Dr. OSWALD JONAS
15. April 34

Sehr verehrter Herr Doktor! 1

Nun will ich Ihnen vor allem für Ihren gütigen Brief und die Karten 2 danken. Inzwischen habe ich von dem Verleger einen Brief bekommen, daß Hob. doch erhöht 3 hat unter der Bedingung, daß der Preis der gleiche bleibt. Nun[,] über die Begleitumstände schreibe ich Ihnen noch, da ich selbst Hob geschrieben habe, worauf er noch nicht geantwortet hat. (Bitte daher vorläufige Diskretion.) Sie haben bis jetzt schon so viel von dem Buch gehört, daß ich fast fürchte, es könnte dann Ihren Erwartungen nicht entsprechen. Zu vielem war leider der Raum zu gedrängt – auch mußte viel Raum den ersten Grunddingen gewidmet werden.

Furtw. 4 sprach ich noch Mittwoch im Konzert. Er erzählte mir, daß in Wien seine Zeit zu knapp für einen Besuch war, und versprach mir, den Brief für das Buch zu schreiben. Nur ist {2} er jetzt auf vierwöchentlicher Konzertreise; ich habe zwar die Absicht, das Buch sofort nach Erscheinen ihm mit der wiederholten Bitte nachzusenden, eine Verzögerung wird es aber doch dadurch erleiden. Denn für hiesige Biblioth. und Lehranstalten ist ein Begleitschreiben gerade von ihm unbedingt notwendig. Wissen Sie vielleicht die Adresse von Dr Weisse? Er hat seinerzeit 7 Exempl. bestellt, weitere Bestellungen in Aussicht gestellt, hat aber keinen ausgefüllten Bestellschein eingesandt, noch sonst etwas. Eine Bestellung von Goos, 5 Neumünster. Ich glaube, daß diese Adresse von Ihnen stammt. Was für eine Bewandtnis hat es mit diesen Leuten – vielleicht könnte ich mich mit ihnen in Verbindung setzen; Neumünster ist ja eine knappe Stunde von Hamburg.

Nun möchte ich Ihnen aber einen neuen Plan vorlegen, den ich gefaßt habe. Hat das Buch nur einigermaßen Erfolg, so wäre {3} der Verlag leicht dazu zu gewinnen, zumal es sich um eine Sache handelt, die endlich auch weiteste Kreise interessieren und erfassen könnte. Eine Reihe von Einführungen – zunächst 8‒10 Hefte – in Klavierwerke (zunächst), die dann von Monat zu Monat fortgesetzt werden und mit der Zeit die häufigst gespielten Werke der Lit. umfassen könnte. Jedem Heft (oder mindestens am Anfang) vorne eine kurzgefaßte „allgemeine“ Einführung und Erläuterung, mit Erklärung der Termini. Die Darstellung möglichst einfach, sehr auf das Praktische gerichtet, mit Vortragsanweisungen etc. Kein Heft stärker als 2‒3 Bogen, Notenbeispiele auf Tafeln (zur Verbilligung) und sehr geringer Preis. Ich glaube bestimmt, daß ein Großtel der klavierspielenden Welt danach greifen würde, das Verlangen nach ähnlichem ist indes bestimmt vorhanden. An der Herausgabe könnten sich mehrere beteiligen – es wäre wieder ein schönes Zusammenarbeiten des Kreises (in der Öffentlichkeit)[.] Hier ist es Usus, daß die Musikalienhändlern den bekannteren Leuten, 6 die Neuer- {4} scheinungen ins Haus zur Ansicht senden – ich glaube, daß da große Möglichkeiten für so etwas wären. Ich denke in einem Heft entweder ein größeres Werke oder 2 kleinere Sonaten oder mehrere Klavierstücke oder ein Konzert (besonders wichtig). Ich stelle mir jedenfalls bereits einiges zusammen. Erscheinen müßte es unbedingt Oktober. Ich glaube, daß das Risiko so gering dabei wäre, daß nicht einmal eine besondere Finanzierung möglich [recte nötig] wäre. Ein teures Buch kaufen sich die Leute nun einmal nicht – können es oft auch wirklich nicht, aber ein Heft zu ‒.60 eher, wenn der Inhalt sie reizt. Es wäre das aber gleichzeitig das beste Werbemittel auch für die größeren Werke. Ich bin neugierig, Ihre Ansicht darüber zu hören. Ich habe bis jetzt noch niemand davon Mitteilung gemacht.


Für heute verbleibe ich mit allerergebensten Grüßen
an Ihr werte Frau Gemahlin und Sie
stets Ihr
[signed:] Oswald Jonas

© Transcription John Rothgeb & Heribert Esser, 2006, 2011


Dr. OSWALD JONAS
April 15, 1934

Greatly revered Dr. [Schenker], 1

Let me thank you first for your kind letter and the cards. 2 In the meantime I have received a letter from the publisher to the effect that Hoboken has offered more support 3 on the condition that the price remain the same. Well, I shall write you now about the attendant circumstances, as I have written Hoboken himself, which letter he has not yet answered. (Thus: discretion for the time being, please.) You have thus far heard so much about the book that I almost fear that it might not meet your expectations. For many things the available space was unfortunately too limited ‒ and much space had to be devoted to the first foundational matters.

I spoke to Furtwangler 4 again on Wednesday at the concert. He told me that his time in Vienna has been too short for a visit, and promised me to write the letter for the book. {2} But now he is on a four-week concert tour; it is my intention, however, to forward the book to him immediately on publication, with the repeated request [for the letter], although this will cause a delay. Because for local libraries and academies a cover-letter from him personally will be absolutely necessary. Do you perhaps know the address of Dr. Weisse? He ordered seven copies earlier, and held out the prospect of additional orders, but has not sent in any filled-out order form or anything else. An order [arrived] from Goos, 5 Neumünster. I believe that this address stems from you. What is the situation with these people ‒ I could perhaps get in touch with them; Neumünster is barely an hour from Hamburg.

Now I would like to put before you a new plan that I have conceived. If the book has any success at all, it would be easy to recruit {3} the publisher for this idea, especially as it is a matter which could interest and appeal to a broader circle. A series of critical introductions ‒ at least eight-to-ten volumes ‒ on piano works (at first), which are then continued from month to month and over time could encompass the most often performed works of the literature. Each volume to begin (or at least at the outset) with a concise "general" introduction and elucidation, with explanation of terms. The presentation as simple as possible, very much oriented toward the practical, with performance instructions etc. No volume thicker than two-to-three fascicles, musical examples on plates (for reasons of economy) and at a very reasonable price. I definitely believe that a majority of the piano-playing public would buy it ‒ there is certainly a demand for something of the sort. Several could participate in the editing ‒ it would be a happy collaboration for the circle (in the public realm). The custom here is for music dealers to send {4} new publications to the homes of more well-known people on approval ‒ I believe that there would be many possibilities for such a thing. I think, in a given volume either a larger work or two smaller sonatas, or several piano pieces or a concerto (especially important). In any case I am already assembling a few things. It would absolutely have to come out in October. I believe that the risk in such a venture would be so small, that not even a special underwriting would be possible [recte necessary] . People often don't buy an expensive book ‒ often can’t buy one ‒ but are more likely to buy one for ‒.60 if the content appeals to them. This would at the same time be the best publicity for the larger works as well. I am curious to hear your opinion on this. I have thus far communicated this to nobody.


For today I remain, with most highly respectful greetings
to your dear wife and you
Ever your
[signed:] Oswald Jonas

© Translation John Rothgeb & Heribert Esser, 2006, 2011


Dr. OSWALD JONAS
15. April 34

Sehr verehrter Herr Doktor! 1

Nun will ich Ihnen vor allem für Ihren gütigen Brief und die Karten 2 danken. Inzwischen habe ich von dem Verleger einen Brief bekommen, daß Hob. doch erhöht 3 hat unter der Bedingung, daß der Preis der gleiche bleibt. Nun[,] über die Begleitumstände schreibe ich Ihnen noch, da ich selbst Hob geschrieben habe, worauf er noch nicht geantwortet hat. (Bitte daher vorläufige Diskretion.) Sie haben bis jetzt schon so viel von dem Buch gehört, daß ich fast fürchte, es könnte dann Ihren Erwartungen nicht entsprechen. Zu vielem war leider der Raum zu gedrängt – auch mußte viel Raum den ersten Grunddingen gewidmet werden.

Furtw. 4 sprach ich noch Mittwoch im Konzert. Er erzählte mir, daß in Wien seine Zeit zu knapp für einen Besuch war, und versprach mir, den Brief für das Buch zu schreiben. Nur ist {2} er jetzt auf vierwöchentlicher Konzertreise; ich habe zwar die Absicht, das Buch sofort nach Erscheinen ihm mit der wiederholten Bitte nachzusenden, eine Verzögerung wird es aber doch dadurch erleiden. Denn für hiesige Biblioth. und Lehranstalten ist ein Begleitschreiben gerade von ihm unbedingt notwendig. Wissen Sie vielleicht die Adresse von Dr Weisse? Er hat seinerzeit 7 Exempl. bestellt, weitere Bestellungen in Aussicht gestellt, hat aber keinen ausgefüllten Bestellschein eingesandt, noch sonst etwas. Eine Bestellung von Goos, 5 Neumünster. Ich glaube, daß diese Adresse von Ihnen stammt. Was für eine Bewandtnis hat es mit diesen Leuten – vielleicht könnte ich mich mit ihnen in Verbindung setzen; Neumünster ist ja eine knappe Stunde von Hamburg.

Nun möchte ich Ihnen aber einen neuen Plan vorlegen, den ich gefaßt habe. Hat das Buch nur einigermaßen Erfolg, so wäre {3} der Verlag leicht dazu zu gewinnen, zumal es sich um eine Sache handelt, die endlich auch weiteste Kreise interessieren und erfassen könnte. Eine Reihe von Einführungen – zunächst 8‒10 Hefte – in Klavierwerke (zunächst), die dann von Monat zu Monat fortgesetzt werden und mit der Zeit die häufigst gespielten Werke der Lit. umfassen könnte. Jedem Heft (oder mindestens am Anfang) vorne eine kurzgefaßte „allgemeine“ Einführung und Erläuterung, mit Erklärung der Termini. Die Darstellung möglichst einfach, sehr auf das Praktische gerichtet, mit Vortragsanweisungen etc. Kein Heft stärker als 2‒3 Bogen, Notenbeispiele auf Tafeln (zur Verbilligung) und sehr geringer Preis. Ich glaube bestimmt, daß ein Großtel der klavierspielenden Welt danach greifen würde, das Verlangen nach ähnlichem ist indes bestimmt vorhanden. An der Herausgabe könnten sich mehrere beteiligen – es wäre wieder ein schönes Zusammenarbeiten des Kreises (in der Öffentlichkeit)[.] Hier ist es Usus, daß die Musikalienhändlern den bekannteren Leuten, 6 die Neuer- {4} scheinungen ins Haus zur Ansicht senden – ich glaube, daß da große Möglichkeiten für so etwas wären. Ich denke in einem Heft entweder ein größeres Werke oder 2 kleinere Sonaten oder mehrere Klavierstücke oder ein Konzert (besonders wichtig). Ich stelle mir jedenfalls bereits einiges zusammen. Erscheinen müßte es unbedingt Oktober. Ich glaube, daß das Risiko so gering dabei wäre, daß nicht einmal eine besondere Finanzierung möglich [recte nötig] wäre. Ein teures Buch kaufen sich die Leute nun einmal nicht – können es oft auch wirklich nicht, aber ein Heft zu ‒.60 eher, wenn der Inhalt sie reizt. Es wäre das aber gleichzeitig das beste Werbemittel auch für die größeren Werke. Ich bin neugierig, Ihre Ansicht darüber zu hören. Ich habe bis jetzt noch niemand davon Mitteilung gemacht.


Für heute verbleibe ich mit allerergebensten Grüßen
an Ihr werte Frau Gemahlin und Sie
stets Ihr
[signed:] Oswald Jonas

© Transcription John Rothgeb & Heribert Esser, 2006, 2011


Dr. OSWALD JONAS
April 15, 1934

Greatly revered Dr. [Schenker], 1

Let me thank you first for your kind letter and the cards. 2 In the meantime I have received a letter from the publisher to the effect that Hoboken has offered more support 3 on the condition that the price remain the same. Well, I shall write you now about the attendant circumstances, as I have written Hoboken himself, which letter he has not yet answered. (Thus: discretion for the time being, please.) You have thus far heard so much about the book that I almost fear that it might not meet your expectations. For many things the available space was unfortunately too limited ‒ and much space had to be devoted to the first foundational matters.

I spoke to Furtwangler 4 again on Wednesday at the concert. He told me that his time in Vienna has been too short for a visit, and promised me to write the letter for the book. {2} But now he is on a four-week concert tour; it is my intention, however, to forward the book to him immediately on publication, with the repeated request [for the letter], although this will cause a delay. Because for local libraries and academies a cover-letter from him personally will be absolutely necessary. Do you perhaps know the address of Dr. Weisse? He ordered seven copies earlier, and held out the prospect of additional orders, but has not sent in any filled-out order form or anything else. An order [arrived] from Goos, 5 Neumünster. I believe that this address stems from you. What is the situation with these people ‒ I could perhaps get in touch with them; Neumünster is barely an hour from Hamburg.

Now I would like to put before you a new plan that I have conceived. If the book has any success at all, it would be easy to recruit {3} the publisher for this idea, especially as it is a matter which could interest and appeal to a broader circle. A series of critical introductions ‒ at least eight-to-ten volumes ‒ on piano works (at first), which are then continued from month to month and over time could encompass the most often performed works of the literature. Each volume to begin (or at least at the outset) with a concise "general" introduction and elucidation, with explanation of terms. The presentation as simple as possible, very much oriented toward the practical, with performance instructions etc. No volume thicker than two-to-three fascicles, musical examples on plates (for reasons of economy) and at a very reasonable price. I definitely believe that a majority of the piano-playing public would buy it ‒ there is certainly a demand for something of the sort. Several could participate in the editing ‒ it would be a happy collaboration for the circle (in the public realm). The custom here is for music dealers to send {4} new publications to the homes of more well-known people on approval ‒ I believe that there would be many possibilities for such a thing. I think, in a given volume either a larger work or two smaller sonatas, or several piano pieces or a concerto (especially important). In any case I am already assembling a few things. It would absolutely have to come out in October. I believe that the risk in such a venture would be so small, that not even a special underwriting would be possible [recte necessary] . People often don't buy an expensive book ‒ often can’t buy one ‒ but are more likely to buy one for ‒.60 if the content appeals to them. This would at the same time be the best publicity for the larger works as well. I am curious to hear your opinion on this. I have thus far communicated this to nobody.


For today I remain, with most highly respectful greetings
to your dear wife and you
Ever your
[signed:] Oswald Jonas

© Translation John Rothgeb & Heribert Esser, 2006, 2011

Footnotes

1 Receipt of this letter is recorded in Schenker's diary at OJ 4/7, p. 3905, April 16, 1934: "Von Jonas (Br.): Pläne – Fragen wegen einer Neuerscheinung. v. H. erhöht seinen Beitrag, Furtwängler sagt eine Einführung zu." ("From Jonas (letter): plans – questions regarding a new edition. Hoboken raises his contribution [to the publication costs], Furtwängler agrees to write an introduction.").

2 OJ 5/18, 38, April 7; OJ 5/18, 39, April 10; OJ 5/18, 40, April 11, 1934.

3 i.e., has increased his financial support for Jonas's Das Wesen des musikalischen Kunstwerks: Eine Einführung in die Lehre Heinrich Schenkers (Vienna: Saturn Verlag, 1934).

4 Underscoring by the recipient, in magenta pencil.

5 See also OJ 5/18, 41, April 23, 1934; Goos was a pupil of Reinhard Oppel; in July 1933, Schenker had written to Oppel on July 23, 1933, asking whether he might write to Goos (see Oppel's reply, postcard July 28, 1933). Already on April 27, 1933, Oppel had reported to Schenker that Goos himself teaches Schenker's theory, and that he had assembled a "Schenker week" for presentation on the radio. In other correspondence Oppel commented that it was important to keep from Goos the fact that Schenker was Jewish.

6 The comma here is superfluous, a writing oversight.

Commentary

Format
4-p letter, Bogen format, printed letterhead, holograph salutation, message, valediction and signature
Provenance
Schenker, Heinrich (document date-1935)--Schenker, Jeanette (1935-c.1942)--Ratz, Erwin (c.1942-c.1955)--Jonas, Oswald (c.1955-1978)--University of California, Riverside (1978--)
Provenance
Schenker, Heinrich (document date-1935)--Schenker, Jeanette (1935-c.1942)--Ratz, Erwin (c.1942-c.1955)--Jonas, Oswald (c.1955-1978)--University of California, Riverside (1978--)
Rights Holder
Heirs of Oswald Jonas, published by kind permission
License
Permission to publish granted by the heirs of Oswald Jonas October 20, 1913

Digital version created: 2015-11-16