Für die Ehre, die mir die sehr geehrte Gesellschaft der Musikfreunde daduch erweist, daß sie auch mich zur Erfüllung der neuen schönen Aufgabe mit heranzieht, erlaube ich mir meinen herzlichsten dank abzustatten.

Weitmehr noch als Ihre erste ruhmvolle Gründung scheint mir die gegenwärtige zweite, die so bedeutsam das zweite Jahrhundert Ihres Bestandes einleitet, die Erreichung dessen zu ermöglichen, was die Tonkunst meiner Meinung nach heute am dringendsten fordert, nämlich die größtmögliche Vertiefung der spezifisch-musikalischen Kenntnisse.

Zwar entnehme ich Ihrem geschätzten Schreiben 2 nicht genau, ob die geplanten Vorträge den Charakter von Hochschulvorlesungen 3 erhalten sollen; doch wünschte ich vom Herzen, daß es so wäre, damit der durch die zahllosen Schulen verursachten Verflachung wirksam entgegengearbeitet werde. Endlich {2} soll einmal auch dasjenige, worin sich besonders das Genie unserer großen Meister manifestiert, in die weitesten Kreise zu deren eigenstem Wohle getragen werden. Das wäre meines Erachtens die idealste Art von „volkstümlichen Vorträgen.“

Hiermit [?will] ich freudigst meine Bereitwilligkeit ausgedrückt haben, mich Ihren Plänen zur Verfügung zu stellen. Sehr gerne würde ich, um der neuen Institution freunde zu werben, über aus kunstpolitischen Gründen momentan aktuelle Themen aus dem Gebiete der Tonkunst vorlesen, so z.B. über „Gut u. schlecht in der Musik,“ oder über „die Unwandelbarkeit musikalischer Formen,“ über „die Technik in den Sinfonien von Brahms “ u. dgl.; jedoch wäre es ratsam, mir zu gestatten, zur Einführung Vorlesungen über „Harmonielehre 4 zu halten. Wer mich kennt, wird gerne bestätigen, daß ich damit durchaus nicht etwa für meine Theorien Propaganda machen möchte u. ich bitte auch die sehr geehrte Gesellschaft einem solchen Gedanken gar nicht erst Raum zu geben. Vielmehr erscheint es mir unausführbar, Nachweise musikalischer Natur überhaupt zu führen um {3} meine Urteile vor Zuhörern zu begründen, die meiner Terminologie gar nicht folgen könnten.

Konkret gesprochen, frage ich die sehr geehrte Gesellschaft der Musikfreunde an, ob ihr zunächst Vorlesungen über „Harmonielehre“ willkommen wären. Für diesen Fall würde ich solche je 1-mal in der Woche halten, u. zw. so, daß ich eine Stunde den Ausführungen selbst widmen, woran sich eine Diskussion von etwa 1/2-stundiger Dauer anschließen würde.

Was das Honorar anbelangt, würde ich für das Musikjahr (Oktober bis incl. Juni) den Betrag von 3000 Fl = 6000 Kr. erbitten.

Einer gefälligen Entscheidung entgegensehend verharre ich


in ausgezeichneter Hochachtung
[signed:] Dr. Heinrich Schenker

Wien, 29. Juni 1912.

© Transcription Ian Bent, 2007



To the Imperial & Royal Society of the Friends of Music! 1

I take the liberty of rendering my most cordial thanks for the honor that the Society of the Friends of Music accords me by calling upon me to contribute to the fulfillment of the fine new task that it has set itself.

Far more even than your first glorious initiative [is] a second one belonging to the present day, one that so significantly ushers in the second century of your existence, [which] seems to me to be: to make possible the attainment of that for which music in my judgment most pressingly cries out today, namely the greatest possible deepening of the specifically musical understanding.

To be sure, I cannot exactly tell from your esteemed letter 2 whether the planned lectures are intended to have the character of highschool 3 lectures. I certainly would wish from the bottom of my heart that you will work effectively to counteract the lowering of intellectual standards that has been brought about through the countless schools. At last, {2} that in which the genius of our great masters is especially manifested should for once be carried out into the farthest circles for their own good. That would in my opinion be the most ideal type of "popular lectures."

With this, I mean with greatest pleasure to have expressed my readiness to make myself available for your plans. I should certainly have liked, in order to recruit friends to the new institution, to lecture on currently burning issues in the art-political arena, for example, on "Good and Bad in Music," or on "The Immutability of Musical Forms," or on "Technique in the Symphonies of Brahms," or such like. However, it would be advisable to permit myself to give lectures, by way of introduction, on "theory of harmony." 4 Anybody who knows me will readily confirm that I would never for a moment wish to make propaganda out of this for my theories, and I beg the honored Society not to entertain any such thought. What is more, it seems to me impracticable to introduce evidence of a musical nature on {3} which to base my judgments in front of an audience that is entirely unable to follow my terminology.

Put in concrete terms, I ask the honored Society of the Friends of Music whether lectures on "Theory of Harmony" would be welcome to it in the first instance. If so, I would lecture once a week, devoting one hour to the lectures themselves, to which would be attached perhaps half an hour for discussion.

As far as the fee is concerned, I should ask 3,000 Florins = 6,000 Kroner for the musical year (October to June inclusive).

In looking forward to a favorable decision, I remain,


In high esteem,
[signed:] Dr. Heinrich Schenker

Vienna, Juni 29, 1912

© Translation Ian Bent, 2007

Für die Ehre, die mir die sehr geehrte Gesellschaft der Musikfreunde daduch erweist, daß sie auch mich zur Erfüllung der neuen schönen Aufgabe mit heranzieht, erlaube ich mir meinen herzlichsten dank abzustatten.

Weitmehr noch als Ihre erste ruhmvolle Gründung scheint mir die gegenwärtige zweite, die so bedeutsam das zweite Jahrhundert Ihres Bestandes einleitet, die Erreichung dessen zu ermöglichen, was die Tonkunst meiner Meinung nach heute am dringendsten fordert, nämlich die größtmögliche Vertiefung der spezifisch-musikalischen Kenntnisse.

Zwar entnehme ich Ihrem geschätzten Schreiben 2 nicht genau, ob die geplanten Vorträge den Charakter von Hochschulvorlesungen 3 erhalten sollen; doch wünschte ich vom Herzen, daß es so wäre, damit der durch die zahllosen Schulen verursachten Verflachung wirksam entgegengearbeitet werde. Endlich {2} soll einmal auch dasjenige, worin sich besonders das Genie unserer großen Meister manifestiert, in die weitesten Kreise zu deren eigenstem Wohle getragen werden. Das wäre meines Erachtens die idealste Art von „volkstümlichen Vorträgen.“

Hiermit [?will] ich freudigst meine Bereitwilligkeit ausgedrückt haben, mich Ihren Plänen zur Verfügung zu stellen. Sehr gerne würde ich, um der neuen Institution freunde zu werben, über aus kunstpolitischen Gründen momentan aktuelle Themen aus dem Gebiete der Tonkunst vorlesen, so z.B. über „Gut u. schlecht in der Musik,“ oder über „die Unwandelbarkeit musikalischer Formen,“ über „die Technik in den Sinfonien von Brahms “ u. dgl.; jedoch wäre es ratsam, mir zu gestatten, zur Einführung Vorlesungen über „Harmonielehre 4 zu halten. Wer mich kennt, wird gerne bestätigen, daß ich damit durchaus nicht etwa für meine Theorien Propaganda machen möchte u. ich bitte auch die sehr geehrte Gesellschaft einem solchen Gedanken gar nicht erst Raum zu geben. Vielmehr erscheint es mir unausführbar, Nachweise musikalischer Natur überhaupt zu führen um {3} meine Urteile vor Zuhörern zu begründen, die meiner Terminologie gar nicht folgen könnten.

Konkret gesprochen, frage ich die sehr geehrte Gesellschaft der Musikfreunde an, ob ihr zunächst Vorlesungen über „Harmonielehre“ willkommen wären. Für diesen Fall würde ich solche je 1-mal in der Woche halten, u. zw. so, daß ich eine Stunde den Ausführungen selbst widmen, woran sich eine Diskussion von etwa 1/2-stundiger Dauer anschließen würde.

Was das Honorar anbelangt, würde ich für das Musikjahr (Oktober bis incl. Juni) den Betrag von 3000 Fl = 6000 Kr. erbitten.

Einer gefälligen Entscheidung entgegensehend verharre ich


in ausgezeichneter Hochachtung
[signed:] Dr. Heinrich Schenker

Wien, 29. Juni 1912.

© Transcription Ian Bent, 2007



To the Imperial & Royal Society of the Friends of Music! 1

I take the liberty of rendering my most cordial thanks for the honor that the Society of the Friends of Music accords me by calling upon me to contribute to the fulfillment of the fine new task that it has set itself.

Far more even than your first glorious initiative [is] a second one belonging to the present day, one that so significantly ushers in the second century of your existence, [which] seems to me to be: to make possible the attainment of that for which music in my judgment most pressingly cries out today, namely the greatest possible deepening of the specifically musical understanding.

To be sure, I cannot exactly tell from your esteemed letter 2 whether the planned lectures are intended to have the character of highschool 3 lectures. I certainly would wish from the bottom of my heart that you will work effectively to counteract the lowering of intellectual standards that has been brought about through the countless schools. At last, {2} that in which the genius of our great masters is especially manifested should for once be carried out into the farthest circles for their own good. That would in my opinion be the most ideal type of "popular lectures."

With this, I mean with greatest pleasure to have expressed my readiness to make myself available for your plans. I should certainly have liked, in order to recruit friends to the new institution, to lecture on currently burning issues in the art-political arena, for example, on "Good and Bad in Music," or on "The Immutability of Musical Forms," or on "Technique in the Symphonies of Brahms," or such like. However, it would be advisable to permit myself to give lectures, by way of introduction, on "theory of harmony." 4 Anybody who knows me will readily confirm that I would never for a moment wish to make propaganda out of this for my theories, and I beg the honored Society not to entertain any such thought. What is more, it seems to me impracticable to introduce evidence of a musical nature on {3} which to base my judgments in front of an audience that is entirely unable to follow my terminology.

Put in concrete terms, I ask the honored Society of the Friends of Music whether lectures on "Theory of Harmony" would be welcome to it in the first instance. If so, I would lecture once a week, devoting one hour to the lectures themselves, to which would be attached perhaps half an hour for discussion.

As far as the fee is concerned, I should ask 3,000 Florins = 6,000 Kroner for the musical year (October to June inclusive).

In looking forward to a favorable decision, I remain,


In high esteem,
[signed:] Dr. Heinrich Schenker

Vienna, Juni 29, 1912

© Translation Ian Bent, 2007

Footnotes

1 Although this letter is signed and dated, it may be a copy retained for the file. Schenker reports the Gesellschaft's reply in his diary at OJ 1/11, p. 210, July 29, 1912: "Die Gesellschaft der Musikfreunde erklärt mir, in einem Antwortschreiben, daß sie mit Freuden meine Zusage begrüßt u. sich die detailirten Besprechungen bezüglich der Vorlesungen u. des Honorars für Mitte September vorbehält." ("The Society of the Friends of Music informs me in a letter of reply that it welcomes my assent joyfully and reserves detailed discussions regarding the lectures and the fee until mid-September.").

2 = OJ 11/22, [2], June 21, 1912.

3 Translation as "highschool" is admittedly misleading here: to Schenker (who associated the term with what he regarded as the superior educational system of Germany), and indeed to the Austrian educational establishment of the time, the term "Hochschule" signified something higher than a (grade) school and something more intellectual than a conservatory: "college" or "academy," might perhaps be nearer the mark, but there is no English term that provides its counterpart.

4 Schenker's book Harmonielehre [Theory of Harmony], vol. I of Neue Musikalische Theorien und Phantasien [New Musical Theories and Fantasies] had been published in 1906.

Commentary

Format
4p letter, Bogen format, holograph salutation, message and signature
Provenance
unclear--Schenker, Jeanette (1935-c.1942)--Ratz, Erwin (c.1942-c.1945)--Jonas, Oswald (c.1945-1978)--University of California, Riverside (1978--)
Rights Holder
Heirs of Heinrich Schenker, deemed to be in the public domain
License
All reasonable steps have been taken to locate the heirs of Heinrich Schenker. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Documents Online, at schenkercorrespondence (at) mus (dot) camc (dot) uk

Digital version created: 2014-11-11
Last updated: 2012-09-26