Lieber Herr van Hoboken! 1

Mit Dank bestätige ich den Empfang Ihres Briefchens aus München u. des Checks, 2 der doch, offenbar durch Versehen, zu hoch gegriffen ist.

Für alle Fälle bitte ich Sie gern schon für Donnerstag 4 1/2h zum Tee zu uns, wo wir sehr rasch uns über alle Irrtümer u. Mißverständnisse puncto Prof. Haas klar werden könnten. Sonntag Ab[en]ds war Prof. Deutsch bei mir u. belehrte mich erst, wie recht Sie haben damit, daβ „herausgegeb[en] von R. H. “ nicht angebracht zu werden braucht, ja, nicht angebracht werden darf. Wie nur Prof. H. die Gründe meiner Ablehnung des [recte der] 3 unter 4) in seinem Briefe 4 (an mich ( nach {2} Galtür) mir zugewiesenen Aufgabe, [die zu unnatürlich, zu unausführbar war, daher so auch niemals gestellt wurde,] 5 wirklich eingesehen hat, glaubte er sich selbst auch noch ganz besonders aus dem Kuratorium sich selbst nach außen los lösen vortreten zu müssen, wie er sagt, aus rein administrativen-technischen Gründen. Mir ist genug daran, daß er mich von Punkt 4) freigesprochen hat. Jetzt erst begreife ich aber, was Prof. Deutsch meint, wenn er sagt, „herausgegeben vom Kuratorium“ genüge vollständig; der wahre Sachverhalt ist dann am besten dargestellt. (So auch bei sämtlichen G[esamt-]A[usgaben] 6 ). Eine Konferenz wird sich, hoffe ich, erübrigen, da ich in dieser Sache nicht weiter zuständig bin.

Jetzt ist endlich die Zeit da, Ihnen zu der wirklich großen u. bedeutenden Unternehmung Glück zu wünschen! Sie wird mehr Ehre, Segen u. Nutzen {3} bringen, als es sich zur Stunde ahnen läßt! Nur daß Sie selbst mitwirken wollen, ist das beste omen, ich rechne sehr auf Sie.

Über die Mitarbeiter u. noch andere wichtige Sachen wollen wir uns am Montag Donn[er]st[ag] unterhalten. Ihr Lob als Mitarbeiter habe ich vor den Herren neulich mit wirklicher Überzeugung gesungen.

Hat Ihnen vielleicht Prof. Deutsch von den ehrenvollen Einladung Dr. Weisse ’s nach Berlin (durch Ministerialrat LR Kestenberg auf Betreiben Furtwängler’s) zu Vorträgen über mich etwas geschrieben? 7 Den Bf. Kestenberg’s zeige ich Ihnen, Sie werden staunen.

Wenn Sie nicht gegenschreiben, warten wir {4} Donnerstag mit dem Tee auf Sie. 8


Mit besten Grüßen von uns Beiden
Ihr
[signed:] H Schenker

29. 9. 30

© Transcription John Rothgeb and Heribert Esser, 2016



Dear Mr. van Hoboken, 1

With thanks I confirm receipt of your note from Munich and the check, 2 which, however, obviously by oversight, is drawn for too large an amount.

At all events, I want to invite you already for Thursday 4:30 to tea with us, where we will be able very quickly to sort out all errors and misunderstandings regarding Prof. Haas. Sunday evening Prof. Deutsch was here and made clear to me just how right you are that "edited by R. H." need not be included, indeed may not be included. As Prof. Haas has actually understood the reasons for my refusal to accept the 3 task assigned me under 4) in his letter 4 (to me in {2} Galtür), [which was too unnatural, too unfeasible, and thus was never so formulated,] 5 he believed himself obliged also to venture forth from within the Board of Trustees to the outside, as he says, for purely administrative-technical reasons. It is good enough for me that he has released me from point 4). Only now, however, do I understand what Prof. Deutsch means when he says that "edited by the Board of Trustees" will suffice completely; the true situation is then best represented. (Likewise for all of the collected edition. 6 ) A conference will, I hope, be unnecessary, as I no longer bear responsibility in this matter.

Now finally the time has come to congratulate you for the truly great and significant endeavor! It will bring you more of honor, blessing, and profit than can be imagined just now. That you yourself will participate is the best omen; I am counting very much on you.

Regarding co-workers and other important matters, we will talk on Monday Thursday . I have recently sung your praises as collaborator to the gentlemen with true conviction.

Has Prof. Deutsch perhaps written anything to you about the honorable invitation of Dr. Weisse to Berlin (by Ministry Counsel LR. Kestenberg at the behest of Furtwängler) to give lectures on me? 7 I will show you Kestenberg's letter; you will be amazed.

If I do not hear from you to the contrary, we will await {4} you with our tea on Thursday. 8


With best greetings from us both,
Your
[signed:] H. Schenker

September 29, 1930

© Translation John Rothgeb and Heribert Esser, 2016



Lieber Herr van Hoboken! 1

Mit Dank bestätige ich den Empfang Ihres Briefchens aus München u. des Checks, 2 der doch, offenbar durch Versehen, zu hoch gegriffen ist.

Für alle Fälle bitte ich Sie gern schon für Donnerstag 4 1/2h zum Tee zu uns, wo wir sehr rasch uns über alle Irrtümer u. Mißverständnisse puncto Prof. Haas klar werden könnten. Sonntag Ab[en]ds war Prof. Deutsch bei mir u. belehrte mich erst, wie recht Sie haben damit, daβ „herausgegeb[en] von R. H. “ nicht angebracht zu werden braucht, ja, nicht angebracht werden darf. Wie nur Prof. H. die Gründe meiner Ablehnung des [recte der] 3 unter 4) in seinem Briefe 4 (an mich ( nach {2} Galtür) mir zugewiesenen Aufgabe, [die zu unnatürlich, zu unausführbar war, daher so auch niemals gestellt wurde,] 5 wirklich eingesehen hat, glaubte er sich selbst auch noch ganz besonders aus dem Kuratorium sich selbst nach außen los lösen vortreten zu müssen, wie er sagt, aus rein administrativen-technischen Gründen. Mir ist genug daran, daß er mich von Punkt 4) freigesprochen hat. Jetzt erst begreife ich aber, was Prof. Deutsch meint, wenn er sagt, „herausgegeben vom Kuratorium“ genüge vollständig; der wahre Sachverhalt ist dann am besten dargestellt. (So auch bei sämtlichen G[esamt-]A[usgaben] 6 ). Eine Konferenz wird sich, hoffe ich, erübrigen, da ich in dieser Sache nicht weiter zuständig bin.

Jetzt ist endlich die Zeit da, Ihnen zu der wirklich großen u. bedeutenden Unternehmung Glück zu wünschen! Sie wird mehr Ehre, Segen u. Nutzen {3} bringen, als es sich zur Stunde ahnen läßt! Nur daß Sie selbst mitwirken wollen, ist das beste omen, ich rechne sehr auf Sie.

Über die Mitarbeiter u. noch andere wichtige Sachen wollen wir uns am Montag Donn[er]st[ag] unterhalten. Ihr Lob als Mitarbeiter habe ich vor den Herren neulich mit wirklicher Überzeugung gesungen.

Hat Ihnen vielleicht Prof. Deutsch von den ehrenvollen Einladung Dr. Weisse ’s nach Berlin (durch Ministerialrat LR Kestenberg auf Betreiben Furtwängler’s) zu Vorträgen über mich etwas geschrieben? 7 Den Bf. Kestenberg’s zeige ich Ihnen, Sie werden staunen.

Wenn Sie nicht gegenschreiben, warten wir {4} Donnerstag mit dem Tee auf Sie. 8


Mit besten Grüßen von uns Beiden
Ihr
[signed:] H Schenker

29. 9. 30

© Transcription John Rothgeb and Heribert Esser, 2016



Dear Mr. van Hoboken, 1

With thanks I confirm receipt of your note from Munich and the check, 2 which, however, obviously by oversight, is drawn for too large an amount.

At all events, I want to invite you already for Thursday 4:30 to tea with us, where we will be able very quickly to sort out all errors and misunderstandings regarding Prof. Haas. Sunday evening Prof. Deutsch was here and made clear to me just how right you are that "edited by R. H." need not be included, indeed may not be included. As Prof. Haas has actually understood the reasons for my refusal to accept the 3 task assigned me under 4) in his letter 4 (to me in {2} Galtür), [which was too unnatural, too unfeasible, and thus was never so formulated,] 5 he believed himself obliged also to venture forth from within the Board of Trustees to the outside, as he says, for purely administrative-technical reasons. It is good enough for me that he has released me from point 4). Only now, however, do I understand what Prof. Deutsch means when he says that "edited by the Board of Trustees" will suffice completely; the true situation is then best represented. (Likewise for all of the collected edition. 6 ) A conference will, I hope, be unnecessary, as I no longer bear responsibility in this matter.

Now finally the time has come to congratulate you for the truly great and significant endeavor! It will bring you more of honor, blessing, and profit than can be imagined just now. That you yourself will participate is the best omen; I am counting very much on you.

Regarding co-workers and other important matters, we will talk on Monday Thursday . I have recently sung your praises as collaborator to the gentlemen with true conviction.

Has Prof. Deutsch perhaps written anything to you about the honorable invitation of Dr. Weisse to Berlin (by Ministry Counsel LR. Kestenberg at the behest of Furtwängler) to give lectures on me? 7 I will show you Kestenberg's letter; you will be amazed.

If I do not hear from you to the contrary, we will await {4} you with our tea on Thursday. 8


With best greetings from us both,
Your
[signed:] H. Schenker

September 29, 1930

© Translation John Rothgeb and Heribert Esser, 2016

Footnotes

1 Receipt of Hoboken's letter and writing of the present letter are recorded in Schenker's diary at OJ 4/3, p. 3518, September 29, 1930: "Von v. Hoboken (rec. Br.): ein Scheck auf 3150 S. – er ist mit Haas nicht einverstanden, eine zweite Konferenz wird notwendig sein. — An v. Hoboken (expreß Br.): bitte ihn zum Tee am Donnerstag u. biete einiges zur Aufklärung im Voraus u. zwar über Punkt 4 im Brief von Haas. Nachträglich Glückwunsch zur Gesamtausgabe; erwähne Kestenbergs, Furtwängler u. Weisse." ("From Hoboken (registered letter): a check for 3,150 shillings – he is not agreed with Haas; a second meeting will be required. — To Hoboken (express letter): I invite him to tea on Thursday, and offer a few things by way of clarification in advance, in particular concerning point 4 in Haas's letter. As a postscript, best of luck with the collected edition; I mention Kestenberg, Furtwängler, and Weisse."). — The letter from Haas referred to here is not known to survive.

2 Hoboken's letter is not known to survive. For Schenker's summary in his diary, see footnote 1.

3 Schenker first had in mind a different continuation (perhaps to "geschriebenen," "ausgeführten," or "stehenden"), but then turned the page and instead made his way to "Aufgabe," neglecting to bring this article ("des") into agreement with the feminine noun by changing it to the feminine genitive ("der").

4 No such letter is presently known to exist.

5 The square brackets around this clause were inserted by a different hand, probably that of the recipient.

6 Under the auspices of the Photogrammarchiv, Hoboken planned a collected edition of the works of C. P. E. Bach. For financial reasons the plan did not come to fruition.

7 Kestenberg's invitation to Weisse (copy in Jeanette Schenker's hand) = OJ 71/20, [2].

8 The meeting on October 2 at Schenker's apartment is recorded at length in Schenker's diary at OJ 4/4, pp. 3520‒3521.

Commentary

Format
4p letter, Bogen format, holograph message and signature
Provenance
Hoboken, Anthony van ([document date]-1983)--Schneider, Hans(19??-2007)--University of California, Riverside (2007--)
Rights Holder
IPR: Heirs of Henrich Schenker, deemed to be in the public domain.
License
All reasonable steps have been taken to locate the heirs of Heinrich Schenker. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Correspondence Project, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk.

Digital version created: 2016-08-05
Last updated: 2012-10-08