[In top margin:] Die Karte des Frl. Becker kam, wird eine Rolle spielen. Behalten!
2. II. 1925

Fl! 1

Soeben läuft dein l. Bf mit den Beilagen ein. Er kam wie gerufen, denn morgen früh wollte ich zum Anwalt gehen, um ihn wegen der letzten Rechnungslegung Hertzka’s, die jeder Beschreibung spottet, endlich zur Klageandrohung und Klageerhebung mobil zu machen. Die Klageandrohung von Galtür aus hat mir 4 Hefte „TW“ von Juli bis Dezember eingetragen, u. so bin ich auch überzeugt, daß diese Klageandrohung mir mehr Geld eintragen wird, als H. auszuzahlen geneigt ist.

Da lese ich aber in den Antworten der Seminaren, daß H Themming mir ja 7 x 4 (Abonnem.) gespendet hat. Ich verzögere eigens den Weg morgen u. bitte dich, mir ganz genau – für Prozeßzwecke genau 2 umgehend mitzuteilen, wie viel Abonn. H. Th. gedeckt hat? Ob also an 10 Seminare je 7 Abonn. (d[.] h. 7 x 4[)], oder nur an weniger Seminare u. auch noch weinger Abonn., wie ich aus einer Antwort hinauszulesen glaube? Es fällt mir nicht ein, an H. Themm. {2} Kritik zu üben – sowie ich ins Gesichtsfeld trete, verstummt jede Brieftasche, die sonst locker sitzt, ein Gesetz ist das –, aber wissen muß ich die Höhe der Bestellung, damit ich sie dem Anwalt übergeben kann. Z. B. verrechnet H. das Heft 10 (=4/1924) überhaupt nicht u. doch müssen Th.’s Abonnementsgelder, also auch für Heft 10 (=4) eingegangen sein, wenn sein Abonn. sich auf das ganze J. 1924 erstreckt hat, also auch auf das Heft 10. Schreibe mir also: Th. hat so u. so viel Mark erlegt u. dafür so u. soviel Hefte bestellt u. erhalten. Die Höhe spielt jetzt keine Rolle mehr, nur die Genauigkeit.

Da ich von H. fort bin, so versucht er gleich seine erste Rechnungslegung auch meinem Austritt so niedrig zu halten, daß es mir nicht mehr ganz unwahrscheinlich vorkäme, wenn meine Tantiemen allmälig [sic] einschlafen u. er dann um den Spottpreis von paar Mill. Kr. sich in den Besitz der B-Son.-Ausg, der Theorie- {3} Bände u. der TW-Hefte 1–10 usw. setzt. Jedesmal hat er bis heute versucht, die Auszahlung vertragswidrig zu tief zu halten, um meine Wachsamkeit auf die Probe zu stellen. Jedesmal hieb ich ihn u. da entschuldigte er sich, u. sandte schon bilanzvollere Beträge ein: so habe ich doch den Sommer 1924 mit dem Einlauf aus der U. E. – freilich erst nach meinen u. Mozio’s Rekriminationen – eingeschickt beglichen . Nun versucht er es zum 20t. Male. Seinerzeit sagte mir der Anwalt, daß ich schlecht getan habe nicht sogleich beim 1. Heft TW geklagt zu haben: läßt man so was einreißen, dann hat der Verleger das Heft in der Hand. Daher will ich jetzt – der Zeitpunkt ist noch entscheidender, da die Gefahr droht, daß er mir alle Einkünfte nach u. nach abstiehlt – klagen.

Auch hat sich doch die 3 Masken herausgestellt, daß er, den Vertrag entgegen, blos je 800 Ex. TW. aufgelegt hat. Daher war er zu einer Ankündigung nicht zu bewegen, {4} die Sabotage des „TW war eine schon beim 1. Heft beschlossene u. durchgeführte Tatsache, wie ich es jetzt erfahre.

Ich erwarte täglich, stündlich, den Vertrag von den 3 M. Sofort erstatte ich dir Bericht darüber.

Sollte bei deinen „Kritikern“ nicht auch Antisemitismus mitgespielt haben? Gut aber, daß sie dir nicht mehr schaden können.

Hast du in der „MusikJanuarheft von Becker u. Schön über mich, auch den „TW“ gelesen? 3 Becker reiht auch mich unter die – „Hermeneuten“, was, da schaust du? Und H. Schön(??) rettet den „Fortschritt,“ an den heute nicht einmal Hertzka mehr glaubt. Wozu wäre das Leben eines Menschen da, wenn er sich nicht in die Brust werfen könnte: „ich mache es doch schon besser als Bach, als Beeth, Brahms“! Daß man 2 Jahrhunderte später auf die Welt kommt, um es nicht einmal noch so zu machen, wie jene, das geht in den Schädel nicht hinein.

Also die paar Worte erbitte ich umgehend.


Vielen, vieln Dank, vielere, vielere Grüße, vielten Dank u. Gruß dir, der Frau Wally u. den Wachsenden
dein
[signed:] H

© Transcription William Drabkin, 2013

[In top margin:] Miss Becker's card arrived; it will come in useful. Save it!
February 2, 1925

Floriz! 1

Your lovely letter with the enclosures just arrived. It came as if summoned, for tomorrow morning I plan to go to the solicitor to make finally set in motion the threat of action and arraignment on account of Hertzka's most recent calculations, which make a mockery of any description. The threats of legal action made in Galtür have brought me four issues of Der Tonwille ; and so I am also convinced that this new threat of action will bring me more money than Hertzka is inclined to pay out.

But I read in the responses from the music departments that Mr. Temming has subvented 7 x 4 subscriptions. I shall deliberately delay my steps tomorrow and ask you tell me quite precisely – for legal purposes 2 by return of post how many subscriptions Mr. Temming has covered. Has he provided ten music departments each with seven subscriptions (i.e. 7 x 4), or only fewer departments and also still fewer subscriptions, as I am led to believe from one of the replies. It is not my intention {2} to criticize Mr. Temming – whenever I appear on the scene, purses that would normally be open fall silent: this seems to be a general rule – but I must know the extent of the order, so that I can give it to the solicitor. For example, Hertzka will certainly not reckon issue 10 (= no. 4 of 1924), and yet Temming's subscription subvention must have also been intended for issue 10 (= no. 4) if his subscriptions extended to include the entire year 1924, i.e. issue 10. Please write to me to say: that Temming laid out so many marks, and ordered and received so many issues. The extent [of his subvention] is now no longer important, just the exact sum.

Now that I have left Hertzka, he is trying immediately to keep payment following my departure so low that it does not seem to me so entirely unlikely that my royalty would gradually decrease to nothing and he could then take ownership of the Beethoven sonata edition, the theoretical {3} volumes, and issues 1–10 of Der Tonwille , etc. for the knock-down price of a few million Kronen. Each time he has tried, to this day, to keep his payments too low, in opposition to the contract, to test my vigilance. Each time I pressed him; and then he apologized and made more generous payments: this is how I sent in settled my payment from Universal Edition in the summer of 1924 – admittedly, only after recriminations on my part and Mozio's. Now he is trying the same thing for the twentieth time. A while ago, my solicitor said that I was wrong not to have complained as early as the first issue of Der Tonwille; if one lets things slip, the publisher will gain the upper hand. For this reason I wish now to take action: the time is even more critical, since the danger threatens that he will gradually steal all my income from me.

In addition, the Drei Masken Verlag has ascertained that, in breach of the contract, he had only 800 copies of Der Tonwille printed. For this reason he could not be motivated advertise it: {4} the sabotage of Der Tonwille was a done deed right from issue 1, as I now learn.

I await the contract from Drei Masken Verlag any day, any hour now. As soon as it arrives, I'll give you a report about it.

Is it possible that, among the reviewers [of your recent concert], anti-Semitism may have also played a part? It is at least good that they cannot harm you anymore.

Have you read, in the January issue of Die Musik , Bekker and Schön about me, and also about Der Tonwille? 3 Bekker numbers me, too, among the "hermeneutists"; does that not astonish you, eh? And Mr. Schön(??) goes to the rescue of a "progress" that even Hertzka no longer believes in now. What would the purpose of someone's life be, if he could not puff himself up and say: "I can indeed do things better than Bach, Beethoven, or Brahms"! That one can appear on surface of the earth two centuries later, and still not do as well as they did, is something that he cannot get into his thick skull.

Okay, please send me those few words by return.


Many, many thanks, and even more greetings; many thanks and greetings to you, your wife Vally, and the growing ones.
Yours,
[signed:] Heinrich

© Translation William Drabkin, 2013

[In top margin:] Die Karte des Frl. Becker kam, wird eine Rolle spielen. Behalten!
2. II. 1925

Fl! 1

Soeben läuft dein l. Bf mit den Beilagen ein. Er kam wie gerufen, denn morgen früh wollte ich zum Anwalt gehen, um ihn wegen der letzten Rechnungslegung Hertzka’s, die jeder Beschreibung spottet, endlich zur Klageandrohung und Klageerhebung mobil zu machen. Die Klageandrohung von Galtür aus hat mir 4 Hefte „TW“ von Juli bis Dezember eingetragen, u. so bin ich auch überzeugt, daß diese Klageandrohung mir mehr Geld eintragen wird, als H. auszuzahlen geneigt ist.

Da lese ich aber in den Antworten der Seminaren, daß H Themming mir ja 7 x 4 (Abonnem.) gespendet hat. Ich verzögere eigens den Weg morgen u. bitte dich, mir ganz genau – für Prozeßzwecke genau 2 umgehend mitzuteilen, wie viel Abonn. H. Th. gedeckt hat? Ob also an 10 Seminare je 7 Abonn. (d[.] h. 7 x 4[)], oder nur an weniger Seminare u. auch noch weinger Abonn., wie ich aus einer Antwort hinauszulesen glaube? Es fällt mir nicht ein, an H. Themm. {2} Kritik zu üben – sowie ich ins Gesichtsfeld trete, verstummt jede Brieftasche, die sonst locker sitzt, ein Gesetz ist das –, aber wissen muß ich die Höhe der Bestellung, damit ich sie dem Anwalt übergeben kann. Z. B. verrechnet H. das Heft 10 (=4/1924) überhaupt nicht u. doch müssen Th.’s Abonnementsgelder, also auch für Heft 10 (=4) eingegangen sein, wenn sein Abonn. sich auf das ganze J. 1924 erstreckt hat, also auch auf das Heft 10. Schreibe mir also: Th. hat so u. so viel Mark erlegt u. dafür so u. soviel Hefte bestellt u. erhalten. Die Höhe spielt jetzt keine Rolle mehr, nur die Genauigkeit.

Da ich von H. fort bin, so versucht er gleich seine erste Rechnungslegung auch meinem Austritt so niedrig zu halten, daß es mir nicht mehr ganz unwahrscheinlich vorkäme, wenn meine Tantiemen allmälig [sic] einschlafen u. er dann um den Spottpreis von paar Mill. Kr. sich in den Besitz der B-Son.-Ausg, der Theorie- {3} Bände u. der TW-Hefte 1–10 usw. setzt. Jedesmal hat er bis heute versucht, die Auszahlung vertragswidrig zu tief zu halten, um meine Wachsamkeit auf die Probe zu stellen. Jedesmal hieb ich ihn u. da entschuldigte er sich, u. sandte schon bilanzvollere Beträge ein: so habe ich doch den Sommer 1924 mit dem Einlauf aus der U. E. – freilich erst nach meinen u. Mozio’s Rekriminationen – eingeschickt beglichen . Nun versucht er es zum 20t. Male. Seinerzeit sagte mir der Anwalt, daß ich schlecht getan habe nicht sogleich beim 1. Heft TW geklagt zu haben: läßt man so was einreißen, dann hat der Verleger das Heft in der Hand. Daher will ich jetzt – der Zeitpunkt ist noch entscheidender, da die Gefahr droht, daß er mir alle Einkünfte nach u. nach abstiehlt – klagen.

Auch hat sich doch die 3 Masken herausgestellt, daß er, den Vertrag entgegen, blos je 800 Ex. TW. aufgelegt hat. Daher war er zu einer Ankündigung nicht zu bewegen, {4} die Sabotage des „TW war eine schon beim 1. Heft beschlossene u. durchgeführte Tatsache, wie ich es jetzt erfahre.

Ich erwarte täglich, stündlich, den Vertrag von den 3 M. Sofort erstatte ich dir Bericht darüber.

Sollte bei deinen „Kritikern“ nicht auch Antisemitismus mitgespielt haben? Gut aber, daß sie dir nicht mehr schaden können.

Hast du in der „MusikJanuarheft von Becker u. Schön über mich, auch den „TW“ gelesen? 3 Becker reiht auch mich unter die – „Hermeneuten“, was, da schaust du? Und H. Schön(??) rettet den „Fortschritt,“ an den heute nicht einmal Hertzka mehr glaubt. Wozu wäre das Leben eines Menschen da, wenn er sich nicht in die Brust werfen könnte: „ich mache es doch schon besser als Bach, als Beeth, Brahms“! Daß man 2 Jahrhunderte später auf die Welt kommt, um es nicht einmal noch so zu machen, wie jene, das geht in den Schädel nicht hinein.

Also die paar Worte erbitte ich umgehend.


Vielen, vieln Dank, vielere, vielere Grüße, vielten Dank u. Gruß dir, der Frau Wally u. den Wachsenden
dein
[signed:] H

© Transcription William Drabkin, 2013

[In top margin:] Miss Becker's card arrived; it will come in useful. Save it!
February 2, 1925

Floriz! 1

Your lovely letter with the enclosures just arrived. It came as if summoned, for tomorrow morning I plan to go to the solicitor to make finally set in motion the threat of action and arraignment on account of Hertzka's most recent calculations, which make a mockery of any description. The threats of legal action made in Galtür have brought me four issues of Der Tonwille ; and so I am also convinced that this new threat of action will bring me more money than Hertzka is inclined to pay out.

But I read in the responses from the music departments that Mr. Temming has subvented 7 x 4 subscriptions. I shall deliberately delay my steps tomorrow and ask you tell me quite precisely – for legal purposes 2 by return of post how many subscriptions Mr. Temming has covered. Has he provided ten music departments each with seven subscriptions (i.e. 7 x 4), or only fewer departments and also still fewer subscriptions, as I am led to believe from one of the replies. It is not my intention {2} to criticize Mr. Temming – whenever I appear on the scene, purses that would normally be open fall silent: this seems to be a general rule – but I must know the extent of the order, so that I can give it to the solicitor. For example, Hertzka will certainly not reckon issue 10 (= no. 4 of 1924), and yet Temming's subscription subvention must have also been intended for issue 10 (= no. 4) if his subscriptions extended to include the entire year 1924, i.e. issue 10. Please write to me to say: that Temming laid out so many marks, and ordered and received so many issues. The extent [of his subvention] is now no longer important, just the exact sum.

Now that I have left Hertzka, he is trying immediately to keep payment following my departure so low that it does not seem to me so entirely unlikely that my royalty would gradually decrease to nothing and he could then take ownership of the Beethoven sonata edition, the theoretical {3} volumes, and issues 1–10 of Der Tonwille , etc. for the knock-down price of a few million Kronen. Each time he has tried, to this day, to keep his payments too low, in opposition to the contract, to test my vigilance. Each time I pressed him; and then he apologized and made more generous payments: this is how I sent in settled my payment from Universal Edition in the summer of 1924 – admittedly, only after recriminations on my part and Mozio's. Now he is trying the same thing for the twentieth time. A while ago, my solicitor said that I was wrong not to have complained as early as the first issue of Der Tonwille; if one lets things slip, the publisher will gain the upper hand. For this reason I wish now to take action: the time is even more critical, since the danger threatens that he will gradually steal all my income from me.

In addition, the Drei Masken Verlag has ascertained that, in breach of the contract, he had only 800 copies of Der Tonwille printed. For this reason he could not be motivated advertise it: {4} the sabotage of Der Tonwille was a done deed right from issue 1, as I now learn.

I await the contract from Drei Masken Verlag any day, any hour now. As soon as it arrives, I'll give you a report about it.

Is it possible that, among the reviewers [of your recent concert], anti-Semitism may have also played a part? It is at least good that they cannot harm you anymore.

Have you read, in the January issue of Die Musik , Bekker and Schön about me, and also about Der Tonwille? 3 Bekker numbers me, too, among the "hermeneutists"; does that not astonish you, eh? And Mr. Schön(??) goes to the rescue of a "progress" that even Hertzka no longer believes in now. What would the purpose of someone's life be, if he could not puff himself up and say: "I can indeed do things better than Bach, Beethoven, or Brahms"! That one can appear on surface of the earth two centuries later, and still not do as well as they did, is something that he cannot get into his thick skull.

Okay, please send me those few words by return.


Many, many thanks, and even more greetings; many thanks and greetings to you, your wife Vally, and the growing ones.
Yours,
[signed:] Heinrich

© Translation William Drabkin, 2013

Footnotes

1 Writing of this letter is recorded in Schenker's diary at OJ 3/7, p. 2779, February 2, 1925: "An Fl. (Br.): bitte ihn, die Zahl der Abonnenten genau anzugeben." ("To Floriz (letter): I ask him to tell me the precise number of subscribers.")

2 The phrase "für Prozeßzwecke genau" is double-underlined by Violin.

3 Paul Bekker, ""Was ist Phänomenologie der Musik?"", an article that served as a trailer to his book Von den Naturreichen des Klanges: Grundriss einer Phänomenologie der Musik (Stuttgart and Berlin: Deutsche Verlags-Anstalt, 1925). Max Broesicke-Schoen's ""Der Tonwille"" was a general review of the periodical. Both are preserved in the Schenker Scrapbook (OC, file 2), on page 66.

Commentary

Format
4p letter, Bogen format, holograph message and signature
Rights Holder
Heirs of Heinrich Schenker, deemed to be in the public domain
License
All reasonable steps have been taken to locate the heirs of Heinrich Schenker. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Documents Online, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk

Digital version created: 2013-06-05
Last updated: 2013-06-05