. —

Nun das Menschliche, und das Allzumenschliche: 14 Ich lege Ihnen einen Bildchen von Frau und Sohn ein 15 – – ich nenne ihn „op. 1.“, und ich glaube, er ist das Beste, was ich überhaupt bis dato zustande gebracht habe. (Ich vergass im vorigen anzumerken: eine neue Sonate ist auch unter der Feder!) Der Kleine ist meines Lebens Freude, und Trost in allen Wiederwärtigkeiten. Unser Leben ist dürftig. Kaum genug zur Nahrung. Auch durch den neuen Kursus (pro Mann und Monat eine Mark fünfzig!) wird es kaum besser. Allmählich wird man aber gleichgültig und hart gegen derlei. Leider auch die Visage entsprechend grau und kantig. Das Allzumenschliche ist auch an mich herangekommen. Es gehen Gerüchte um in Hamburg! Ich weiss nicht, wer sie in Umlauf setzt; trappiere ich aber mal jemand, werde ich ihm eigenhändig das Rückgrat verbiegen! Man erzählt, ich hätte Herrn Violin finanziell {4} geschädigt, übervorteilt, was weiss ich – es geht so weit, dass erzählt wird, Herr Violin sei bei mir mit einer Summe Geldes „hängen geblieben“. Ich bin fest überzeugt, dass Herr Violin in solchem Falle sich an mich, oder gleich an die zuständige Schiedsstelle gewandt hätte, und würde es bedauern, wenn er stattdessen einigen „weiblichen Wesen“ durch unvorsichtige Bemerkungen Gelegenheit gegeben hat, ein Gequatsche von gefährlich ehrabschneiderischen Ausmaßen anzuzetteln. Auch dazu würde ich mit Bismarck sagen: „Nescio quid mihi magis farcimentum esset!“ 16 Die Sache geht aber endlich so weit, dass diese weiblichen Wesen aus lauter „persönlicher Abneigung“ gegen mich, (Gründe obengenannt) sich einen anderen Lehrer aus Berlin kommen lassen, dessen Auffasung von „Zusammenarbeit“ wir hier schon einmal zu Lebzeiten des Schenker-Institutes in aufschlussreichen Weise kennen zu lernen, Gelegenheit hatten! Meine Gelassenheit im Ansehen dieser Dinge kann ich nur deshalb wahren, da nach meinen Informationen für den genannten Herrn in Hamburg nicht viel Aussicht besteht, seine Kreise beträchtlich zu erweitern. Ihnen aber erzähle ich von den Dingen, weil ich Grund habe anzunehmen, dass Ihre Beurteilung meiner Person sowohl, wie meiner Haltung zu Ihnen Einflüssen ausgesetzt war oder ist, die ich, nachdem ich für Sie iher in vorderster Linie stehe, und die Genickschläge einstecke (während andere den Nutzen davon ziehen), zu dulden auf keinen Fall bewillt bin. Ihnen sage ich daher im Vertrauen: Ich bin der Ansicht, dass Herr Violin, bei allen achtens- und liebenswerten Eigenschaften die unglückliche Anlage hat, sich von allen getreten zu fühlen, und sich demgemäß, aus diesem Komplex heraus, mit allen früher oder später anlegt, aber dabei der Ansicht ist, er wäre ungerecht behandelt worden. Es ist mir begreiflich, dass ein hoher Grad von Subjektivität auch seine Schattenseiten haben kann. Wie ich im Mai 31. in Hamburg war, stellte mir Herr Violin ein Kalkül auf, welches von den nachher vorgefundenen Zuständen dermaßen abweichend war, dass man hier die „Zeit“ nicht mehr als Entschuldigung gelten lassen kann, sondern schon hart ins Gefild der Phantasie und Illusion versetzt ist. Darauf kann man aber keine Kompagnons verpflichten! Im kaufmännischen Leben wäre diese Sorte Optimismus nicht gut denkbar. Wenn man’s von der Seite betrachtet, so bin ich noch ganz anders „hängen geblieben“ und hänge noch, in einer Stadt, in der ich nicht einen Menschen habe. Wenn man Gehälten ausrechnet, die nachher anfang[s] überhaupt nicht, später noch nicht mal zur Hälfte realisierbar sind, so {5} muss man sich nicht wundern, wenn die Geister, die man rief, Geld aus der eignen Tasche kosten, das nachträglich nicht mehr zurückzuwirtschaften geht. 17

Man kann darüber unmutig sein, man darf aber nicht derartige Drachensaaten aufgehen lassen, wie das hier der Fall war! Ich will keine Gegenrechnungen aufstellen. Alten Schlamm soll man nicht aufrühren. Ich hatte es nur so in der Nase, dass die Quatscherei ihre Wellen bis zu Ihnen geschlagen hatte. Da lag es mir daran, mich, trotz der Gefahr des „qui s’excuse, s’accuse“[,] mit Ihnen zu verklaren!! —

So, jetzt wäre es halb zwei Uhr nachts. Zeit zum schlafen. Meine Frau und ich danken noch herzlichst für Ihre und Ihrer Gattin Glückwunsche!OJ 5/7a, [50]


Mit besten Grüssen bin ich
stets Ihr
[signed:] Cube.

P. S. Ist die zweite Url. Folge schon heraus? wann kommt der fr. Stz?

P. S. II. Einliegenden Zettel wollen Sie bitte Herrn Violin übermitteln, mit dem Bemerken, dass diesbezügliche Schritte zwecklos waren.

© Transcription William Drabkin, 2006


Hamburg 13, Mittelweg 126, Ia/II.
October 4, 1934

Most revered master, 1

It is time to give you once again a comprehensive report. To begin with, the facts: there are several things that are new and of interest. Here is a copy of a letter from Furtwängler: 2



My revered Mr. von Cube,

As a result of my numerous trips during the last months, I am only now able to answer your letter of May 4.

Whether it is really true that you were dismissed in Hamburg solely because of your adherence to Schenker's theory is something I am unable to judge. I know only that today a great number of people are dismissed for personal motives, i.e. because somehow someone else ought to, or must, have the post in question [note in bottom margin] [Cube, cued from lower margin:] My post is now taken by the deputy leader of the Provincial Music Society of the Northern Mark. [end of cue] and that the material grounds that are often advanced on such occasions are often merely used as a pretext.

As concerns Schenker und his theory, I am of course prepared at all times to tell you, and anyone else who wants to hear it, my opinion: that we are concerned here with a matter of the greatest consequences, which, because it is anchored in the essence of nature and the great masterworks, has a future in itself, unlike so many other theories of music that have been pulled out of thin air for their own sake, and that Schenker himself, although racially a Jew, must be regarded as one of the greatest and most powerful defenders and exponents of German musical genius and musical spirit.

I am just on the point of going on holiday; perhaps you will tell me, when you have a chance, how things develop further for you.


With my best regards, I am
Yours,
[signed:] Wilhelm Furtwängler.

I received this letter eight weeks ago. I sent it immediately to the director of the one and only institute here from which I have any hope {2} of receiving any sort of work, since not only does he desire to test the pedagogical values of your theory but also he is personally well acquainted with me. This gentleman returned recently from holiday and declared himself – visibly influenced by Furtwängler's letter – prepared to arrange a half-year course for his seminar students and trainee teachers on a temporary basis. It is entirely indicative and, in spite of all the Furtwängler letters and proclamations from the [Reichs]musikkamer, 3 characteristic of the entire situation at the moment that, in a text written by me for the purpose of publicity, your name, together with those of Halm and Kurth, were crossed out! I had imposed this constellation, which will seem paradoxical to you, only as a formality and for the purpose of avoiding a repeat of the false accusations from that mind-set which is constantly bothering me here. It is possible that you will misinterpret this likewise, as you did the incriminating passage from that review, 4 but many things are incomprehensible to someone who is not involved, who has not experienced it himself. Thus it occurs, for example, Handel's settings of [Old Testament] texts ( Judas Maccabaeus , for instance) are turned down(!) Of course Halm and Kurth would have, of necessity, been removed as comparators; 5 this is now, to be sure, no longer necessary, but I am once again forbidden to speak your name aloud. (Thus one can, if necessary, talk me out of this: [my] teaching is not officially identified with your theory!) That one day your name may be mentioned without the least fear is something to which I can once again devote myself, temporarily, over the next half year! 6

In the meantime I have not been lazy, and have given the director of the Provincial Music Association a copy of your essay "The Mission of German Genius" 7 to read (it will be the first thing of yours that he will have read). I do not, at any rate, have much hope that he will express his opinions in less general terms; nonetheless, I am happy that he has the time to read just this essay. It will at least help a little. More cheering is the last chapter of a work, Outline History of Music Aesthetics by Dr. Rudolf Schäfke, 8 in which – not without every apostrophizing – there is otherwise a very thorough account of your work, and above all it is said that the methods of contemplation that you have evolved have secured a future for themselves. My own activities, in addition to tiresome hours of teaching, extend to my chosen special field, intellectual speculation about Western tonal systems. I can already say this much today, that many more conceptual bridges may be found leading to Nature, in all its effectiveness, than we had imagined. Nature appears {3} to lead the pen of the gifted musical visionary to the place (I should almost like to say "to the precise place") where we most admire "art"! Translated into geometrical terms, a web of conformities to natural laws is revealed, for example, such that one does not know in which manifestation God's wonders are best to be admired. The seven diatonic steps of a tonality yield a sum of 360º, their regions of a fifth rotate by 180º, major and minor (the second and fifth diatonic step) 9 are vertically aligned, differing by 90º, thus explaining their mirror-image similarity, the "false fifths" 10 (each the radius of the tonal circle) turn and move with every tonicization and modulation, or merely with the transition to the diatonic system with the same note names, e.g. Phrygian (No. 6) and provide the ear the greatest encouragement to orient itself to a new progression of fifths, and so on and so forth. The harmonic path and the Urlinie go their separate ways, albeit by laws of the sort that one finds in polygons, and in interaction with one another. (It is only fitting, I note entirely in passing, that Schoenberg's twelve-note circle may be conclusively shown to lead to an absurdity!) That the church modes are still viable (and not merely on account of modal mixture) 11 is likewise demonstrable, as is the fact that major and minor assume – or, rather, must assume – a position of limited advantage. And thus it goes on with hundreds of things, so that one cannot keep up with the tasks of observing, describing and codifying. I shall, however, send you a few test pieces the next time I write, all though I do not yet know how these things will turn out for me. In this matter I shall adhere deliberately to the principle that the ear is King, reason his minister! Otherwise one can become only too easily confused: look at the writings of Werker, 12 Lorenz, 13 and others.

Now for the human, and the all-too-human: 14 I am enclosing a small picture of my wife and son 15 – I call him "Opus 1" and believe that he is the best thing that I have produced to date. (In writing the foregoing, I forgot to note that a new sonata is also being composed!) The young boy is the joy of my life, a comfort in all adversities. Our existence is meagre. There is hardly enough food. Even with the new course (1.50 Marks per person per month!) things will hardly get better. Gradually one grows indifferent and hardened to such things. Unfortunately, one's features become correspondingly gray and rough-edged. The all-too-human has also reached me: there are rumors going around Hamburg! I do not know who has been circulating them, but if I ever catch anyone I shall break his spine with my own hands! People are saying that I damaged Mr. Violin financially, {4} or cheated him, for that matter – it has gone so far that it is said that Mr. Violin has, on my account, been "left out of pocket" a sum of money. I am firmly convinced that Mr. Violin would, in such a case, have turned to me, or directly to the appropriate tribunal, and I would be very sorry if, instead of doing this, given the opportunity through some unguarded remarks for a few "female beings" to hatch a tale of such dimensions as to dangerously tarnish my honor. Even here I would quote Bismarck, saying: "Nescio quid mihi magis farcimentum esset!" 16 . The matter has in the end gone so far that these female beings, purely because of "personal distaste" for me (for the reasons expressed above), have engaged another teacher from Berlin, whose idea of "collaboration" we had the occasion to learn about all too well back in the days of the Schenker Institute. I can keep my composure in the face of these things because the prospects of that man increasing his circle of activity in Hamburg do not appear to be all that great. But I am recounting these things to you, because I have reason to believe that your judgment of my character and of my standing with you were or are exposed to influences which I, standing in the front line for you here and doing the fighting (while others draw advantages from it), am not willing to tolerate under any circumstances. I shall therefore tell you in confidence: I am of the opinion that Herr Violin, in spite of all of his laudable and endearing qualities, is unfortunately disposed to feeling trodden on by everyone, and because of this complex picks an argument with everyone sooner or later, but always being of the view that it is he who has been unfairly treated. I can understand that a high degree of subjectivity can also have its negative aspects. When I was in Hamburg in May 1931, Mr. Violin presented me with a calculation [of my likely income] that I subsequently discovered to be so much at variance with the conditions I found, that he simply could not lay the blame here on the "times," but must rather have been drifting into fields of fantasy and illusion. Yet one ought not subject any business partners to this! In commerical life, this sort of optimism would not have been imaginable. When viewed from that angle, then it is I who has been "left out of pocket," in an entirely different way, and I am still out of pocket, and in a city in which I do not have a single friend. If one reckons on sources of income that later prove to be utterly unrealizable to start with, and still later not even halfway realizable, then {5} it is hardly surprising to find the ghosts that one summons cost money from one's own pockets, which afterwards cannot be regained through employment. 17

One can be despondent about this, but one should not allow the seeds of discord to germinate, as was the case here! I am not demanding any compensation on my part. One should not dig up old dirt. But I was merely so annoyed that the waves of this gossip reverberated so far as you. Thus it was my obligation to make myself – in spite of the danger of "who excuses himself accuses himself" – understood with you !

So: now it is about 1:30 in the morning. Time to sleep. My wife and I thank you most cordially for the congratulations we received from you and your wife!OJ 5/7a, [50]


With best wishes I am
Ever yours,
[signed:] Cube.

P.S.[1]: Has the second series of Urlinie graphs already been published? When will Der freie Satz appear?

P.S.2: Please give the enclosed note to Mr. Violin, with the remark that the steps I took in this direction proved useless.

© Translation William Drabkin, 2006

Footnotes

1 Receipt of this letter is recorded in Schenker's diary at OJ 4/8, p. 3952, October 8, 1934: "Von v. Cube (Br.): citiert einen Brief von Furtwängler – eigene Betrachtung – contra Violin u. Jonas." ("From von Cube (letter): quotes a letter from Furtwängler – his own reflections – contra Violin and Jonas.").

2 Furtwängler's letter to Cube is transcribed in full in Hellmut Federhofer, Heinrich Schenker nach Tagebüchern ..., pp. 130–31.

3 Reichsmusikkammer (Reich Music Chamber): the body controlling music throughout Germany during the period of National Socialism, itself subdivided into departments for composition, soloists, orchestras, entertainment music, music education, choral music, church music, concert agencies, etc., and 31 regional offices. It was one of seven sub-chambers of the Reichskulturkammer (Reich Culture Chamber), founded in 1933, the year that Hitler came to power, under the authority of the Propaganda Minister Joseph Goebbels. Its President for the first two years was Richard Strauss.

4 Missing letter from Schenker of June 4 or 5, 1934; see Cube's response, OJ 9/34, [41], June 7, 1934.

5 Cube may not have known that, despite August Halm championing the music of Anton Bruckner, Schenker and Halm remained life-long friends until the latter's death, in 1929.

6 No paragraph-break in original.

7 "Über die Sendung des deutschen Genies" was the lead essay of the Tonwille pamphlets, and Schenker's most sustained statement linking politics to culture.

8 Rudolf Schäfke, Geschichte der Musikästhetik in Umrissen (Berlin: Max Hesse: 1934); a second (1964) and third edition (1982) were published by Hans Schneider, Tutzing.

9 If one arranges the steps of the diatonic scale as an ascending series of perfect fifths, e. g. F–C–G–D–A–E–B, the keynote of the major scale is the second note (C), that of the minor scale (A) the fifth.

10 False fifths are the doubly diminished sixths or doubly augmented fourths made by joining the "ends" of the circle of fifths, e.g. Fě to Dę, or Gę to Cě.

11 The relationship of the church modes to Schenker's concept of "mixture" is first discussed in Harmonielehre (1906); see especially §§38–52.

12 i.e., writers who become trapped by the complexities of their own systems. Wilhelm Werker's Studien über die Symmetrie im Bau der Fugen und die motivische Zusammengehörigkeit der Präludien un Fugen des 'Wohltemperierten Klaviers' von Johann Sebastian Bach (Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1922) was roundly dismissed by Schenker in his essay on fugue (Das Meisterwerk in der Musik, II (1926), p. 81; Eng. trans., p. 45) for its pseudo-scientific approach: "Too much physics, acoustics and mathematics have been dragged into music by outsiders ..., but nowhere have these disciplines ever seemed more foreign to music than in Werker's study."

13 Alfred Lorenz was the author of a series of four books published between 1924 and 1933 under the general title Das Geheimnis der Form bei Richard Wagner; as Schenker was generally dismissive of Wagner's work, he had no occasion to review the literature on the composer.

14 A reference to Friedrich Nietzsche's Menschlich, allzu menschlich (1878).

15 This photograph is preserved as OC 44/5.

16 Nescio quid mihi magis farcimentum esset: "I no longer know what a sausage might be to me."

17 No paragraph-break in original.

Commentary

Format
5-p letter, holograph message and signature
Provenance
Schenker, Heinrich ([document date]-1935)--Schenker, Jeanette (1935-c.1942)--Ratz, Erwin (c.1942-c.1955)--Jonas, Oswald (c.1955-1978)--University of California, Riverside (1978--)
Rights Holder
IPR: The heirs of Felix-Eberhard von Cube -- except for enclosed printed materials
License
Permission to publish granted by the heirs of Felix-Eberhard von Cube, March 2006. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Correspondence Project, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk.

Digital version created: 2006-10-11
Last updated: 2011-11-13