[Envelope: ]
{recto}

S. S. Berengaria

[An:] Frau Dr. Heinrich Schenker
Keilgasse 8
Wien III.
Austria
[received?:] 28. IX. 35
beantw. 8. XI. 35

[postmark:] || ROCKLAND | SEP [illeg] 6 P | MAINE ||

{verso}
[Absender:] Dr H. Weisse, Tenants Harbor, Me. U.S.A.

[postmark:] || 3 WIEN 40 | 28.IX.35.[illeg] | *5a* ||

[Letter: ]

Tenants Harbor, 18. Sept. 35.

Liebe Frau Lie-Lie,

Die Totenmaske hat mich aufs Tiefste ergriffen und ich danke Ihnen für die Übersendung der Photographien. 1 Die schmächtigen, fast jünglichshaften Züge muteten mich ganz fremd an und ich will nicht verhehlen, dass mich bei jedem neuerlichen Betrachten derselben ein Schauer überläuft.

Ich glaube mit Bestimmtheit sagen zu können, dass Dr. Salzer keine Kenntnis von der von mir und meinen Schülern unternommenen Aktion hat. 2 Jedesfalls habe ich ihm davon nichts mitgeteilt.

Ihre Absicht, des Meisters schriftlichen Nachlass zu veräussern verstehe ich, doch hoffe ich, Sie werden mir die Bemerkung nicht übel nehmen, die ich heran knüpfen möchte. Etwas Anderes ist es wenn die Manuskripte aus dem Nachlass eines Komponisten veräussert werden. Sie gelangen als ein fertiges und dort – wo es sich um skizzenhafte Ansätze handelt – nicht mehr zu vollenden in fremde Hände. Anders scheint es mir mit unseres geliebten Meisters Nachlass: Der hier angesammelte Stoff ist durchwegs verwendbar und es fragt sich, ob geistiges Eigentum verkauft werden darf? Nach reiflichem Überlegen erschien es mir zweckmässiger, seine Bibliothek zu veräussern, 3 seine nachgelassenen Skizzen und Schriften jedoch dem „Archiv“ 4 als eine nicht in Stücke aufzulösende Einheit {2} einzuverleiben.

Sie schreiben unter anderem in Ihrem letzten Briefe: „Es wäre schade, wenn der Nachlass nicht nach seinem Wert sondern nach meinen Bedürfnissen eingeschätzt würde.“ Nun, es ist ja leider nur zu wahr, dass Geistesschätze in dieser Welt mit Geldwert nicht in Einklang gebracht werden können. Es ist schon schwer Geist, geistig zu werten, unmöglich aber, ihn auf eine Ziffer abzustimmen.

Doch sind dies sicherlich Gedanken, die Sie sich selbst bereits werden gemacht haben und ich brauche wohl nicht zu befürchten, dass Sie meine Bemerkungen als eine lästige Einmischung in Dinge, die mich nichts angehn, ansehen werden.

____________________

Ich habe mich während dieses Sommers ganz in den freien Satz 5 vertieft und ihn studiert, so gründlich ich es bei meinem recht mangelhaften Notenmaterial hier konnte. Ich arbeite freilich, nach New York zurückgekehrt, alle Beispiele, zu denen mir das Handmaterial hier fehlte, noch einmal durch. Es sind leider, besonders was die Bezugnahme auf die Beispiele anlangt sehr viele störende Fehler in dem Buche, die einem viel Kopfzerbrechen beim Arbeiten an dem Werke verursachen. Ich werde Ihnen später eine genaue Liste der Fehler schicken. In einem Falle fehlt sogar in der Beilage 6 das Beispiel auf das im Text Bezug genommen wird.

Sooft ich das Buch in die Hand nehme, schmerzen mich zwei Dinge daran in tiefster Seele: das eine ist die Fassung des Dankes an Hoboken, 7 von der Sie ja schon wissen, 8 und dessen sprachliche Fassung sie ihn zu dem Fremdkörper im Werke stempelt, der sie er ja tatsächlich ist.

{3} Die Ausdrücke „hochgestimmt“ – „für alle Zeiten“ verraten ja, das die Worte nicht aus dem Munde eines Autors stammen, den sein Standesbewusstsein bei dem Anlasse eines Dankes schon davon abgehalten hätte Worte des Dankes mit Äusserungen einer Selbsteinschätzung zu paaren.

Dies bringt mich nun zum Untertitel des Buches: „das erste Lehrbuch der Musik“, von dem es mir nun einfach ganz unfassbar ist, wie Schenker auf ihn je verfallen konnte. Sie werden mir wohl zugeben, dass jeder, der seiner ansichtig wird, die Sinnbetonung auf das Wort „erste“ legen wird. Somit wäre ausgesagt, dass Schenkers Harmonielehre, Kontrapunkt, Phil. Em. Bachs ‘Versuch’ (die doch auch mit Musik was zu tun haben) noch keine Lehrbücher darstellen. Abgesehen davon, dass die Titelgebung in diesem Falle der Wahrheit nicht entspricht, ist sie so verletzend, wie selbst die Wahrheit nie sein dürfte, um sich behaupten zu können. Gemeint ist wohl, dass das autokratische Schalten der Musik als Kunst in keinem Werke je so dargestellt würde: für diesen Fall ist der Titel 9 die unglücklichste und verhängnisvollste Fassung , weil mehrdeutige, sprachliche Fassung. „Ein Lehrbuch der Musik“ oder: „der Musik erstes Lehrbuch“ (gewiss alles eines als deutsch) hätten darüber schon weniger Zweifel aufkommen lassen. Aber nun:

Unter einem Lehrbuch muss nun aber jedes verstanden werden, das einen Stoff methodisch darstellt, so zwar, dass der Belehrte, nach vollständigem durchdachten Erfassten des Buches, sich des Stoffes völlig im Sinne und Geiste des Autors bedienen kann. Demzufolge sind alle sogenannte Lehrbücher der Harmonie wirkliche Lehrbucher, nur der freie Satz ist keines . {4} Denn selbst der verständnisvollste Leser des freien Satzes wird vor jedem neuen zu entziffernden MusikWerke ratlos sein, wenn es ihm auf seine Deutung ankommt, trotz der unzähligen neu eingeführten Begriffe im freien Satz, deren Kenntnis ihn noch lange nicht zu deren Handhabung befähigen muss. Die Deutung ist ein schöpferischer Prozess – und zum geheimen Mysterium des Schöpferischen kann kein Lehrbuch führen.

Deshalb ist der freie Satz weder das erste Lehrbuch – noch überhaupt ein Lehrbuch der Musik. Sie werden fragen: Ja was ist er dann? Ich antworte: eben: „der freie Satz“ der keines Untertitels bedarf, durch den sein Autor in sich dem Verdacht eines an Grössenwahn grenzenden Eigendünkels sich in den Augen des Unverständigen erniedrigt aussetzt stellt , durch den die Tatsachenwelt entstellt, und durch den das ganze Werk auf einen Punkt gerückt wird, dessen Verteidigung selbst dem überzeugtesten Schenkerianer unmöglich sein wird. —

Dies ist nicht, wie man ja leichthin annehmen könnte, lediglich: Wortklauberei. Es ist sehr tiefgehend und weitreichend, denn grade weil sich der freie Satz als ein Lehrbuch ankündigt, was er niemals sein kann, bietet er einer Kritik von vornherein die dankbarsten Angriffspunkte.

Dass der Meister einen so verhängnisvollen Irrtum an seinem kostbarsten Werke begehen konnte, gehört für mich mit zu den beklagenswertesten Tatsachen.

Mit diesem letzten Satze habe ich Ihnen schon angedeutet, wie ich den „freien Satz“ ansonsten einschätze, obgleich ich um der Wahrheit willen, die einschrän- {5} kende Bemerkung hinzufügen muss, dass man der Kostbarkeit dieses Werkes sich mehr ahnend bewusst wird, als dass man ihrer in jedem Satze und Gedankengang habhaft werden kann. Dies mag auch zum Grossteil daran liegen, dass die Sprache Hörvorgänge nicht vollkommen adäquat darstellen kann. Die Beilage ist deshalb mit ihren ans Auge und Ohr appellierenden Behelfen ein viel überzeugenderes Dokument, als der Text selbst. Als schriftstellerische Leistung ist der freie Satz unter allen Schenkers schwächstes Werk, als Hörleistung sein grösstes. Fast keiner der vielen Begriffe ist wirklich definiert, sie werden nur vor- und dargestellt, so kommt es, dass trotz der Unterabteilung in Paragraphe, das Ganze einen unpräzisen Eindruck macht, und einem das Ganze, wie Einzelne, immer wieder zu entgleiten scheint. Widersprüche im Gebrauche der Termini tragen zu dieser Trübung bei. Ich zweifle, dass das Buch aus Eigenem zu Verstehende heranbilden kann, Bekenner der Lehre. Alles was ich hier nur andeute, werde ich zunächst ganz ausgeführt, in Form objektiven Kritik daranstellen versuchen. Ein Kommentar ist sicher unvermeidlich, doch dürfte dieser sich sicher nicht in Tonart und Geistesrichtung von Jonas’ Buch 10 bewegen. Jedem, der sich dieses Buch ganz anzueignen versuchen wird, dürfte es, wie mir, nicht entgehen dass es einen zwischen den gegensätzlichen Gefühlspolen von “himmelhochjauchzend” und “zu Tode betrübt” hin und herschleift…… 11

Es ist wohl unabänderliches Gesicht Geschick , dass die ganze Wahrheit keinem {6} Sterblichen zuteil wird und der Schleier der Maja 12 ist unser unumgängliches Schicksal.

Was ich als „Freie Sätze zu Schenkers freiem Satz“ zu sagen habe, wird wohl nur zunächst an meine Schüler und die Nächst-Interessierten gerichtet sein, nicht zu einer Publikation bestimmt. Ich beabsichtige damit nicht mehr als Antworten zu erhalten, die die Leutchen zum Lesen und Durchdenken anspornen sollen. Aus einem Seminar, das ich über den freien Satz zu halten beabsichtige 13 werden mir dann die Richtlinien zu einem Kommentar offenbarer werden. —

Moni 14 ist wieder ganz wohl und seit 1½ Monaten leben wir wieder in Ruhe. Ab 1. Oktober sind wir in New York (1 W 64th). Die Zahl der Photographieen [sic] für die Schüler würde 21 betragen. 15


Mit den herzlichsten Grüssen von uns beiden
Ihr aufrichtiger
[signed:] Dr Hans Weisse

© Transcription William Drabkin, 2008

[Envelope: ]
{recto}

S. S. Berengaria

[To:] Mrs. Heinrich Schenker
Keilgasse 8
Vienna III
Austria
[received?:] September 28, 1935
answered November 8, 1935

[postmark:] || ROCKLAND | SEP [illeg] 6 P | MAINE ||

{verso}
[From:] Dr. H. Weisse, Tenants Harbor, Me. U.S.A.

[postmark:] || 3 VIENNA 40 | 28.IX.35.[illeg] | *5a* ||

[Letter: ]

Tenants Harbor September 18, 1935

Dear Mrs. Lie-Lie,

The death-mask moved me most deeply, and I thank you for sending me the photographs of it. 1 The slight, almost youthful features seemed very strange, and I will not deny that a shiver runs down my spine every time I look at them.

I believe that I can definitely say that Dr. Salzer has no knowledge of the initiative taken by me and my pupils. 2 In any event, I have said nothing to him about it.

Your idea of selling the master's surviving papers is something that I can understand; yet I hope that you will not take offence at the observation that I should like to add here. It is a different case if the manuscripts from the papers of a composer are sold. They come into the possession of foreign hands as a something complete and, where sketch-like ideas are concerned, no longer to be completed. The situation appears different with our beloved master's surviving papers: the material gathered here is entirely usable, and the question arises as to whether intellectual property may be sold. After serious reflection, it seemed to me more purposeful to sell his library, 3 but to add the unpublished musical illustrations and writings to the "Archive" 4 as a unity, not to be dispersed.

{2} You wrote, among other things, in your last letter: "It would be a pity if the surviving papers were assessed not by their value but by my needs." Now, it is unfortunately only too true that intellectual treasures cannot, in this world, be harmoniously reckoned in monetary terms. It is difficult enough to assign a value to intellect by intellectual means, but impossible to put a monetary value on them.

Yet these are surely thoughts that have already occurred to you, and I probably do not need to fear that you will regard my remarks as a tiresome meddling into things that are of no concern to me.

____________________

During the summer I have immersed myself thoroughly in Free Composition , 5 and I have studied it as thoroughly as I could, given the limited musical material here. I shall of course work again, once I am back in New York, through all the examples that I did not have to hand here. Especially with regard to the music examples, there are unfortunately many disturbing mistakes in the book, which will cause many readers to rack their brains when working through it. I shall send you a detailed list of mistakes later. In one case the supplementary volume 6 is missing the example that is referred to in the text.

Whenever I take the book in my hands, two things pain me most deeply in my soul: one of these is the formulation of thanks to Hoboken, 7 which is something you already know about, 8 and its verbal formulation marks it out as a foreign element in the book which it in fact is.

{3} The expressions "highly esteemed" and "for all times" indeed betray the fact that the words do not come from the pen of an author who would have compromised the awareness of his own importance in the formulation of an expression of gratitude by pairing words of thanks with expressions of self-esteem.

This brings me now to the subtitle of the book, "the first textbook about music," which it is simply utterly inconceivable to me that Schenker could ever have hit upon. You will surely agree with me that anyone who catches sight of it will lay the emphasis of its meaning on the word "first": in which case one would have to rule out Schenker's Theory of Harmony and Counterpoint , and C. P. E. Bach's Essay (which, indeed, also have to do with music) as belonging to the category of textbook. Apart from the fact that the title does not correspond to the truth, it is also so damaging, which is something that the truth should never be permitted to do in order to be able to assert itself. What was probably intended was that the autocratic operation of music, as an art form, had never before been explained in a written work in this way: in this case, the title 9 is a most unfortunate and disastrous verbal formulation because of its ambiguity: "a textbook of music" or "music's first textbook" (for sure that would not be proper German) would already have allowed less uncertainty to arise. But now:

Any book, if it is to qualify as a "textbook" must be understood as presenting its material methodically, in such a way that the user, having thought through and grasped its contents thoroughly, can use the material in it entirely as the author understood and conceived it. It follows that all so-called harmony textbooks are true textbooks; only Free Composition is not one . {4} For even the most understanding reader of Free Composition will be at a loss to know what to do when it comes to the explanation of a new work of music, in spite of the countless newly introduced terms in Free Composition, knowledge of which will not be nearly enough to enable him to put it into practice. Explaining music is a creative process, and no textbook can fathom the mysteries of creativity.

For this reason, Free Composition is neither the first textbook of music nor a textbook at all. You will ask: okay, then what is it? To which I answer: merely that, "Free Composition," a book that required no subtitle, by which its author abases exposes himself, in the eyes of the ignoramuses through whom the world of facts is distorted, to the suspicion of having a mysteriousness of his own that borders on megalomania, and by which the entire work hinges on a single point, the defence of which even the most convinced Schenkerian will find impossible. —

This is not, as one could easily assume, merely quibbling over words. It is very penetrating and far-reaching, for precisely because Free Composition announces itself as a textbook, which is something it can never be, it offers those who will criticize it the easiest points from which it can be attacked.

That the master can have made such a disastrous mistake in his most treasured work is something that I regard as one of the most regrettable things.

With this last sentence I have already indicated to you that I have a high regard for Free Composition , although I must, for the sake of the truth, {5} add this qualifying remark: that one is more likely to be intuitively conscious of the greatness of the work than to be able to grasp that greatness in every sentence and thought process. This may, in large part, be explained by the fact that language cannot adequately account for listening processes. The supplementary volume [of music illustrations], with its aids that appeal to the eye and the ear, is a much more convincing document than the text itself. As a literary accomplishment, Free Composition is the weakest of all Schenker's works; as an auditory accomplishment it is his greatest. Almost none of the many concepts is actually defined; they are merely introduced and illustrated; and so it comes about that, in spite of the subdivision into paragraphs, the whole makes an imprecise impression, and the whole, as well as the individual parts, seem forever to be knocking the reader off course. Contradictions in the use of technical terms contribute to this lack of clarity. I doubt that the book can, on its own, can convert intelligent people to adherents of the theory. Everything that I am merely referring to here I will, first of all, attempt to present, in a thoroughly comprehensive manner, in the form of objective criticism. A commentary is certainly indispensable, but this should surely not follow the style and argument of Jonas's book. 10 Anyone who seeks to make this book his own will, like myself, not escape being tossed and turned about between the two opposing emotional poles of "praising it to the sky" and "feeling saddened to the point of death"… 11

It is perhaps an immutable law of fate that the whole truth will be revealed to no {6} mortal being, and the Veil of Maya 12 is our inescapable destiny.

What I have to say in the way of "free sentences about Schenker's Free Composition " will probably be directed in the first instance only to my pupils and those most interested in the matter, and is not intended for publication. I intend thereby no more than to retain answers that will spur people on to read and think through. It is only as a result of a seminar that I intend to hold on Free Composition 13 that the guidelines for a commentary will become clearer.

Moni 14 is now fully recovered, and we have been living in peace for the last month and a half. From October 1, we will be in New York (1 West 64th [Street]). The number of photographs for my pupils amounts to 21. 15


With most cordial greetings from the two of us,
Your faithful
[signed:] Dr. Hans Weisse

© Translation William Drabkin, 2008

[Envelope: ]
{recto}

S. S. Berengaria

[An:] Frau Dr. Heinrich Schenker
Keilgasse 8
Wien III.
Austria
[received?:] 28. IX. 35
beantw. 8. XI. 35

[postmark:] || ROCKLAND | SEP [illeg] 6 P | MAINE ||

{verso}
[Absender:] Dr H. Weisse, Tenants Harbor, Me. U.S.A.

[postmark:] || 3 WIEN 40 | 28.IX.35.[illeg] | *5a* ||

[Letter: ]

Tenants Harbor, 18. Sept. 35.

Liebe Frau Lie-Lie,

Die Totenmaske hat mich aufs Tiefste ergriffen und ich danke Ihnen für die Übersendung der Photographien. 1 Die schmächtigen, fast jünglichshaften Züge muteten mich ganz fremd an und ich will nicht verhehlen, dass mich bei jedem neuerlichen Betrachten derselben ein Schauer überläuft.

Ich glaube mit Bestimmtheit sagen zu können, dass Dr. Salzer keine Kenntnis von der von mir und meinen Schülern unternommenen Aktion hat. 2 Jedesfalls habe ich ihm davon nichts mitgeteilt.

Ihre Absicht, des Meisters schriftlichen Nachlass zu veräussern verstehe ich, doch hoffe ich, Sie werden mir die Bemerkung nicht übel nehmen, die ich heran knüpfen möchte. Etwas Anderes ist es wenn die Manuskripte aus dem Nachlass eines Komponisten veräussert werden. Sie gelangen als ein fertiges und dort – wo es sich um skizzenhafte Ansätze handelt – nicht mehr zu vollenden in fremde Hände. Anders scheint es mir mit unseres geliebten Meisters Nachlass: Der hier angesammelte Stoff ist durchwegs verwendbar und es fragt sich, ob geistiges Eigentum verkauft werden darf? Nach reiflichem Überlegen erschien es mir zweckmässiger, seine Bibliothek zu veräussern, 3 seine nachgelassenen Skizzen und Schriften jedoch dem „Archiv“ 4 als eine nicht in Stücke aufzulösende Einheit {2} einzuverleiben.

Sie schreiben unter anderem in Ihrem letzten Briefe: „Es wäre schade, wenn der Nachlass nicht nach seinem Wert sondern nach meinen Bedürfnissen eingeschätzt würde.“ Nun, es ist ja leider nur zu wahr, dass Geistesschätze in dieser Welt mit Geldwert nicht in Einklang gebracht werden können. Es ist schon schwer Geist, geistig zu werten, unmöglich aber, ihn auf eine Ziffer abzustimmen.

Doch sind dies sicherlich Gedanken, die Sie sich selbst bereits werden gemacht haben und ich brauche wohl nicht zu befürchten, dass Sie meine Bemerkungen als eine lästige Einmischung in Dinge, die mich nichts angehn, ansehen werden.

____________________

Ich habe mich während dieses Sommers ganz in den freien Satz 5 vertieft und ihn studiert, so gründlich ich es bei meinem recht mangelhaften Notenmaterial hier konnte. Ich arbeite freilich, nach New York zurückgekehrt, alle Beispiele, zu denen mir das Handmaterial hier fehlte, noch einmal durch. Es sind leider, besonders was die Bezugnahme auf die Beispiele anlangt sehr viele störende Fehler in dem Buche, die einem viel Kopfzerbrechen beim Arbeiten an dem Werke verursachen. Ich werde Ihnen später eine genaue Liste der Fehler schicken. In einem Falle fehlt sogar in der Beilage 6 das Beispiel auf das im Text Bezug genommen wird.

Sooft ich das Buch in die Hand nehme, schmerzen mich zwei Dinge daran in tiefster Seele: das eine ist die Fassung des Dankes an Hoboken, 7 von der Sie ja schon wissen, 8 und dessen sprachliche Fassung sie ihn zu dem Fremdkörper im Werke stempelt, der sie er ja tatsächlich ist.

{3} Die Ausdrücke „hochgestimmt“ – „für alle Zeiten“ verraten ja, das die Worte nicht aus dem Munde eines Autors stammen, den sein Standesbewusstsein bei dem Anlasse eines Dankes schon davon abgehalten hätte Worte des Dankes mit Äusserungen einer Selbsteinschätzung zu paaren.

Dies bringt mich nun zum Untertitel des Buches: „das erste Lehrbuch der Musik“, von dem es mir nun einfach ganz unfassbar ist, wie Schenker auf ihn je verfallen konnte. Sie werden mir wohl zugeben, dass jeder, der seiner ansichtig wird, die Sinnbetonung auf das Wort „erste“ legen wird. Somit wäre ausgesagt, dass Schenkers Harmonielehre, Kontrapunkt, Phil. Em. Bachs ‘Versuch’ (die doch auch mit Musik was zu tun haben) noch keine Lehrbücher darstellen. Abgesehen davon, dass die Titelgebung in diesem Falle der Wahrheit nicht entspricht, ist sie so verletzend, wie selbst die Wahrheit nie sein dürfte, um sich behaupten zu können. Gemeint ist wohl, dass das autokratische Schalten der Musik als Kunst in keinem Werke je so dargestellt würde: für diesen Fall ist der Titel 9 die unglücklichste und verhängnisvollste Fassung , weil mehrdeutige, sprachliche Fassung. „Ein Lehrbuch der Musik“ oder: „der Musik erstes Lehrbuch“ (gewiss alles eines als deutsch) hätten darüber schon weniger Zweifel aufkommen lassen. Aber nun:

Unter einem Lehrbuch muss nun aber jedes verstanden werden, das einen Stoff methodisch darstellt, so zwar, dass der Belehrte, nach vollständigem durchdachten Erfassten des Buches, sich des Stoffes völlig im Sinne und Geiste des Autors bedienen kann. Demzufolge sind alle sogenannte Lehrbücher der Harmonie wirkliche Lehrbucher, nur der freie Satz ist keines . {4} Denn selbst der verständnisvollste Leser des freien Satzes wird vor jedem neuen zu entziffernden MusikWerke ratlos sein, wenn es ihm auf seine Deutung ankommt, trotz der unzähligen neu eingeführten Begriffe im freien Satz, deren Kenntnis ihn noch lange nicht zu deren Handhabung befähigen muss. Die Deutung ist ein schöpferischer Prozess – und zum geheimen Mysterium des Schöpferischen kann kein Lehrbuch führen.

Deshalb ist der freie Satz weder das erste Lehrbuch – noch überhaupt ein Lehrbuch der Musik. Sie werden fragen: Ja was ist er dann? Ich antworte: eben: „der freie Satz“ der keines Untertitels bedarf, durch den sein Autor in sich dem Verdacht eines an Grössenwahn grenzenden Eigendünkels sich in den Augen des Unverständigen erniedrigt aussetzt stellt , durch den die Tatsachenwelt entstellt, und durch den das ganze Werk auf einen Punkt gerückt wird, dessen Verteidigung selbst dem überzeugtesten Schenkerianer unmöglich sein wird. —

Dies ist nicht, wie man ja leichthin annehmen könnte, lediglich: Wortklauberei. Es ist sehr tiefgehend und weitreichend, denn grade weil sich der freie Satz als ein Lehrbuch ankündigt, was er niemals sein kann, bietet er einer Kritik von vornherein die dankbarsten Angriffspunkte.

Dass der Meister einen so verhängnisvollen Irrtum an seinem kostbarsten Werke begehen konnte, gehört für mich mit zu den beklagenswertesten Tatsachen.

Mit diesem letzten Satze habe ich Ihnen schon angedeutet, wie ich den „freien Satz“ ansonsten einschätze, obgleich ich um der Wahrheit willen, die einschrän- {5} kende Bemerkung hinzufügen muss, dass man der Kostbarkeit dieses Werkes sich mehr ahnend bewusst wird, als dass man ihrer in jedem Satze und Gedankengang habhaft werden kann. Dies mag auch zum Grossteil daran liegen, dass die Sprache Hörvorgänge nicht vollkommen adäquat darstellen kann. Die Beilage ist deshalb mit ihren ans Auge und Ohr appellierenden Behelfen ein viel überzeugenderes Dokument, als der Text selbst. Als schriftstellerische Leistung ist der freie Satz unter allen Schenkers schwächstes Werk, als Hörleistung sein grösstes. Fast keiner der vielen Begriffe ist wirklich definiert, sie werden nur vor- und dargestellt, so kommt es, dass trotz der Unterabteilung in Paragraphe, das Ganze einen unpräzisen Eindruck macht, und einem das Ganze, wie Einzelne, immer wieder zu entgleiten scheint. Widersprüche im Gebrauche der Termini tragen zu dieser Trübung bei. Ich zweifle, dass das Buch aus Eigenem zu Verstehende heranbilden kann, Bekenner der Lehre. Alles was ich hier nur andeute, werde ich zunächst ganz ausgeführt, in Form objektiven Kritik daranstellen versuchen. Ein Kommentar ist sicher unvermeidlich, doch dürfte dieser sich sicher nicht in Tonart und Geistesrichtung von Jonas’ Buch 10 bewegen. Jedem, der sich dieses Buch ganz anzueignen versuchen wird, dürfte es, wie mir, nicht entgehen dass es einen zwischen den gegensätzlichen Gefühlspolen von “himmelhochjauchzend” und “zu Tode betrübt” hin und herschleift…… 11

Es ist wohl unabänderliches Gesicht Geschick , dass die ganze Wahrheit keinem {6} Sterblichen zuteil wird und der Schleier der Maja 12 ist unser unumgängliches Schicksal.

Was ich als „Freie Sätze zu Schenkers freiem Satz“ zu sagen habe, wird wohl nur zunächst an meine Schüler und die Nächst-Interessierten gerichtet sein, nicht zu einer Publikation bestimmt. Ich beabsichtige damit nicht mehr als Antworten zu erhalten, die die Leutchen zum Lesen und Durchdenken anspornen sollen. Aus einem Seminar, das ich über den freien Satz zu halten beabsichtige 13 werden mir dann die Richtlinien zu einem Kommentar offenbarer werden. —

Moni 14 ist wieder ganz wohl und seit 1½ Monaten leben wir wieder in Ruhe. Ab 1. Oktober sind wir in New York (1 W 64th). Die Zahl der Photographieen [sic] für die Schüler würde 21 betragen. 15


Mit den herzlichsten Grüssen von uns beiden
Ihr aufrichtiger
[signed:] Dr Hans Weisse

© Transcription William Drabkin, 2008

[Envelope: ]
{recto}

S. S. Berengaria

[To:] Mrs. Heinrich Schenker
Keilgasse 8
Vienna III
Austria
[received?:] September 28, 1935
answered November 8, 1935

[postmark:] || ROCKLAND | SEP [illeg] 6 P | MAINE ||

{verso}
[From:] Dr. H. Weisse, Tenants Harbor, Me. U.S.A.

[postmark:] || 3 VIENNA 40 | 28.IX.35.[illeg] | *5a* ||

[Letter: ]

Tenants Harbor September 18, 1935

Dear Mrs. Lie-Lie,

The death-mask moved me most deeply, and I thank you for sending me the photographs of it. 1 The slight, almost youthful features seemed very strange, and I will not deny that a shiver runs down my spine every time I look at them.

I believe that I can definitely say that Dr. Salzer has no knowledge of the initiative taken by me and my pupils. 2 In any event, I have said nothing to him about it.

Your idea of selling the master's surviving papers is something that I can understand; yet I hope that you will not take offence at the observation that I should like to add here. It is a different case if the manuscripts from the papers of a composer are sold. They come into the possession of foreign hands as a something complete and, where sketch-like ideas are concerned, no longer to be completed. The situation appears different with our beloved master's surviving papers: the material gathered here is entirely usable, and the question arises as to whether intellectual property may be sold. After serious reflection, it seemed to me more purposeful to sell his library, 3 but to add the unpublished musical illustrations and writings to the "Archive" 4 as a unity, not to be dispersed.

{2} You wrote, among other things, in your last letter: "It would be a pity if the surviving papers were assessed not by their value but by my needs." Now, it is unfortunately only too true that intellectual treasures cannot, in this world, be harmoniously reckoned in monetary terms. It is difficult enough to assign a value to intellect by intellectual means, but impossible to put a monetary value on them.

Yet these are surely thoughts that have already occurred to you, and I probably do not need to fear that you will regard my remarks as a tiresome meddling into things that are of no concern to me.

____________________

During the summer I have immersed myself thoroughly in Free Composition , 5 and I have studied it as thoroughly as I could, given the limited musical material here. I shall of course work again, once I am back in New York, through all the examples that I did not have to hand here. Especially with regard to the music examples, there are unfortunately many disturbing mistakes in the book, which will cause many readers to rack their brains when working through it. I shall send you a detailed list of mistakes later. In one case the supplementary volume 6 is missing the example that is referred to in the text.

Whenever I take the book in my hands, two things pain me most deeply in my soul: one of these is the formulation of thanks to Hoboken, 7 which is something you already know about, 8 and its verbal formulation marks it out as a foreign element in the book which it in fact is.

{3} The expressions "highly esteemed" and "for all times" indeed betray the fact that the words do not come from the pen of an author who would have compromised the awareness of his own importance in the formulation of an expression of gratitude by pairing words of thanks with expressions of self-esteem.

This brings me now to the subtitle of the book, "the first textbook about music," which it is simply utterly inconceivable to me that Schenker could ever have hit upon. You will surely agree with me that anyone who catches sight of it will lay the emphasis of its meaning on the word "first": in which case one would have to rule out Schenker's Theory of Harmony and Counterpoint , and C. P. E. Bach's Essay (which, indeed, also have to do with music) as belonging to the category of textbook. Apart from the fact that the title does not correspond to the truth, it is also so damaging, which is something that the truth should never be permitted to do in order to be able to assert itself. What was probably intended was that the autocratic operation of music, as an art form, had never before been explained in a written work in this way: in this case, the title 9 is a most unfortunate and disastrous verbal formulation because of its ambiguity: "a textbook of music" or "music's first textbook" (for sure that would not be proper German) would already have allowed less uncertainty to arise. But now:

Any book, if it is to qualify as a "textbook" must be understood as presenting its material methodically, in such a way that the user, having thought through and grasped its contents thoroughly, can use the material in it entirely as the author understood and conceived it. It follows that all so-called harmony textbooks are true textbooks; only Free Composition is not one . {4} For even the most understanding reader of Free Composition will be at a loss to know what to do when it comes to the explanation of a new work of music, in spite of the countless newly introduced terms in Free Composition, knowledge of which will not be nearly enough to enable him to put it into practice. Explaining music is a creative process, and no textbook can fathom the mysteries of creativity.

For this reason, Free Composition is neither the first textbook of music nor a textbook at all. You will ask: okay, then what is it? To which I answer: merely that, "Free Composition," a book that required no subtitle, by which its author abases exposes himself, in the eyes of the ignoramuses through whom the world of facts is distorted, to the suspicion of having a mysteriousness of his own that borders on megalomania, and by which the entire work hinges on a single point, the defence of which even the most convinced Schenkerian will find impossible. —

This is not, as one could easily assume, merely quibbling over words. It is very penetrating and far-reaching, for precisely because Free Composition announces itself as a textbook, which is something it can never be, it offers those who will criticize it the easiest points from which it can be attacked.

That the master can have made such a disastrous mistake in his most treasured work is something that I regard as one of the most regrettable things.

With this last sentence I have already indicated to you that I have a high regard for Free Composition , although I must, for the sake of the truth, {5} add this qualifying remark: that one is more likely to be intuitively conscious of the greatness of the work than to be able to grasp that greatness in every sentence and thought process. This may, in large part, be explained by the fact that language cannot adequately account for listening processes. The supplementary volume [of music illustrations], with its aids that appeal to the eye and the ear, is a much more convincing document than the text itself. As a literary accomplishment, Free Composition is the weakest of all Schenker's works; as an auditory accomplishment it is his greatest. Almost none of the many concepts is actually defined; they are merely introduced and illustrated; and so it comes about that, in spite of the subdivision into paragraphs, the whole makes an imprecise impression, and the whole, as well as the individual parts, seem forever to be knocking the reader off course. Contradictions in the use of technical terms contribute to this lack of clarity. I doubt that the book can, on its own, can convert intelligent people to adherents of the theory. Everything that I am merely referring to here I will, first of all, attempt to present, in a thoroughly comprehensive manner, in the form of objective criticism. A commentary is certainly indispensable, but this should surely not follow the style and argument of Jonas's book. 10 Anyone who seeks to make this book his own will, like myself, not escape being tossed and turned about between the two opposing emotional poles of "praising it to the sky" and "feeling saddened to the point of death"… 11

It is perhaps an immutable law of fate that the whole truth will be revealed to no {6} mortal being, and the Veil of Maya 12 is our inescapable destiny.

What I have to say in the way of "free sentences about Schenker's Free Composition " will probably be directed in the first instance only to my pupils and those most interested in the matter, and is not intended for publication. I intend thereby no more than to retain answers that will spur people on to read and think through. It is only as a result of a seminar that I intend to hold on Free Composition 13 that the guidelines for a commentary will become clearer.

Moni 14 is now fully recovered, and we have been living in peace for the last month and a half. From October 1, we will be in New York (1 West 64th [Street]). The number of photographs for my pupils amounts to 21. 15


With most cordial greetings from the two of us,
Your faithful
[signed:] Dr. Hans Weisse

© Translation William Drabkin, 2008

Footnotes

1 See OJ 15/16, [99], July 14, 1935, for information about these. The present letter is Weisse's reply to Jeanette's letter of August 10, 1935 (as annotated on the envelope of OJ 15/16, [99]). Her letter is not known to survive, but its contents are quoted and referred to herein.

2 Weisse's initiative to collect a small sum of money from each of his pupils as financial support for Jeanette Schenker following the death of her husband; this was to make up for the failure of Schenker's publishers to provide an annuity for her. The workings are spelled out in OJ 15/16, [98], May 26, 1935.

3 Schenker’s "library," i.e. his printed books, were indeed auctioned after his death: see Katalog XII: Musik und Theater enthaltend die Bibliothek des Herrn Dr. Henrich Schenker, Wien (Vienna: Antiquariat Heinrich Hinterberger, [1936]). Most of the musical scores, which contained numerous annotations, were kept with his private papers, as were copies of his writings that contained annotations. Most of these are in the Ernst Oster collection, in the Music Division of the New York Public Library.

4 Probably the Photogrammarchiv Musikalischer Meisterhandschriften established by Schenker and Anthony van Hoboken in 1927 in the Austrian National Library.

5 The first print-run of 505 copies of Der freie Satz, the last volume of the Neue musikalische Theorien und Phantasien, was published on May 25, 1935, four months after Schenker's death. Weisse acknowledged the receipt of a copy in his letter to Jeanette of July 14 (OJ 15/16, [99]).

6 The 128-page volume containing 158 groups of music examples which, for practical reasons, appeared separately, as a companion volume to the text.

7 The relevant paragraph, which was cut from Jonas's 1956 revised edition of Der freie Satz, reads: "Daß ein so hoch gestimmtes Werk in dieser entgötterten Zeit seinen Weg in die Welt überhaupt hat antreten können, dankt der Autor und mit ihm die ganze musik-interessierte Welt dem großzügigen Mäzenatenakt eines begeisterten Musikers, eines treuen überzeugten Bekenners und Freundes der neuen Lehre. Sein Name, Antony van Hoboken, ist für alle Zeiten unzertrennbar mit diesem Werk verknüpft, und der Liebhaber, für den schon Ph. E. Bach seinen ‛Versuch’ geschrieben, feiert in ihm seine Auferstehung."
("That a work as idealistic as this could have made its way into the world at all, in these godless times is something for which the author, and indeed anyone who is interested in music, is grateful to the generous act of patronage on the part of an inspired musician, a true and convinced disciple and friend of the new theory. His name, Anthony van Hoboken, will be forever inseparably connected with this work; and the music lover, for whom Philipp Emanual Bach once wrote his Essay, will celebrate his resurrection in that man.")

8 In his previous letter (OJ 15/16, [99], July 14, 1935), Weisse had expressed misgivings about the wording of the acknowledgements and the omission of the name of Paul Khuner.

9 i.e. the subtitle of the work.

10 Das Wesen des musikalischen Kunstwerkes: Einführung in die Lehre Heinrich Schenkers (Vienna: Saturn-Verlag, 1934).

11 "Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt" (lit. "Rejoicing to heaven, grieving to death", or "On top of the world, or in the depths of despair"): a line from Klärchen's song "Freudvoll und leidvoll," in Act III of Goethe's play Egmont. The phrase has often been used proverbially as a description of the Romantic soul.

12 A concept of Hindu philosophy. To "pierce the veil" of Maya is to gain a glimpse of transcendent truth.

13 A "seminar on Schenker’s 'Der freie Satz'" is, indeed, announced in the Mannes College prospectus, but not until the academic year 1937/38; see David Carson Berry, "Hans Weisse and the Dawn of American Schenkerism," Journal of Musicology 20 (2003), 104–56.

14 Previous letters speak of a persistent inflammation of the ear, which required several operations.

15 The pupils who contributed to an annuity fund for Jeanette in May 1935 were each to receive, as a token of thanks, a photograph of her late husband.

Commentary

Format
6p letter: holograph salutation, message, valediction, and signature; envelope: holograph ship name, recipient address, annotations by Jeanette Schenker, recto; holograph sender address verso
Provenance
Schenker, Heinrich (document date-1935)--Schenker, Jeanette (1935-c.1942)--Ratz, Erwin (c.1942-c.1945)--Jonas, Oswald (c.1945-1978)--University of California, Riverside (1978--)
Rights Holder
Heirs of Hans Weisse, reproduced with kind permission
License
Permission to publish granted on March 10, 2008 by the heirs of Hans Weisse. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Documents Online, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence[at]mus(dot)cam(dot)ac(dot)uk

Digital version created: 2019-01-08
Last updated: 2013-10-01