23. 4. 34

Geehrter, lieber Herr Dr. Jonas ! 1

Vorigen Freitag habe ich das letzte Notenbeispiel eingetragen u. damit ist der „fr. S“ 2 abgeschlossen. Letzte Durchsicht u. Drucklegung werden mir u. meiner Frau noch genug zu tun geben!

Daß v. H. Ihnen zuletzt doch entgegen[ge]kommen 3 ist, freut mich sehr, es ist ein gutes Zeichen, doppelt hoch zu werten, da er sich nun entschlossen hat, bei uns in Wien zu bleiben u. zu ‒ bauen! 4

Furtw.’s Empfehlung wird von grosser Durchschlagskraft sein, schon daß er überhaupt {2} mittut, kommt dem Verfasser zugute, besonders unter den Musik-Heiden von heute. Er hat mir telephonisch den Besuch für später angekündigt.

Weisse’s Adresse lautet: 1 W 64th New-York U.S.A. Er schickte mir neulich eine neue Klv-Vl. Sonate ein, die ich noch zu lesen habe.

Vergessen Sie der von mir erbetenen 5 Ex. nicht, ich weiß heute nicht mehr, ob ich sie beim Verlag bestellt habe oder nicht. Genügt es, daß ich Sie bitte, den Verlag hierüber zu informieren, oder muß ich an den Verlag schreiben?

Dr Salzer hat kürzlich eine musikhistorische {3} Arbeit 5 vollendet, die er mir demnächst zeigen wird; er trägt sich mit dem Plan diese Arbeit, versteht sich auf eigene Kosten, dem Saturn-Verlag zu übergeben, worin ich ihn sehr unterstützt habe. Das schlägt ja auch in Ihren Plan ein, es wäre der Sammelpunkt des Verlages ein Zeichen der Einheit.

Noch verstehe ich Sie nicht recht: gedenken Sie auch Notentexte erscheinen zu lassen, ist das möglich, um so billigen Preis Musik u. Einführung herzustellen u. zu verbreiten? Unter allen Umständen begrüße ich die Idee auf das Wärmste, so oder so {4} ist die Zeit meiner Ansicht nach längst reif, aus meinen Anregungen u. Leistungen, die Allen zuguter kommen, auch bares Geld (Geld ist zu wenig gesagt) zu gewinnen. Seit jeher sprach ich diese Überzeugung aus, für naive Gemüter drückte ich es ländlich-sittlich mit den Worten aus: „Ich bin eine gute Kuh, die viel u. gute Milch gibt, da die werden die Menschen gern danach greifen.“

Goos 6 ist Schüler von Oppel ( Leipzig ) u. hat von diesem über alle Worte trefflichen Menschen eine ungewöhnliche Verehrung übernommen. Er hat eine Schule u. lehrt doch dort Schenker; er ist noch sehr, sehr jung u. dürfte keine Ahnung haben, daß ich Jude bin: 7 seine Schule feiert Schenker-„Feste,“ das wäre denn doch nicht möglich, wüßte er, was Sie wissen.

[upper margin, inverted:] Nun glaube, ich Alles beantwortet zu haben – halt, H. ist schon wieder auf Reisen – u. grüße Sie in unser Beider Namen auf das Beste


Ihr
[signed:] H Schenker

© Transcription John Rothgeb, 2006


April 23, 1934

Revered, dear Dr. Jonas, 1

Last Friday I entered the last musical example, and thereby Free Composition 2 is completed. Final review and preparation for printing will still give my wife and me plenty to do!

It pleases me greatly that Hoboken has finally come round; 3 it is a good sign, to be valued doubly as he has now decided to stay here in Vienna and — to build here! 4

Furtwängler's recommendation will be greatly effective; the very fact that he {2} cooperates at all benefits the author, especially among the musical heathens of the present day. He notified me by telephone of his coming visit.

Weisse's address is: 1 W 64th [Street], New York, U.S.A. He recently sent me a new piano-violin sonata, which I have still to read.

Don't forget the five copies I requested; I don't know any more whether I ordered them from the publisher or not. Is it sufficient that I ask you to relay this to the publisher, or must I write to the publisher myself?

Dr. Salzer has just completed a music-historical {3} work, 5 which he will show me presently; he plans to submit this work for publication, naturally at his own expense, to Saturn Verlag — an idea I have strongly supported. That fits well with your plan; the focal point of the publisher would be a sign of unity.

I still don't understand you fully: are you thinking of having musical text published as well? Is it possible, for such a low price, to present and distribute music and commentary together? In any case I greet the idea most warmly; one way or another, in my opinion, {4} the time has long been ripe to realize some hard cash as well ("cash" is not saying enough) from my efforts and achievements, which benefit everybody. I have expressed this conviction all along; for naive souls I put it in rustic terms with the words "I am a good cow that gives good milk and much of it; people will go for it."

Goos 6 is a student of Oppel (Leipzig) and has adopted from that indescribably excellent human being an extraordinary reverence. He has a school and teaches Schenker there; he is still very, very young and may have no notion that I am a Jew: 7 his school celebrates Schenker "festivals," which would not be possible if he knew what you know.

[upper margin, inverted:] Now I think I have answered everything — no, wait, Hoboken is traveling again — and greet you most warmly on the part of both of us.


Your
[signed:] H. Schenker

© Translation John Rothgeb, 2006


23. 4. 34

Geehrter, lieber Herr Dr. Jonas ! 1

Vorigen Freitag habe ich das letzte Notenbeispiel eingetragen u. damit ist der „fr. S“ 2 abgeschlossen. Letzte Durchsicht u. Drucklegung werden mir u. meiner Frau noch genug zu tun geben!

Daß v. H. Ihnen zuletzt doch entgegen[ge]kommen 3 ist, freut mich sehr, es ist ein gutes Zeichen, doppelt hoch zu werten, da er sich nun entschlossen hat, bei uns in Wien zu bleiben u. zu ‒ bauen! 4

Furtw.’s Empfehlung wird von grosser Durchschlagskraft sein, schon daß er überhaupt {2} mittut, kommt dem Verfasser zugute, besonders unter den Musik-Heiden von heute. Er hat mir telephonisch den Besuch für später angekündigt.

Weisse’s Adresse lautet: 1 W 64th New-York U.S.A. Er schickte mir neulich eine neue Klv-Vl. Sonate ein, die ich noch zu lesen habe.

Vergessen Sie der von mir erbetenen 5 Ex. nicht, ich weiß heute nicht mehr, ob ich sie beim Verlag bestellt habe oder nicht. Genügt es, daß ich Sie bitte, den Verlag hierüber zu informieren, oder muß ich an den Verlag schreiben?

Dr Salzer hat kürzlich eine musikhistorische {3} Arbeit 5 vollendet, die er mir demnächst zeigen wird; er trägt sich mit dem Plan diese Arbeit, versteht sich auf eigene Kosten, dem Saturn-Verlag zu übergeben, worin ich ihn sehr unterstützt habe. Das schlägt ja auch in Ihren Plan ein, es wäre der Sammelpunkt des Verlages ein Zeichen der Einheit.

Noch verstehe ich Sie nicht recht: gedenken Sie auch Notentexte erscheinen zu lassen, ist das möglich, um so billigen Preis Musik u. Einführung herzustellen u. zu verbreiten? Unter allen Umständen begrüße ich die Idee auf das Wärmste, so oder so {4} ist die Zeit meiner Ansicht nach längst reif, aus meinen Anregungen u. Leistungen, die Allen zuguter kommen, auch bares Geld (Geld ist zu wenig gesagt) zu gewinnen. Seit jeher sprach ich diese Überzeugung aus, für naive Gemüter drückte ich es ländlich-sittlich mit den Worten aus: „Ich bin eine gute Kuh, die viel u. gute Milch gibt, da die werden die Menschen gern danach greifen.“

Goos 6 ist Schüler von Oppel ( Leipzig ) u. hat von diesem über alle Worte trefflichen Menschen eine ungewöhnliche Verehrung übernommen. Er hat eine Schule u. lehrt doch dort Schenker; er ist noch sehr, sehr jung u. dürfte keine Ahnung haben, daß ich Jude bin: 7 seine Schule feiert Schenker-„Feste,“ das wäre denn doch nicht möglich, wüßte er, was Sie wissen.

[upper margin, inverted:] Nun glaube, ich Alles beantwortet zu haben – halt, H. ist schon wieder auf Reisen – u. grüße Sie in unser Beider Namen auf das Beste


Ihr
[signed:] H Schenker

© Transcription John Rothgeb, 2006


April 23, 1934

Revered, dear Dr. Jonas, 1

Last Friday I entered the last musical example, and thereby Free Composition 2 is completed. Final review and preparation for printing will still give my wife and me plenty to do!

It pleases me greatly that Hoboken has finally come round; 3 it is a good sign, to be valued doubly as he has now decided to stay here in Vienna and — to build here! 4

Furtwängler's recommendation will be greatly effective; the very fact that he {2} cooperates at all benefits the author, especially among the musical heathens of the present day. He notified me by telephone of his coming visit.

Weisse's address is: 1 W 64th [Street], New York, U.S.A. He recently sent me a new piano-violin sonata, which I have still to read.

Don't forget the five copies I requested; I don't know any more whether I ordered them from the publisher or not. Is it sufficient that I ask you to relay this to the publisher, or must I write to the publisher myself?

Dr. Salzer has just completed a music-historical {3} work, 5 which he will show me presently; he plans to submit this work for publication, naturally at his own expense, to Saturn Verlag — an idea I have strongly supported. That fits well with your plan; the focal point of the publisher would be a sign of unity.

I still don't understand you fully: are you thinking of having musical text published as well? Is it possible, for such a low price, to present and distribute music and commentary together? In any case I greet the idea most warmly; one way or another, in my opinion, {4} the time has long been ripe to realize some hard cash as well ("cash" is not saying enough) from my efforts and achievements, which benefit everybody. I have expressed this conviction all along; for naive souls I put it in rustic terms with the words "I am a good cow that gives good milk and much of it; people will go for it."

Goos 6 is a student of Oppel (Leipzig) and has adopted from that indescribably excellent human being an extraordinary reverence. He has a school and teaches Schenker there; he is still very, very young and may have no notion that I am a Jew: 7 his school celebrates Schenker "festivals," which would not be possible if he knew what you know.

[upper margin, inverted:] Now I think I have answered everything — no, wait, Hoboken is traveling again — and greet you most warmly on the part of both of us.


Your
[signed:] H. Schenker

© Translation John Rothgeb, 2006

Footnotes

1 Writing of this letter is recorded in Schenker's diary at OJ 4/7, p. 3906, April 23, 1934: "An Jonas (Br.): beantworte seine Fragen." ("To Jonas (letter): I answer his questions.").

2 Cf. OJ 5/18 35, January 9, 1934, and OJ 5/18, 37, March 19, 1934.

3 See OJ 12/6, [31], April 15, 1934, to which this letter is the reply.

4 Cf. OJ 5/18, 13, September 7, 1932.

5 Subsequently published as Sinn und Wesen der abendländischen Mehrstimmigkeit (Vienna: Saturn Verlag, 1935).

6 Goos was a pupil of Reinhard Oppel; in July 1933, Schenker had written to Oppel on July 23, 1933, asking whether he might write to Goos (see Oppel's reply, postcard July 28, 1933). Already on April 27, 1933, Oppel had reported to Schenker that Goos himself teaches Schenker's theory, and that he had assembled a "Schenker week" for presentation on the radio. In other correspondence Oppel commented that it was important to keep from Goos the fact that Schenker was Jewish.

7 Cf. OJ 89/6, [10], van Hoboken to Schenker, August 5, 1933.

Commentary

Format
4-p letter, Bogen format, holograph salutation, message, valediction and signature
Provenance
Oswald Jonas (document date-1978)—Special Collections, University of California, Riverside (1978-)
Rights Holder
In the public domain
License
This document is deemed to be in the public domain as of January 1, 2006. All reasonable efforts have been made to identify heirs of Heinrich Schenker. Any claim to intellectual rights should be addressed to the Schenker Correspondence Project, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk.

Digital version created: 2015-11-16
Last updated: 2011-02-10