[printed letterhead:]
WIEN
XIII., WATTMANNGASSE 5

30. III. 31.

Lieber verehrter Meister, 1

mit Bezug auf unser letztes Gespräch in Gegenwart von Furtwängler über Ihre frühen Aufsätze, 2 habe ich, was Sie mir hoffentlich nicht übel nehmen, ein wenig eigenmächtig gehandelt. Da ich wusste, dass das Sammeln und eventuell auch Vorwortschreiben hiezu eine Sache für Dr. Jonas sei, teilte ich ihm davon mit und erhalte heute von ihm bereits die Verständigung[,] dass er sich mit grosser Freude an diese Arbeit gemacht habe und folgende Aufsätze gesammelt und abgeschrieben habe:

Aus dem Musikalischen Wochenblatt (1891–95):

  • {2} Bruckner Psalm 150
  • Brahms op 104 (von Kalbeck zitiert)
  • Brahms op 116
  • Brahms op. 107
  • „Der Geist der musikalischen Technik.“

Aus der Zukunft (Jonas hat vorläufig erst die ersten 10 Bde 1893–95 durchgesehen und abgeschrieben):
Mascagni in Wien; Eine jung ital. Schule? Mascagnis Rantzau; Gruss an Brahms zum 60. Geburtstag; Notizen zu Verdi’s Falstaff; Friedr. Smetana; Anton Bruckner; Verdi’s Falstaff. – Konzertdirigenten, Tantiemen für Instrumentalkomponisten? Anton Rubenstein – Eugen D’Albert.

Aus der „Zeit“ schreibt seine Frau gegenwärtig die Aufsätze heraus. Nun liegt ein Heft der „Neue Revue, Wiener Literaturzeitung [“] hrsggben. von Heinrich Osten u. Dr. Edmund {3} Wengraf vor mir, in dem ich von Ihnen einen Aufsatz: „Die Musik von heute“ enth gefunden habe. Ist Ihnen vielleicht noch in Erinnerung[,] ob Sie dort noch anderes veröffentlicht haben?

So werden wir in Bälde diese Aufsätze beisammen haben, was ja für uns alle sehr interessant sein wird!

Sie haben wohl nichts dagegen, dass Dr. Jonas ein Vorwort dazu schreibt, im Falle einer Publication? (Dieses Vorwort wurde die Neuausgabe begründen und auch Hinweise auf Ihre spätere Gedanken enthalten. Jonas schreibt: „Seltsam das starke Betonen der Horizontalen in dem Essay des Wochenblatts 3 und im letzten Jahrbuch.“)

F. habe ich bereits geschrieben und bin sehr neugierig, was er antworten wird. Die frühen Aufsätze liessen sich ja im Subscriptionswege herausbringen?


Alles Herzliche Ihnen beiden
von Ihrem
[signed:] H . ./.

{4} Ich bitte sie nochmals um die Angaben des Datums und Namens der Ztg in welcher der Mozartbrief erstmalig veröffentlicht wurde. 4 Ich habe Ihre Karte, 5 auf der das stand[,] verlegt und bitte Sie die Bemühung entschuldigen zu wollen!

© Transcription William Drabkin, 2008


[printed letterhead:]
VIENNA
XIII, WATTMANNGASSE 5

March 30, 1931

Dear, revered Master, 1

With reference to our most recent conversation in the presence of Furtwängler's about your early essays, 2 I hope you will not think ill of me for having taken matters a bit into my own hands. Since I knew that the compiling of the essays and the writing of a Foreword to them were matters for Dr. Jonas, I told him about it and received from him this very day the news that he had started working on this project with great joy and had collected and copied the following essays:

From the Musikalischen Wochenblatt (1891–95):

  • {2}Bruckner Psalm 150
  • Brahms Op 104 (von Kalbeck zitiert)
  • Brahms Op 116
  • Brahms Op. 107
  • „Der Geist der musikalischen Technik.“

From Die Zukunft (Jonas has started by looking through and copying out material from the first ten volumes):
"Mascagni in Vienna"; "A New Italian School?" "Mascagni's Rantzau"; "Greetings to Brahms on his Sixtieth Birthday"; "Notes on Verdi's Falstaff"; "Bedřich Smetana"; "Anton Bruckner"; "Verdi's Falstaff"; "Symphony Conductors"; "Royalties for Composers of Instrumental Music?"; "Anton Rubenstein"; "Eugen d'Albert".

His wife is currently copying the essays from Die Zeit . I now have in front of me a volume of the Neue Revue, Wiener Literaturzeitung , edited by Heinrich Osten and Dr. Edmund {3} Wengraf, in which I have found an essay "The Music of Today." Can you perhaps still recall anything else that you published there?

Thus you will soon have these essays together, which will be very interesting indeed, for all of us!

I hope you have nothing against the idea of Dr. Jonas writing a Foreword, in case of publication? (This Foreword would be a justification for the new edition, and would include reference to your later ideas. Jonas writes: "The great emphasis on the horizontal in the essay in the Musikalisches Wochenblatt 3 and in the last volume of Yearbook is striking.")

I have just written to F. and am very curious to know his reply. Presumably, the early essays can be published in the form of a subscription.


All good wishes to the two of you
from your
[signed:] H. ./.

{4} I ask you once again to give me the date and the name of the newspaper in which the Mozart letter was published for the first time. 4 I have mislaid the card 5 on which this information was written, and ask you to forgive me for troubling you!

© Translation William Drabkin, 2008


[printed letterhead:]
WIEN
XIII., WATTMANNGASSE 5

30. III. 31.

Lieber verehrter Meister, 1

mit Bezug auf unser letztes Gespräch in Gegenwart von Furtwängler über Ihre frühen Aufsätze, 2 habe ich, was Sie mir hoffentlich nicht übel nehmen, ein wenig eigenmächtig gehandelt. Da ich wusste, dass das Sammeln und eventuell auch Vorwortschreiben hiezu eine Sache für Dr. Jonas sei, teilte ich ihm davon mit und erhalte heute von ihm bereits die Verständigung[,] dass er sich mit grosser Freude an diese Arbeit gemacht habe und folgende Aufsätze gesammelt und abgeschrieben habe:

Aus dem Musikalischen Wochenblatt (1891–95):

  • {2} Bruckner Psalm 150
  • Brahms op 104 (von Kalbeck zitiert)
  • Brahms op 116
  • Brahms op. 107
  • „Der Geist der musikalischen Technik.“

Aus der Zukunft (Jonas hat vorläufig erst die ersten 10 Bde 1893–95 durchgesehen und abgeschrieben):
Mascagni in Wien; Eine jung ital. Schule? Mascagnis Rantzau; Gruss an Brahms zum 60. Geburtstag; Notizen zu Verdi’s Falstaff; Friedr. Smetana; Anton Bruckner; Verdi’s Falstaff. – Konzertdirigenten, Tantiemen für Instrumentalkomponisten? Anton Rubenstein – Eugen D’Albert.

Aus der „Zeit“ schreibt seine Frau gegenwärtig die Aufsätze heraus. Nun liegt ein Heft der „Neue Revue, Wiener Literaturzeitung [“] hrsggben. von Heinrich Osten u. Dr. Edmund {3} Wengraf vor mir, in dem ich von Ihnen einen Aufsatz: „Die Musik von heute“ enth gefunden habe. Ist Ihnen vielleicht noch in Erinnerung[,] ob Sie dort noch anderes veröffentlicht haben?

So werden wir in Bälde diese Aufsätze beisammen haben, was ja für uns alle sehr interessant sein wird!

Sie haben wohl nichts dagegen, dass Dr. Jonas ein Vorwort dazu schreibt, im Falle einer Publication? (Dieses Vorwort wurde die Neuausgabe begründen und auch Hinweise auf Ihre spätere Gedanken enthalten. Jonas schreibt: „Seltsam das starke Betonen der Horizontalen in dem Essay des Wochenblatts 3 und im letzten Jahrbuch.“)

F. habe ich bereits geschrieben und bin sehr neugierig, was er antworten wird. Die frühen Aufsätze liessen sich ja im Subscriptionswege herausbringen?


Alles Herzliche Ihnen beiden
von Ihrem
[signed:] H . ./.

{4} Ich bitte sie nochmals um die Angaben des Datums und Namens der Ztg in welcher der Mozartbrief erstmalig veröffentlicht wurde. 4 Ich habe Ihre Karte, 5 auf der das stand[,] verlegt und bitte Sie die Bemühung entschuldigen zu wollen!

© Transcription William Drabkin, 2008


[printed letterhead:]
VIENNA
XIII, WATTMANNGASSE 5

March 30, 1931

Dear, revered Master, 1

With reference to our most recent conversation in the presence of Furtwängler's about your early essays, 2 I hope you will not think ill of me for having taken matters a bit into my own hands. Since I knew that the compiling of the essays and the writing of a Foreword to them were matters for Dr. Jonas, I told him about it and received from him this very day the news that he had started working on this project with great joy and had collected and copied the following essays:

From the Musikalischen Wochenblatt (1891–95):

  • {2}Bruckner Psalm 150
  • Brahms Op 104 (von Kalbeck zitiert)
  • Brahms Op 116
  • Brahms Op. 107
  • „Der Geist der musikalischen Technik.“

From Die Zukunft (Jonas has started by looking through and copying out material from the first ten volumes):
"Mascagni in Vienna"; "A New Italian School?" "Mascagni's Rantzau"; "Greetings to Brahms on his Sixtieth Birthday"; "Notes on Verdi's Falstaff"; "Bedřich Smetana"; "Anton Bruckner"; "Verdi's Falstaff"; "Symphony Conductors"; "Royalties for Composers of Instrumental Music?"; "Anton Rubenstein"; "Eugen d'Albert".

His wife is currently copying the essays from Die Zeit . I now have in front of me a volume of the Neue Revue, Wiener Literaturzeitung , edited by Heinrich Osten and Dr. Edmund {3} Wengraf, in which I have found an essay "The Music of Today." Can you perhaps still recall anything else that you published there?

Thus you will soon have these essays together, which will be very interesting indeed, for all of us!

I hope you have nothing against the idea of Dr. Jonas writing a Foreword, in case of publication? (This Foreword would be a justification for the new edition, and would include reference to your later ideas. Jonas writes: "The great emphasis on the horizontal in the essay in the Musikalisches Wochenblatt 3 and in the last volume of Yearbook is striking.")

I have just written to F. and am very curious to know his reply. Presumably, the early essays can be published in the form of a subscription.


All good wishes to the two of you
from your
[signed:] H. ./.

{4} I ask you once again to give me the date and the name of the newspaper in which the Mozart letter was published for the first time. 4 I have mislaid the card 5 on which this information was written, and ask you to forgive me for troubling you!

© Translation William Drabkin, 2008

Footnotes

1 Receipt of this letter and Schenker's response are recorded in his diary at OJ 4/4, p. 3601, March 31, 1931: "Von Weisse (Br.): Jonas sammle die Aufsätze meiner ersten Zeit – durch Subscription wäre eine Herausgabe möglich. [...] An Weisse (Br.): lege 3 Karten bei, bitte die Subscription für Neues aufzusparen." ("From Weisse (letter): Jonas is collecting the essays from my early years – an edition would be possible by subscription. [...] To Weisse (letter): I enclose three cards, request that he reserve the [idea of a] subscription for something new."). — Earlier in the day Schenker had written: "An Weisse (K.): es ist wirklich besser, wenn er statt meiner Furtwängler erinnert." ("To Weisse (postcard): it would actually be better if he, not I, reminded Furtwängler.").

2 That is, the essays published in journals in the last decade of the 19th century. This was evidently an attempt to assemble a collected edition of Schenker's early writings, possibly for publication (cf. "Publication" and "Neuausgabe" below). The two lists given here correspond almost exactly to the contents of OJ 20/1 (Musikalisches Wochenblatt) and OJ 20/2 (Die Zukunft); OJ 20/3 (Neue Revue ‒ including "Die Musik von heute") and OJ 20/4 (Die Zeit) probably result from the same initiative. OJ 20/5‒12 contain articles from eight further periodicals. For Jonas's own remarks to Schenker on this subject, see OJ 12/6, [9], April 17, 1931, and Schenker's discouraging response in OJ 5/18, 5, April 19, 1931, in which he states that he had provided Weisse with a list of his early articles. — A collected edition of all Schenker's early critical essays was prepared by Hellmut Federhofer, as Heinrich Schenker als Essayist und Kritiker: Gesammelte Aufsätze, Rezensionen und kleinere Berichte aus den Jahren 1891‒1901 (Hildesheim: Olms, 1990).

3 i.e. "The Spirit of Musical Technique."

4 Mozart's purported letter to Baron Gottfried van Swieten about compositional process, which is mentioned in many letters from 1931.

5 The calling card with an excerpt from the (forged) Mozart letter that Schenker had had produced by Jahoda & Siegel and was currently distributing to pupils and associates. No copy is currently known to survive.|

Commentary

Format
4p letter, printed letterhead, holograph salutation, message, valediction, signature, and postscript
Provenance
Schenker, Heinrich (document date-1935)--Schenker, Jeanette (1935-c.1942)--Ratz, Erwin (c.1942-c.1945)--Jonas, Oswald (c.1945-1978)--University of California, Riverside (1978--)
Rights Holder
Heirs of Hans Weisse, reproduced with kind permission
License
Permission to publish granted on March 10, 2008 by the heirs of Hans Weisse. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Documents Online, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence[at]mus(dot)cam(dot)ac(dot)uk

Digital version created: 2018-10-02
Last updated: 2013-10-01