23. 12. 29

Fl! 1

Wenn sie nur den Herd ausmisteten, wie du sagst= OJ 14/45, [81]! Zuerst tunken sie den Jungen ein, überlassen ihn der Pein, u. jetzt machen sie sich dran, ihre Fehler gutzumachen. Wenn sie es nur träfen! Wieviel hängt doch vom Arzt ab, u. wie unwissend–leichtfertig ist er meistens!

So haben unsere Wünsche für dich u. die l. deinigen diesmal ein besonderes Thema: möge die Operation gelingen! damit wäre all Euer Kummer wegoperiert u. Ihr könntet das Leben von vorn auf das Heiterste anfangen. Geb’es Gott!

{2} Selbstverständlich warte ich das Ergebnis Rahter [sic] ab. Inzwischen, etwa 15. 1 oder etwas später, kommt die Entscheidung Hertzka’s bezüglich der „Eroica“ sowohl als der Neuauflage der „Hml.“ Ich erwarte eine negative Entscheidung, aber auch so, angesichts der Möglichkeiten, die sich durch dich oder Straube oder Furtw.-Straube eröffnen, werde ich mir überlegen, H. die Eroica zu überlassen, der sie sofort aus dem Wege räumt: „Die Diskussion ist abgeschlossen“, sagt auch Hertzka, 2 ein hundsföttischer Terrorismus der echtesten Demokraten in Berlin u. Wien, übrigens ja auch dieselbe – Clique. Früher einmal konnte ich z. B. eine Erwiderung an Weingartner {3} sofort in Leipzig anbringen, heute wütet der Demokraten Terror, der die Bela Kun’s 3 der Musik mit Geld u. Zeitung stützt u. schätzt.

Furtwängler hat sich bei uns für den vergangenen Donn[er]stag angesagt, Ll. machte sich, da es schon Mittwoch war, zudem der Wohnungsputz im Zuge war, sofort an die Vorbereitungen, – am Donn[er]stag ½5 war schon der Tisch gedeckt, da fuhr ein Auto vor u. ein Mädchen brachte eine rührende Absage F.’s, geschrieben im Bette in Fieber. Der Arme mußte sogar ins Sanatorium gebracht werden: Grippe, rheumatische Infection schreiben die Blätter. Die Sache ist nicht einfach. – Statt {4} seiner dirigerte Dir. Klemens Krauß das philh. Konzert, ein Schwein als Erscheinung u. gar als Musiker! Ein solcher Mensch ist heute – Direktor der Oper, u. die Notstütze in Wien überhaupt.

Da heißt es, die Zähne zusammenbeißen, sich von der Schande abwenden, u. die Arbeit für später vollenden!

Nochmals also: beste Wünsche!!

P.S. Ein junger ehemaliger Schüler von mir, Gerhard Albersheim, hat mich kürzlich mit einem Essay (etwa 1–1½ Druckbogen stark) über mein Lebenswerk 4 überrascht, der[corr] wohl die gelungenste Arbeit bis heute darstellt. Hertzka will es haben, um es wie den „TW“ zu verscharren, ich [continuing in top margin, upside down:] lasse es aber nicht dazu kommen. Auch Dr Weisse schreibt ein Buch um mich herum..


Dein
[signed:] H

© Transcription William Drabkin, 2013


December 23, 1929

Fl! 1

If only they cleared out the center, as you said= OJ 14/45, [81]! First they soak the boy, leaving him in pain, and now they begin to correct their mistakes. If only they would succeed! How much, indeed, depends on the doctor, and how ignorant and careless he usually is.

Thus our wishes for you and your dear ones have a special theme this time: may the operation succeed! Then all your troubles would be operated away and you could begin your life anew in the most cheerful way. If only God were to grant it!

{2} Of course, I am awaiting the news about Rather. In the meantime, around January 15 or a bit later, Hertzka will give me his decision about the "Eroica," as well as about the new printing of my Harmony . I expect a negative decision; but even so, in light of the possibility that might arise on account of you, or Straube, or Furtwängler-Straube, I shall consider whether to give the "Eroica" to Hertzka, who will push it to one side. "The discussion is already closed," says Hertzka, too: 2 a nasty piece of terrorism on the part of the most genuine Berlin and Viennese Democrats, moreover the same – clique – indeed. In the past I would have been able, for example, to reply immediately to Weingartner {3} in Leipzig; today the Terror of the Democrats rages, trussing and treasuring the Bela Kuns 3 of music with money and the press.

Furtwängler accepted an invitation to us for last Thursday; as it was already Wednesday, and the apartment was being cleaned, Lie-Liechen immediately made a start on the preparations. On Thursday at 4:30, the table was already set when an automobile arrived and a girl brought a touching apology from Furtwängler, written from his bed with a fever. The poor man had actually to be taken to the hospital: influenza, rheumatic infection, the papers are saying. The situation is not simple. {4} In his place, Clemens Krauss directed the Philharmonic concert; a swine in appearance, and even as a musician! Such a person is today – director of the opera house and deputy conductor in Vienna in general.

That means: gritting one's teeth, abandoning the wreck, and leaving the consummation of the work for later!

Once again, then: best wishes!!

P. S. A young ex-pupil of mine, Gerhard Albersheim, recently surprised me with an essay (about 1 to 1½ printed gatherings in length) about my life's work, 4 which probably represents the most successful work [of its kind] today. Hertzka wants to have it, in order to bury it in a shallow grave, as he did to Tonwille , [continuing in top margin, upside down:] but I shall not let him have it. Also Dr. Weisse is writing a book about me... .


Your
[signed:] Heinrich

© Translation William Drabkin, 2013


23. 12. 29

Fl! 1

Wenn sie nur den Herd ausmisteten, wie du sagst= OJ 14/45, [81]! Zuerst tunken sie den Jungen ein, überlassen ihn der Pein, u. jetzt machen sie sich dran, ihre Fehler gutzumachen. Wenn sie es nur träfen! Wieviel hängt doch vom Arzt ab, u. wie unwissend–leichtfertig ist er meistens!

So haben unsere Wünsche für dich u. die l. deinigen diesmal ein besonderes Thema: möge die Operation gelingen! damit wäre all Euer Kummer wegoperiert u. Ihr könntet das Leben von vorn auf das Heiterste anfangen. Geb’es Gott!

{2} Selbstverständlich warte ich das Ergebnis Rahter [sic] ab. Inzwischen, etwa 15. 1 oder etwas später, kommt die Entscheidung Hertzka’s bezüglich der „Eroica“ sowohl als der Neuauflage der „Hml.“ Ich erwarte eine negative Entscheidung, aber auch so, angesichts der Möglichkeiten, die sich durch dich oder Straube oder Furtw.-Straube eröffnen, werde ich mir überlegen, H. die Eroica zu überlassen, der sie sofort aus dem Wege räumt: „Die Diskussion ist abgeschlossen“, sagt auch Hertzka, 2 ein hundsföttischer Terrorismus der echtesten Demokraten in Berlin u. Wien, übrigens ja auch dieselbe – Clique. Früher einmal konnte ich z. B. eine Erwiderung an Weingartner {3} sofort in Leipzig anbringen, heute wütet der Demokraten Terror, der die Bela Kun’s 3 der Musik mit Geld u. Zeitung stützt u. schätzt.

Furtwängler hat sich bei uns für den vergangenen Donn[er]stag angesagt, Ll. machte sich, da es schon Mittwoch war, zudem der Wohnungsputz im Zuge war, sofort an die Vorbereitungen, – am Donn[er]stag ½5 war schon der Tisch gedeckt, da fuhr ein Auto vor u. ein Mädchen brachte eine rührende Absage F.’s, geschrieben im Bette in Fieber. Der Arme mußte sogar ins Sanatorium gebracht werden: Grippe, rheumatische Infection schreiben die Blätter. Die Sache ist nicht einfach. – Statt {4} seiner dirigerte Dir. Klemens Krauß das philh. Konzert, ein Schwein als Erscheinung u. gar als Musiker! Ein solcher Mensch ist heute – Direktor der Oper, u. die Notstütze in Wien überhaupt.

Da heißt es, die Zähne zusammenbeißen, sich von der Schande abwenden, u. die Arbeit für später vollenden!

Nochmals also: beste Wünsche!!

P.S. Ein junger ehemaliger Schüler von mir, Gerhard Albersheim, hat mich kürzlich mit einem Essay (etwa 1–1½ Druckbogen stark) über mein Lebenswerk 4 überrascht, der[corr] wohl die gelungenste Arbeit bis heute darstellt. Hertzka will es haben, um es wie den „TW“ zu verscharren, ich [continuing in top margin, upside down:] lasse es aber nicht dazu kommen. Auch Dr Weisse schreibt ein Buch um mich herum..


Dein
[signed:] H

© Transcription William Drabkin, 2013


December 23, 1929

Fl! 1

If only they cleared out the center, as you said= OJ 14/45, [81]! First they soak the boy, leaving him in pain, and now they begin to correct their mistakes. If only they would succeed! How much, indeed, depends on the doctor, and how ignorant and careless he usually is.

Thus our wishes for you and your dear ones have a special theme this time: may the operation succeed! Then all your troubles would be operated away and you could begin your life anew in the most cheerful way. If only God were to grant it!

{2} Of course, I am awaiting the news about Rather. In the meantime, around January 15 or a bit later, Hertzka will give me his decision about the "Eroica," as well as about the new printing of my Harmony . I expect a negative decision; but even so, in light of the possibility that might arise on account of you, or Straube, or Furtwängler-Straube, I shall consider whether to give the "Eroica" to Hertzka, who will push it to one side. "The discussion is already closed," says Hertzka, too: 2 a nasty piece of terrorism on the part of the most genuine Berlin and Viennese Democrats, moreover the same – clique – indeed. In the past I would have been able, for example, to reply immediately to Weingartner {3} in Leipzig; today the Terror of the Democrats rages, trussing and treasuring the Bela Kuns 3 of music with money and the press.

Furtwängler accepted an invitation to us for last Thursday; as it was already Wednesday, and the apartment was being cleaned, Lie-Liechen immediately made a start on the preparations. On Thursday at 4:30, the table was already set when an automobile arrived and a girl brought a touching apology from Furtwängler, written from his bed with a fever. The poor man had actually to be taken to the hospital: influenza, rheumatic infection, the papers are saying. The situation is not simple. {4} In his place, Clemens Krauss directed the Philharmonic concert; a swine in appearance, and even as a musician! Such a person is today – director of the opera house and deputy conductor in Vienna in general.

That means: gritting one's teeth, abandoning the wreck, and leaving the consummation of the work for later!

Once again, then: best wishes!!

P. S. A young ex-pupil of mine, Gerhard Albersheim, recently surprised me with an essay (about 1 to 1½ printed gatherings in length) about my life's work, 4 which probably represents the most successful work [of its kind] today. Hertzka wants to have it, in order to bury it in a shallow grave, as he did to Tonwille , [continuing in top margin, upside down:] but I shall not let him have it. Also Dr. Weisse is writing a book about me... .


Your
[signed:] Heinrich

© Translation William Drabkin, 2013

Footnotes

1 Writing of this letter is recorded in Schenker's diary at OJ 4/3, p. 3424 (December 23, 1929): "An Floriz (Br.): Wünsche für das Gelingen der Operation; werde Rathers Entscheidung abwarten, da Hertzkas Aeußerung erst am 15. I. fällig ist. Dann werde ich vielleicht auch Wege durch Straube gehen; über Furtwänglers Absage An- u. Absage; über den Essay von Albersheim u. das von Weisse vorbereitete Buch." ("To Floriz (letter): Greetings, and best wishes for the success of the operation; I shall await Rather's decision, since Hertzka's pronouncement is not due until January 15. Then I shall perhaps take a course of action via Straube; concerning Furtwängler's visit and the cancellation thereof; concerning Albersheim's essay and the book that Weisse is preparing.")

2 In his previous letter, = OJ 14/45, [81], Violin had used these words to describe a reply from the Deutsche Tonkünstler-Zeitung, which he had hoped would publish a response to a recent article by Schoenberg.

3 Béla Kun (February 20, 1886 – August 29, ?1938), Hungarian political activist, who led the revolution and founded the short-lived Hungarian Soviet Republic in 1919. He remained active until his execution at the hands of Stalin, working as an undercover agent to promote communism elsewhere in Europe, particularly Germany.

4 Gerhard Albersheim, "Heinrich Schenker: Grundlagen und Bedeutung seines Werkes", published in Rheinische Musik- und Theaterzeitung, vol. 31 (Cologne, 1930); it is preserved on page 80 of the Schenker Scrapbook and as item 135 of File B in the Oster Collection.

Commentary

Format
4p letter, Bogen format, holograph message and signature
Rights Holder
Heirs of Heinrich Schenker, deemed to be in the public domain
License
All reasonable steps have been taken to locate the heirs of Heinrich Schenker. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Documents Online, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk

Digital version created: 2013-06-28
Last updated: 2013-06-28