Fl! 1

Und nun, und nun?

Wie geht es dir? Kannst du schon wissen, was die Saison dir bringt?!?

Ich weiß es schon u. bin ich nicht erbaut davon. Den Stand von 1922 habe ich nicht wieder erreichen können; trotz Hoboken stehe ich dort, wo ich zwei Jahre stehe. Fatal ist nur, daß die Teuerung zunimmt, meine kleinen Einnahmen entwertet werden, ich aber nicht sicher gehen kann, weil es doch dieselben Schüler sind. Um dieser Schüler willen mußte ich sogar den Schaden auf mich nehmen, daß ich Hob. die Stunde um denselben Preis gebe, – denn hätte er erfahren (z. B. von Cube), daß ich ihn allein zu mehr verhalte, so wäre er als {2} der Über-Reiche, der Holländer kalt-entrüstet, ach – da mache ich mich nicht patzig.

Zu erfreulicheren Dingen! Etwa Mitte November erhältst du das vielbewunderte Hammer -Bild. Da H. selbst in Verlegenheit war – die Austellungen in Venedig u. London haben ihm nichts eingetragen –, so mußte er sehen aus den Blättern etwas herauszuschlagen. Nb: Ursprünglich wollte er die Original-Zeichnung für sich behalten, denn bot er sie zum Kaufe an, – Mozio hat sie angekauft!! (Weisse wollte sie ebenfalls kaufen, aber Mozio bestand auf dem Blatt). Sämtliche „16 Vorzugsdrucke“ sind sofort abegegangen (die „Albertina“ hat auch ein solches Blatt erworben), somit sind zum Verkaufe da die „Schab-Kunstblätter“.

Die „Musik“ (Berlin) versprach dem {3} Dr Altmann u. in einem Briefe Schusters an mich selbst einen Essay über mich mit Hammers Bild zu bringen! Fur den Essay hat Altm. Vriesl. vorgeschlagen, dieser ist natürlich bereit. 2 Ich nehme an, daß früher oder später aus Allem[corr] etwas wird.

Dr Baumg. hat sich zu klagen entschlossen, hat aber (seiner entsetzlichen Gewohnheit gemäß) davor an Dr Scheu „private“ Mitteilung gemacht, u. das hatte den Erfolg, daß Hertzka, der meine Klage wie den Tod fürchtet, sich bereit erklärt zur teilweisen oder ganzen „Ablöse“. Wehe, wenn er jetzt wieder ausreißt! Ich werde dich im Laufenden halten.

Dahms hat Hertzka u. den „Anbruch“ kürzerhand wegen unbefügtem Nachdruckes eines offenen Briefes an Schönberg geklagt; {4} H. u. Anbruch wurden zur Zahlung von 100 MK u. Ausmerzung des Bf im „Anbruchverurteilt.

Mit den Drei Masken hatte ich Schwierigkeiten zunächst wegen der erstfälligen 250 MK, die sie zurückhielten, – dann wegen der Korrekturen, nun scheinen wir in Ordnung zu sein. Das Jahrb. I (1925) wird vielleicht vor Jänner nicht herauskommen können. Aber das ist schon Nebensache.

Wir arbeiten an „Jahrb.“ II 1926, an schönen Dingen.

So weißt du Manches. Nun sage du eine Wort! Bitte sehr darum. Was machen Frau Vally u. die Kinderchen? Deine Schwester konnten wir noch nicht sehen, es geht noch zu toll zu.


Viele, viele beste Grüße von mir u. LieLiechen
Euch Allen
Dein
[signed:] H
25.X.1925

© Transcription William Drabkin, 2013

And now, and now?

How are you? Are you already in a position to know how much income the teaching year will bring you?

I already know, and am not exactly delighted about it. I shall never be able to retrieve the position that I enjoyed in 1922; in spite of Hoboken I remain where I was two years ago. What is fatal, however, is that the cost of living is increasing and my small income is becoming devalued; but I cannot move forward safely because I am teaching the same pupils. For the sake of these pupils, I must myself bear the cost of having to teach Hoboken at the same price; for if he were to learn (for example, from Cube) that I am demanding more from him, then he, {2} the excessively wealthy Dutchman would become coolly indignant. Oh, I should not make things difficult for myself.

Some more cheerful news! Around the middle of November you will receive a copy of the much admired portrait by Hammer . Since Hammer himself was in financial difficulty – the expositions of his work in Venice and London brought in nothing – he was obliged to earn something from these copies. At first he wanted to keep the original drawing for himself, then he offered it for sale: Mozio purchased it! (Weisse also wanted to buy it, but Mozio insisted on having the sheet.) All "sixteen special prints" were sold immediately (the Albertina has also obtained one such print); consequently the mezzotint prints are now available for sale.

Die Musik (Berlin) promised {3} Dr. Altmann – and, in a letter from Schuster to me, myself as well – to publish an essay about me, with Hammer's portrait! Altmann suggested that Vrieslander should write the essay; he is, of course, prepared to do so. 2 Sooner or later, I believe, something will come out of all this.

Dr. Baumgarten decided to take legal action, but (in accordance with his dreadful custom) made a "private" communication to Dr. Scheu in advance, and this had the consequence that Hertzka, who fears my lawsuit like death, declared himself prepared to make a partial or complete payment to terminate the contract. Woe to him, if he tries to get out of it once again! I shall keep you informed of events.

Dahms unceremoniously took legal action against Hertzka and the [Musikblätter des] Anbruch for reprinting an open letter to Schoenberg; {4} Hertzka and the Anbruch were condemned to pay 100 marks and remove the letter.

At first, I had difficulties with Drei Masken Verlag over the initial payment of 250 marks, which they were holding back, and later on account of the proof corrections. Now everything seems in order. The first Yearbook (1925) will probably not come out before January; but that is a minor matter.

We are at work on lovely things for the second Yearbook, for 1926.

So now you know a few things. Now, you write me a line; I would really like to hear from you. What are Vally and the children up to? We have not yet been able to see your sister; things are still too hectic.


Many, many best greetings from me and Lie-Liechen to you all.
Yours,
[signed:] Heinrich
October 25, 1925

© Translation William Drabkin, 2013



Fl! 1

Und nun, und nun?

Wie geht es dir? Kannst du schon wissen, was die Saison dir bringt?!?

Ich weiß es schon u. bin ich nicht erbaut davon. Den Stand von 1922 habe ich nicht wieder erreichen können; trotz Hoboken stehe ich dort, wo ich zwei Jahre stehe. Fatal ist nur, daß die Teuerung zunimmt, meine kleinen Einnahmen entwertet werden, ich aber nicht sicher gehen kann, weil es doch dieselben Schüler sind. Um dieser Schüler willen mußte ich sogar den Schaden auf mich nehmen, daß ich Hob. die Stunde um denselben Preis gebe, – denn hätte er erfahren (z. B. von Cube), daß ich ihn allein zu mehr verhalte, so wäre er als {2} der Über-Reiche, der Holländer kalt-entrüstet, ach – da mache ich mich nicht patzig.

Zu erfreulicheren Dingen! Etwa Mitte November erhältst du das vielbewunderte Hammer -Bild. Da H. selbst in Verlegenheit war – die Austellungen in Venedig u. London haben ihm nichts eingetragen –, so mußte er sehen aus den Blättern etwas herauszuschlagen. Nb: Ursprünglich wollte er die Original-Zeichnung für sich behalten, denn bot er sie zum Kaufe an, – Mozio hat sie angekauft!! (Weisse wollte sie ebenfalls kaufen, aber Mozio bestand auf dem Blatt). Sämtliche „16 Vorzugsdrucke“ sind sofort abegegangen (die „Albertina“ hat auch ein solches Blatt erworben), somit sind zum Verkaufe da die „Schab-Kunstblätter“.

Die „Musik“ (Berlin) versprach dem {3} Dr Altmann u. in einem Briefe Schusters an mich selbst einen Essay über mich mit Hammers Bild zu bringen! Fur den Essay hat Altm. Vriesl. vorgeschlagen, dieser ist natürlich bereit. 2 Ich nehme an, daß früher oder später aus Allem[corr] etwas wird.

Dr Baumg. hat sich zu klagen entschlossen, hat aber (seiner entsetzlichen Gewohnheit gemäß) davor an Dr Scheu „private“ Mitteilung gemacht, u. das hatte den Erfolg, daß Hertzka, der meine Klage wie den Tod fürchtet, sich bereit erklärt zur teilweisen oder ganzen „Ablöse“. Wehe, wenn er jetzt wieder ausreißt! Ich werde dich im Laufenden halten.

Dahms hat Hertzka u. den „Anbruch“ kürzerhand wegen unbefügtem Nachdruckes eines offenen Briefes an Schönberg geklagt; {4} H. u. Anbruch wurden zur Zahlung von 100 MK u. Ausmerzung des Bf im „Anbruchverurteilt.

Mit den Drei Masken hatte ich Schwierigkeiten zunächst wegen der erstfälligen 250 MK, die sie zurückhielten, – dann wegen der Korrekturen, nun scheinen wir in Ordnung zu sein. Das Jahrb. I (1925) wird vielleicht vor Jänner nicht herauskommen können. Aber das ist schon Nebensache.

Wir arbeiten an „Jahrb.“ II 1926, an schönen Dingen.

So weißt du Manches. Nun sage du eine Wort! Bitte sehr darum. Was machen Frau Vally u. die Kinderchen? Deine Schwester konnten wir noch nicht sehen, es geht noch zu toll zu.


Viele, viele beste Grüße von mir u. LieLiechen
Euch Allen
Dein
[signed:] H
25.X.1925

© Transcription William Drabkin, 2013

And now, and now?

How are you? Are you already in a position to know how much income the teaching year will bring you?

I already know, and am not exactly delighted about it. I shall never be able to retrieve the position that I enjoyed in 1922; in spite of Hoboken I remain where I was two years ago. What is fatal, however, is that the cost of living is increasing and my small income is becoming devalued; but I cannot move forward safely because I am teaching the same pupils. For the sake of these pupils, I must myself bear the cost of having to teach Hoboken at the same price; for if he were to learn (for example, from Cube) that I am demanding more from him, then he, {2} the excessively wealthy Dutchman would become coolly indignant. Oh, I should not make things difficult for myself.

Some more cheerful news! Around the middle of November you will receive a copy of the much admired portrait by Hammer . Since Hammer himself was in financial difficulty – the expositions of his work in Venice and London brought in nothing – he was obliged to earn something from these copies. At first he wanted to keep the original drawing for himself, then he offered it for sale: Mozio purchased it! (Weisse also wanted to buy it, but Mozio insisted on having the sheet.) All "sixteen special prints" were sold immediately (the Albertina has also obtained one such print); consequently the mezzotint prints are now available for sale.

Die Musik (Berlin) promised {3} Dr. Altmann – and, in a letter from Schuster to me, myself as well – to publish an essay about me, with Hammer's portrait! Altmann suggested that Vrieslander should write the essay; he is, of course, prepared to do so. 2 Sooner or later, I believe, something will come out of all this.

Dr. Baumgarten decided to take legal action, but (in accordance with his dreadful custom) made a "private" communication to Dr. Scheu in advance, and this had the consequence that Hertzka, who fears my lawsuit like death, declared himself prepared to make a partial or complete payment to terminate the contract. Woe to him, if he tries to get out of it once again! I shall keep you informed of events.

Dahms unceremoniously took legal action against Hertzka and the [Musikblätter des] Anbruch for reprinting an open letter to Schoenberg; {4} Hertzka and the Anbruch were condemned to pay 100 marks and remove the letter.

At first, I had difficulties with Drei Masken Verlag over the initial payment of 250 marks, which they were holding back, and later on account of the proof corrections. Now everything seems in order. The first Yearbook (1925) will probably not come out before January; but that is a minor matter.

We are at work on lovely things for the second Yearbook, for 1926.

So now you know a few things. Now, you write me a line; I would really like to hear from you. What are Vally and the children up to? We have not yet been able to see your sister; things are still too hectic.


Many, many best greetings from me and Lie-Liechen to you all.
Yours,
[signed:] Heinrich
October 25, 1925

© Translation William Drabkin, 2013

Footnotes

1 Writing of this letter is recorded in Schenker's diary at OJ 3/8, p. 2882, October 25, 1925: "An Floriz (Br.): kündige das Bild an; über die U.-E. u. den Drei Masken-Verlag." ("To Floriz (letter): I announce the picture; about UE and Drei Masken Verlag.")

2 The Schenker Scrapbook (OC, File 2) preserves a copy of Otto Vrieslander's "Heinrich Schenker" published in the October 1926 issue of Die Musik, with a reproduction of Hammer's portrait.

Commentary

Format
4p letter, Bogen format, holograph message and signature
Rights Holder
Heirs of Heinrich Schenker, deemed to be in the public domain
License
All reasonable steps have been taken to locate the heirs of Heinrich Schenker. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Documents Online, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk

Digital version created: 2013-06-10
Last updated: 2013-06-10