Rom
via Sardegna 79
23.8.23


Lieber Meister! 1

Herzlichsten Dank für Ihre Nachricht. 2 Tonwille 4 habe ich erhalten. Sollte ich Ihnen noch nicht daraufhin geschrieben haben, was ich aber jedenfalls so stark gewollt habe, dass es mir Tatsache geworden ist, so ist daran nur schuld, dass wir in den Tagen, als das Heft ankam, für mehere Wochen in die – in Rom gelegene Villa eines befreundsten Italieners als Hausbewahrer zogen, wo wir auch jetzt noch und zwar voraussichtlich bis Ende September hausen werden. Hierdurch ist uns auch die ganz ausserordentliche Hitze dieses Sommers erträglich geworden, wie ich ja überhaupt lieber in Italien schwitze als in dem schwarzrotgoldenen Deutschland friere. — Sie müssen entschuldigen, wenn ich Ihnen ganz offen schreibe, dass ich T.W. 4 nur erst durchgesehen, die Erläuterungen 3 aber noch nicht eigentlich studiert habe; dies habe ich mir für die Rückkehr in die alte Wohnung aufgepasst, die zwar in diesem Winter sehr beschränkt sein wird, die aber doch das weitere Durchhalten einzig und allein ermöglicht. 4

Die Arbeit am „Haydn“, nach der Sie sich so freundlich erkundigen, habe ich seit einigen Monaten schon vollständig aufgegeben, da sie pekuniär nicht durchzuführen ist. Für die Fertigstellung der „Musik des Südens“ habe ich ca. 5000 Lire Schulden machen müssen, die ich durch den Absatz des Subskriptionsexemplars wieder einzubringen hoffte. Bisher sind diese aber noch nicht fertig gebunden und die Zahl {2} der Zeichnungen ist noch zu geringfügig. Wollte ich nun den Haydn zu Ende führen — woran dem Verleger des sicheren Geschäftes wegen viel mehr liegt als an 100 Musiken des Südens, — so müsste sich Erwerbsarbeiten, die ich jetzt mache, aufgeben und neue Schulden dafür machen. Ich sehe nun aber garnicht ein, weshalb ich für das gute Geschäft des Verlegers noch zuzahlen soll. Vor wenigen Tagen habe ich ihm dementsprechend geschrieben; soll er mir ein auständiges Honorar in Lire zahlen! Der Verlag beschäftigt ausser den verschiedenen Direktoren 8 Prokuristen, da kommt es also auf das Geld nicht an. Meine Erklärung, dass ich die Arbeit am Haydn solange liegen lassen müsste, bis ich die nötigen Gelder dafür in der Hand hätte, wird ihn allerdings gerade bei mir aus allen Wolken fallen lassen. Möge er sich das Genick dabei brechen!

Der Leipziger Kongress für Musikwissenschaft 5 wird zwar an sich bei der zum Teil geradezu idiotischen Geistesbeschaffenheit dieser Musikwissenschaftler trübsinnig und zwecklos verlaufen. Ihr Erscheinen würde ganz ungeheuer „aus dem Rahmen fallen.“ Denken Sie doch nur, dass Kreaturen wie der Berliner Schünemann oder der Münchener Sandberger dort wahrscheinlich tonangebend und geistbestimmend sind. Zudem spielt dort in der Kritik Dr. Heuss, der Leiter der Zeitschrift für Musik (der armen Schumann’schen), eine wesentliche Rolle, derselbe, der mir, als ich ihm vor längerer Zeit einmal einen Aufsatz über Sie einsandte, ablehnend antwortete, „er sei wesentlich anderer Meinung über Schenker.“ — Trotzdem ist es vielleicht (!!) ratsam, doch {3} hinzugehen, um überhaupt einen positiven Wert in die Versammlung zu bringen. Somit möchte ich Vrieslander recht geben. Sicherlich aber können Sie die Lage dort besser beurteilen, als ich, dem ein Leipziger musikwissenschaftlicher Kongress wie ein Ereignis auf einem anderen Stern erscheint. 6

Dann und wann erreicht mich eine deutsche Zeitung (italienische lese ich noch seltener) und ich bin erstaunt, was man in Deutschland für „Fortschritte“ macht, lese mit Genugtuung, wie die neuen musikalischen Genies in Scharen mit atonalen Eselsohren heranwachsen, staune darüber, dass Deutschland seine jetztige „Verfassung“ (in jedem Sinn des Wortes) auch noch grossartig feiert und sehe, dass es den Lumpen und Verbrechern unter der Führung der Minister immer noch gut geht. Erzberger’s, Rathenaus, Liebknechts, Scheidemanns und Wirths Saat blüht, Stresemann ist überzeugter Republikaner geworden, die Kriegsteilnehmer schmachten in den Gefängnissen und das Gesindel triumphiert auf der ganzen Linie. Als die ersten Anzeichen eines energischen Widerstandes an der Ruhr 7 hier bekannt worden, war das ital. Volk begeistert; denn der Franzosenhass ist im dauernden Zunehmen begriffen. Dann sah man hier mit Staunen, wie die Bürokraten und Sozialisten in Berlin den Widerstand eindämmten, sah enttäuscht, dass man in Deutschland die Peitsche des Negers von der Leine in Ergebenheit hinnahm, ja die Patrioten hinter Schloss u. Riegel setzte, oder wie im Fall Schlageter an die Franzosen auslieferte. Dies begreift kein Italiener und {4} jeder einzelne, ohne Ausnahme, sagt mir, dass das in Italien unmöglich wäre (so unmöglich wie die Tatsache, dass ein Italiener jemals anderen Völkern zuliebe seine Fahne ändern würde). Hier würde jeder Mann, jede Frau erbittertsten pass aktiven Widerstand leisten; es würde aber auch keine Regierung geben, die den aktiven Widerstand des eigenen Volkes einer Einbrecherarmee gegenüber als „verbrecherische Akte“ verdammt. Diese entsetzliche Feigheit Cunos, der vor dem päpstlichen Popanz, diesem faulen, überfaulen Stück Mittelalter, so kläglich kapitulierte (welche mit welchen Worten hätte wohl Bismarck dem frechen feisten Pfaffen die Tür gewiesen!!!), hat hier die Achtung vor Deutschland völlig ausgelöscht. Feigheit ist wie eine Empfehlung gewesen. Hier glaubte man an eine neue furchtbare Auflage der Sizilianischen Vesper! Statt dessen katzbuckelt das Gesindel! Nun, ein Freund, der Lehrer ist, schreibt mir, dass in seiner Schule (Friedrichshagen bei Berlin) den Kindern gelehrt würde, Bismarck wäre nur ein Dilettant in der Politik gewesen! Damit ist alles gesagt! — Genug davon! —

Ich erwarte mit grosser Spannung Ihren Brief, den Sie mir ankündigten.

Ihnen und Ihrer verehrten Frau Gemahlin weiter gute Erholung wünschend, verbleiben wir beide mit den herzlichsten Grüssen


Ihr dankbar-ergebener
[signed:] Walter Dahms

© Transcription John Koslovsky, 2011


Rome
via Sardegna 79
August 23, 1923


Dear Master! 1

Many thanks for your message. 2 I have received Tonwille 4. Should I not yet have written to you as a result (which in any case I wanted to do so very much), the fact of the matter is (so it is only guilt) that in the days that the book came we had withdrawn for many weeks to a Villa nearby Rome as house sitters of a most friendly Italian man, where we are now still housed and presumably will be to the end of September. Because of this, the abnormal heat of this summer has become bearable for us, as I would rather sweat in Italy than freeze in the black-red-and-gold Germany. – You must excuse me if I write to you openly that I have only glanced through Tonwille 4, and that I still have not studied the elucidations 3 properly; this I have saved for my return to the old residence, that indeed in this winter will be very shortened but which alone makes possible further perseverance. 4

The work on "Haydn," about which you so kindly asked, I already gave up on some months ago, since the money could not come through. In order to complete Music of the South I had to go into debt by about 5,000 lire, which I hoped to get back through the sales of the subscription exemplar. Up to now, however, these have not yet been put together and the number {2} of subscriptions is still too low. I wanted to bring the Haydn work to completion – for the publisher much more certain business lies on this than on a hundred Music of the Souths, – so paid work that I am now doing had to be given up and new debts had to be taken on. I completely do not see why I should still pay for the prosperous business of the publisher. A few days ago I wrote to them about this; they shall pay me the outstanding honorarium in lire! On top of the many directors the publisher employs eight authorized signatories, so there is no issue with money. My explanation, that I had to leave the work on Haydn for so long until I had the necessary funds in hand for it, will leave the publisher flabbergasted at me. May it be their undoing!

The Leipzig Musicology Conference 5 will indeed lose itself somberly and aimlessly, in part in downright idiotic intellectual posing by these musicologists. Your appearance would be completely "out of the ordinary." Just think that creatures such as the Berlin-based Schünemann or the Munich-based Sandberger are there presumably to set the tone and direction. In addition Dr. Heuss, the director of the Zeitschrift für Musik (poor old Schumann's brainchild) plays an essential role in the realm of criticism there, the same one who, when I once long ago sent him an essay about you, dismissively answered "he is essentially of another opinion about Schenker." – Nonetheless it is perhaps (!!) advisable {3} to go there in order above all to bring some positive worth to the gathering. I want to give Vrieslander the right to this. But certainly you can judge the situation better than I, for whom the Leipzig Musicology Conference seems like an event on another star. 6

When occasionally a German newspaper reaches me (I read the Italian press less and less) I am astounded by what people in Germany take for "progress." I read with satisfaction how the new musical geniuses grow up in hordes with atonal ass's ears, I am astounded that Germany continues to celebrate its current "condition" (in every sense of the word) on such a large scale, and I see that the rascals and criminals still fare well under the direction of the minister. The seeds of the Erzbergers, Rathenaus, Liebknechts, Scheidemanns and Wirths blossom, Stresemann has become a convinced republican, the combatants languish in the prisons and the riff-raff triumph across the board. As the first sign of an energetic opposition to the occupation of the Ruhr 7 became known, the Italian people were enthused; the hatred of the French is continually deepening. Then one saw with amazement how the bureaucrats and socialists in Berlin curtailed the opposition, I was disappointed to see that people in Germany take the whip of the Negro from the leash in devotion, the patriots sit behind bars, or how Schlageter surrendered to the French. This no Italian understands and {4} every single one of them, without exception, tells me that in Italy it would be impossible (just as impossible as that an Italian would ever change his flag to please other people). Here every man and woman would carry out the most bitterly pass active opposition; it would also not allow for any government that condemns as a "criminal act" active opposition by the people against a burglar army. This abysmal cowardice of Cuno, who in front of the papal puppet, this foul, truly foul remnant of the Middle Ages, so feebly capitulated (with which words Bismarck would truly have shown the bold fat cleric the door!!!), has here completely annihilated respect for Germany. Cowardice was like a recommendation. Here one believed in a new dreadful edition of the Sicilian Vesper! Instead of this the riff-raff ingratiates itself! Now, a friend who is a teacher, writes to me that in his school (Friedrichshagen near Berlin) the children were taught that Bismarck would have been only a dilettante in politics! With that everything is said! – Enough of that! –

I await your promised letter with great excitement.

We wish you and your dear wife further good recovery, and we both remain with the kindest regards


Your thankful devotee,
[signed:] Walter Dahms

© Translation John Koslovsky, 2011


Rom
via Sardegna 79
23.8.23


Lieber Meister! 1

Herzlichsten Dank für Ihre Nachricht. 2 Tonwille 4 habe ich erhalten. Sollte ich Ihnen noch nicht daraufhin geschrieben haben, was ich aber jedenfalls so stark gewollt habe, dass es mir Tatsache geworden ist, so ist daran nur schuld, dass wir in den Tagen, als das Heft ankam, für mehere Wochen in die – in Rom gelegene Villa eines befreundsten Italieners als Hausbewahrer zogen, wo wir auch jetzt noch und zwar voraussichtlich bis Ende September hausen werden. Hierdurch ist uns auch die ganz ausserordentliche Hitze dieses Sommers erträglich geworden, wie ich ja überhaupt lieber in Italien schwitze als in dem schwarzrotgoldenen Deutschland friere. — Sie müssen entschuldigen, wenn ich Ihnen ganz offen schreibe, dass ich T.W. 4 nur erst durchgesehen, die Erläuterungen 3 aber noch nicht eigentlich studiert habe; dies habe ich mir für die Rückkehr in die alte Wohnung aufgepasst, die zwar in diesem Winter sehr beschränkt sein wird, die aber doch das weitere Durchhalten einzig und allein ermöglicht. 4

Die Arbeit am „Haydn“, nach der Sie sich so freundlich erkundigen, habe ich seit einigen Monaten schon vollständig aufgegeben, da sie pekuniär nicht durchzuführen ist. Für die Fertigstellung der „Musik des Südens“ habe ich ca. 5000 Lire Schulden machen müssen, die ich durch den Absatz des Subskriptionsexemplars wieder einzubringen hoffte. Bisher sind diese aber noch nicht fertig gebunden und die Zahl {2} der Zeichnungen ist noch zu geringfügig. Wollte ich nun den Haydn zu Ende führen — woran dem Verleger des sicheren Geschäftes wegen viel mehr liegt als an 100 Musiken des Südens, — so müsste sich Erwerbsarbeiten, die ich jetzt mache, aufgeben und neue Schulden dafür machen. Ich sehe nun aber garnicht ein, weshalb ich für das gute Geschäft des Verlegers noch zuzahlen soll. Vor wenigen Tagen habe ich ihm dementsprechend geschrieben; soll er mir ein auständiges Honorar in Lire zahlen! Der Verlag beschäftigt ausser den verschiedenen Direktoren 8 Prokuristen, da kommt es also auf das Geld nicht an. Meine Erklärung, dass ich die Arbeit am Haydn solange liegen lassen müsste, bis ich die nötigen Gelder dafür in der Hand hätte, wird ihn allerdings gerade bei mir aus allen Wolken fallen lassen. Möge er sich das Genick dabei brechen!

Der Leipziger Kongress für Musikwissenschaft 5 wird zwar an sich bei der zum Teil geradezu idiotischen Geistesbeschaffenheit dieser Musikwissenschaftler trübsinnig und zwecklos verlaufen. Ihr Erscheinen würde ganz ungeheuer „aus dem Rahmen fallen.“ Denken Sie doch nur, dass Kreaturen wie der Berliner Schünemann oder der Münchener Sandberger dort wahrscheinlich tonangebend und geistbestimmend sind. Zudem spielt dort in der Kritik Dr. Heuss, der Leiter der Zeitschrift für Musik (der armen Schumann’schen), eine wesentliche Rolle, derselbe, der mir, als ich ihm vor längerer Zeit einmal einen Aufsatz über Sie einsandte, ablehnend antwortete, „er sei wesentlich anderer Meinung über Schenker.“ — Trotzdem ist es vielleicht (!!) ratsam, doch {3} hinzugehen, um überhaupt einen positiven Wert in die Versammlung zu bringen. Somit möchte ich Vrieslander recht geben. Sicherlich aber können Sie die Lage dort besser beurteilen, als ich, dem ein Leipziger musikwissenschaftlicher Kongress wie ein Ereignis auf einem anderen Stern erscheint. 6

Dann und wann erreicht mich eine deutsche Zeitung (italienische lese ich noch seltener) und ich bin erstaunt, was man in Deutschland für „Fortschritte“ macht, lese mit Genugtuung, wie die neuen musikalischen Genies in Scharen mit atonalen Eselsohren heranwachsen, staune darüber, dass Deutschland seine jetztige „Verfassung“ (in jedem Sinn des Wortes) auch noch grossartig feiert und sehe, dass es den Lumpen und Verbrechern unter der Führung der Minister immer noch gut geht. Erzberger’s, Rathenaus, Liebknechts, Scheidemanns und Wirths Saat blüht, Stresemann ist überzeugter Republikaner geworden, die Kriegsteilnehmer schmachten in den Gefängnissen und das Gesindel triumphiert auf der ganzen Linie. Als die ersten Anzeichen eines energischen Widerstandes an der Ruhr 7 hier bekannt worden, war das ital. Volk begeistert; denn der Franzosenhass ist im dauernden Zunehmen begriffen. Dann sah man hier mit Staunen, wie die Bürokraten und Sozialisten in Berlin den Widerstand eindämmten, sah enttäuscht, dass man in Deutschland die Peitsche des Negers von der Leine in Ergebenheit hinnahm, ja die Patrioten hinter Schloss u. Riegel setzte, oder wie im Fall Schlageter an die Franzosen auslieferte. Dies begreift kein Italiener und {4} jeder einzelne, ohne Ausnahme, sagt mir, dass das in Italien unmöglich wäre (so unmöglich wie die Tatsache, dass ein Italiener jemals anderen Völkern zuliebe seine Fahne ändern würde). Hier würde jeder Mann, jede Frau erbittertsten pass aktiven Widerstand leisten; es würde aber auch keine Regierung geben, die den aktiven Widerstand des eigenen Volkes einer Einbrecherarmee gegenüber als „verbrecherische Akte“ verdammt. Diese entsetzliche Feigheit Cunos, der vor dem päpstlichen Popanz, diesem faulen, überfaulen Stück Mittelalter, so kläglich kapitulierte (welche mit welchen Worten hätte wohl Bismarck dem frechen feisten Pfaffen die Tür gewiesen!!!), hat hier die Achtung vor Deutschland völlig ausgelöscht. Feigheit ist wie eine Empfehlung gewesen. Hier glaubte man an eine neue furchtbare Auflage der Sizilianischen Vesper! Statt dessen katzbuckelt das Gesindel! Nun, ein Freund, der Lehrer ist, schreibt mir, dass in seiner Schule (Friedrichshagen bei Berlin) den Kindern gelehrt würde, Bismarck wäre nur ein Dilettant in der Politik gewesen! Damit ist alles gesagt! — Genug davon! —

Ich erwarte mit grosser Spannung Ihren Brief, den Sie mir ankündigten.

Ihnen und Ihrer verehrten Frau Gemahlin weiter gute Erholung wünschend, verbleiben wir beide mit den herzlichsten Grüssen


Ihr dankbar-ergebener
[signed:] Walter Dahms

© Transcription John Koslovsky, 2011


Rome
via Sardegna 79
August 23, 1923


Dear Master! 1

Many thanks for your message. 2 I have received Tonwille 4. Should I not yet have written to you as a result (which in any case I wanted to do so very much), the fact of the matter is (so it is only guilt) that in the days that the book came we had withdrawn for many weeks to a Villa nearby Rome as house sitters of a most friendly Italian man, where we are now still housed and presumably will be to the end of September. Because of this, the abnormal heat of this summer has become bearable for us, as I would rather sweat in Italy than freeze in the black-red-and-gold Germany. – You must excuse me if I write to you openly that I have only glanced through Tonwille 4, and that I still have not studied the elucidations 3 properly; this I have saved for my return to the old residence, that indeed in this winter will be very shortened but which alone makes possible further perseverance. 4

The work on "Haydn," about which you so kindly asked, I already gave up on some months ago, since the money could not come through. In order to complete Music of the South I had to go into debt by about 5,000 lire, which I hoped to get back through the sales of the subscription exemplar. Up to now, however, these have not yet been put together and the number {2} of subscriptions is still too low. I wanted to bring the Haydn work to completion – for the publisher much more certain business lies on this than on a hundred Music of the Souths, – so paid work that I am now doing had to be given up and new debts had to be taken on. I completely do not see why I should still pay for the prosperous business of the publisher. A few days ago I wrote to them about this; they shall pay me the outstanding honorarium in lire! On top of the many directors the publisher employs eight authorized signatories, so there is no issue with money. My explanation, that I had to leave the work on Haydn for so long until I had the necessary funds in hand for it, will leave the publisher flabbergasted at me. May it be their undoing!

The Leipzig Musicology Conference 5 will indeed lose itself somberly and aimlessly, in part in downright idiotic intellectual posing by these musicologists. Your appearance would be completely "out of the ordinary." Just think that creatures such as the Berlin-based Schünemann or the Munich-based Sandberger are there presumably to set the tone and direction. In addition Dr. Heuss, the director of the Zeitschrift für Musik (poor old Schumann's brainchild) plays an essential role in the realm of criticism there, the same one who, when I once long ago sent him an essay about you, dismissively answered "he is essentially of another opinion about Schenker." – Nonetheless it is perhaps (!!) advisable {3} to go there in order above all to bring some positive worth to the gathering. I want to give Vrieslander the right to this. But certainly you can judge the situation better than I, for whom the Leipzig Musicology Conference seems like an event on another star. 6

When occasionally a German newspaper reaches me (I read the Italian press less and less) I am astounded by what people in Germany take for "progress." I read with satisfaction how the new musical geniuses grow up in hordes with atonal ass's ears, I am astounded that Germany continues to celebrate its current "condition" (in every sense of the word) on such a large scale, and I see that the rascals and criminals still fare well under the direction of the minister. The seeds of the Erzbergers, Rathenaus, Liebknechts, Scheidemanns and Wirths blossom, Stresemann has become a convinced republican, the combatants languish in the prisons and the riff-raff triumph across the board. As the first sign of an energetic opposition to the occupation of the Ruhr 7 became known, the Italian people were enthused; the hatred of the French is continually deepening. Then one saw with amazement how the bureaucrats and socialists in Berlin curtailed the opposition, I was disappointed to see that people in Germany take the whip of the Negro from the leash in devotion, the patriots sit behind bars, or how Schlageter surrendered to the French. This no Italian understands and {4} every single one of them, without exception, tells me that in Italy it would be impossible (just as impossible as that an Italian would ever change his flag to please other people). Here every man and woman would carry out the most bitterly pass active opposition; it would also not allow for any government that condemns as a "criminal act" active opposition by the people against a burglar army. This abysmal cowardice of Cuno, who in front of the papal puppet, this foul, truly foul remnant of the Middle Ages, so feebly capitulated (with which words Bismarck would truly have shown the bold fat cleric the door!!!), has here completely annihilated respect for Germany. Cowardice was like a recommendation. Here one believed in a new dreadful edition of the Sicilian Vesper! Instead of this the riff-raff ingratiates itself! Now, a friend who is a teacher, writes to me that in his school (Friedrichshagen near Berlin) the children were taught that Bismarck would have been only a dilettante in politics! With that everything is said! – Enough of that! –

I await your promised letter with great excitement.

We wish you and your dear wife further good recovery, and we both remain with the kindest regards


Your thankful devotee,
[signed:] Walter Dahms

© Translation John Koslovsky, 2011

Footnotes

1 Receipt of this letter is recorded in Schenker's diary at OJ 3/4, p. 2560, August 30, 1923: "Von Dahms Jammerbrief: Haydn stockt, ebenso die Subscription; zieht – leider zu spät! – gegen deutsche Feigheit, deutschen Verrat los!" ("From Dahms letter of complaint: Haydn is stuck, the subscription as well; campaigns – unfortunately too late! – against German cowardliness, German betrayal!").

2 Schenker's message is not known to survive: writing of it is recorded in his diary at OJ 3/4, p. 2554, August 19, 1923: "An Dahms (K.): wie es ihm gehe; von Krehls Einladung; ob das 4. Heft in seiner Hand; verspreche auf einen Punkt zurückzukommen, für den bisher nur er Verständnis gezeigt, ich meine die Unzulänglichkeit gegenüber dem Genie, die Ursache aller Uebel ist." ("To Dahms (postcard): how is he; of Krehl's invitation; whether the fourth issue is in his hands; promise to return to a point for which up until now only he showed understanding, I mean the inadequacy vis-à-vis the genius, which is the root of all evil.").

3 Erläuterungen": Dahms is perhaps referring to the section of Tonwille 4 entitled "Miscellanea" ("Vermischtes"); alternatively he may be referring to the detailed analytical reasonings.

4 No paragraph-break in source.

5 Dahms could be referring to the Leipzig Musicology Conference that took place two years later (June 4‒8, 1925), which was the first meeting of the German Musicological Society. See John Tyrrell and Rosemary Wise, A Guide to International Congress Reports in Musicology (New York: Garland, 1979).

6 No paragraph-break in source.

7 The French occupied the Ruhr valley between 1923 and 1925 as result of the Germany's failure to pay post-World-War-I reparations.

Commentary

Format
4p letter, two sheets recto-verso, holograph message and signature
Provenance
Schenker, Heinrich (document date-1935)-- Schenker, Jeanette (1935-c.1942)--Ratz, Erwin (c.1942-c.1955)--Jonas, Oswald (c.1955-1978)--University of California, Riverside (1978--)
Rights Holder
Heirs of Walter Dahms, published here with kind permission.
License
Permission to publish granted by principal heir, Dahms's grand daughter, Cristina Texeio Coelho, August 12, 2009. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Correspondence Project, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk.

Digital version created: 2011-12-18
Last updated: 2011-12-18